Noch herrscht geradezu idyllische Ruhe am und auf dem Halbendorfer See. Doch der Schein trügt. Mehr als 40 deutsche und internationale Motorboot-Sportler sorgen am Sonnabend und Sonntag mit ihren Boliden für spannende Rennen und aufpeitschendes Wasser.

Einer von ihnen ist der 33-jährige Christian Tietz aus Dresden, der in der Formel ADAC unterwegs sein wird und für die nationale Meisterschaft punkten will. Seit drei Jahren hat er sich dieser Sportart verschrieben. "Risikofreudig war ich schon vorher, bin viel mit dem Motorrad unterwegs", so der Elektromaschinen-Monteur.

Wenige Tage vor dem Rennen präsentierte Tietz stolz sein Boot und schloss Freundschaft mit dem Halbendorfer See. Ob daraus Liebe wird, entscheidet vermutlich der Ausgang des Wettkampfes. Mit dem Dresdener sind sieben Motorsportler auf dem 1500-Meter-Rundkurs unterwegs. Der ist mit zwei Schikanen bestückt, die in rasanter Geschwindigkeit genommen werden. Attraktiv für die Zuschauer am See - bei der Premiere im vergangenen Jahr waren es mehr als 3000 - dürften auch die Rennen in der Klasse bis 350 Kubikzentimeter sein, ist ADAC-Sprecher Mathias Vassmers überzeugt. Elf Fahrer aus Deutschland, Österreich, der Slowakei und Tschechien gehen an den Start und erreichen mit ihren Boliden eine Geschwindigkeit bis zu 175 km/h. Auch hier geht es um die nationale Meisterschaft. Bei der Formel 500-Powerboat-Präsentation werden zudem 150 PS-Rennboote für Aufsehen sorgen, hieß es am gestrigen Dienstag. Wenn am Sonnabend um 11 Uhr das freie Training für das F-4S-Starterfeld beginnt, testet die Polin Ada Przybyl als einzige Frau die Strecke. "Außerdem sind zwanzig Rennfahrer in Halbendorf dabei. Sie kommen aus Deutschland, Schweden, Litauen, Lettland, Polen, Niederlande und Ungarn." Auf dem anspruchsvollen 1500 Meter langen Rundkurs mit Geraden, Kurven und Schikanen erreichen die Rennboote im Kampf um die WM-Punkte laut Mathias Vassmers Spitzengeschwindigkeiten bis zu 120 km/h. Für den Fahrer mit der schnellsten Rennrunde gibt es zudem einen Ehrenpokal, gestiftet vom Schirmherren der Veranstaltung und Oberbürgermeister von Weißwasser, Torsten Pötzsch.

Doch bevor der Halbendorfer See erneut zum Renngewässer wird, ist ab Donnerstag viel Aufbauarbeit vonnöten. Die Infrastruktur für den Grand Prix muss vorbereitet werden. Bojenbeobachter - die Augen der Rennleitung auf dem See - und die Flaggenverantwortlichen werden geschult. Die meisten dieser Leute gehören zum Tauchsport-Aqua-Team Weißwasser. Ebenso René Blümel. In ihm, der gleichwohl bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft DLRG Weißwasser engagiert ist, habe der ADAC einen verlässlichen Partner gefunden. Schon im vorigen Jahr bei der Premieren-Veranstaltung habe er mit seiner Truppe die Sache recht gut gemacht, schätzt Vassmers ein. Daran werde nun angeknüpft.

Blümel spricht von bis zu 70 Helfern, die am kommenden Wochenende im Einsatz sind. "Aquateam, DLRG und Wasserwacht sind mit Booten vor Ort. Zum einen werden diese zum Schleppen eingesetzt und zum anderen für Rettungszwecke", erklärt Blümel. Mit an Bord ist auch ein Arzt für den Fall der Fälle. Nicht zu vergessen sind Landes- und Wasserschutzpolizei. Fahrerlager, Rennleitung, Rettungskräfte und so weiter - das alles findet am Textilstrand seinen Platz. "Schon im vorigen Jahr schätzten die Fahrer die Fläche dort als optimal ein. Alles liegt dicht beieinander, und dennoch ist für jeden genug Platz", sagt Vassmers. Die beiden Kräne, die die großen Boote zu Wasser lassen und auch wieder heraushieven, werden etwa in der Strand-Mitte platziert. Am rechten Rand wird ein 40 Meter langer Steg zum Starten genutzt. Links am Strand werden zwei Slipstellen eingerichtet.

"Der Platz hier ist wirklich optimal. Es gibt viele Rennplätze in Deutschland, die sind eng und provisorisch. Hier ist das ganz anders", so die Meinung von René Blümel, der als Mitglied einer Rettungscrew des Deutschen Motoryacht Verbandes über entsprechende Erfahrungen verfügt. Der rund zwei Kilometer lange und rund 500 Meter breite See biete beste Voraussetzungen für Motorbootrennen wie die am kommenden Wochenende. "Die Boote vertragen keine Wellen, weil die das Risiko unheimlich verstärken und die Unfallgefahr erhöhen würden. Der See ist groß genug, um alles zu fahren und klein genug, damit sich keine Wellen aufbauen können", so Blümel. Aus diesen Gründen würde sich auch der Bärwalder See nicht für derartige Motorboot-Rennen eignen. "Auch das Genehmigungsverfahren lief gut, die Auflagen hinsichtlich Natur- und Umweltschutz erfüllen wir", so Vassmers. Beim Zweckverband Halbendorfer See (ZV), den Gemeinden und dem Landkreis sei man erneut auf aufgeschlossene Partner gestoßen. Lothar Ahr, ZV-Geschäftsführer, freut sich, wenn schon zu Beginn der Saison Betrieb am See herrscht. "Die Rennfahrer sind herzlich willkommen", so der Halbendorfer. Der Grand Prix sei eine gute Gelegenheit, für das Erholungsgebiet zu werben.

Zum Thema:
Der ADAC Motorboot Grand Prix 2012 startet am Sonnabend, 28. April, um 10 Uhr mit dem Freien Training (Formel ADAC, bis 350ccm, F-4S). Gegen 12 Uhr eröffnen Schirmherr Torsten Pötzsch, Oberbürgermeister in Weißwasser, und Reinhard Bork, Bürgermeister in Schleife, offiziell das Grand-Prix-Wochenende. Ab 13.10 Uhr Zeittraining; ab 15.15 Uhr Sprintrennen Formel ADAC und 1. Lauf bis 350ccm sowie F-4S-WM. Jeweils um 11.50, 14.50 und 16.40 Uhr F500-Powerboat-Präsentation. Am Sonntag, 29. April, findet der Grand Prix mit dem 1. Lauf der Formel ADAC um 9.45 Uhr seine Fortsetzung. Es schließen sich an: 10.15 bis 350ccm und 10.45 Uhr F-4S-WM (je 2. Läufe), 11.35 Formel ADAC (2. Lauf). Nach der Pause um 13 Uhr folgen die dritten Läufe der Klassen F-4S-WM, bis 350ccm (13.30), Formel ADAC (14 Uhr) und F-4S-WM (4. Lauf) um 14.30 Uhr; 15.15 Siegerehrung. Eintritt: Samstag vier Euro, Sonntag sechs Euro, Kinder bis 14 Jahre frei. Kassen befinden sich auf beiden See-Seiten.