Niels Nauhauser, Experte für Finanzdienstleistungen der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart, sieht vor allem ein Problem: "Es gibt noch zu wenige Angebote in diesem Bereich." Aus den Beratungen der Verbraucherzentrale wisse er, dass es zwar ein großes Interesse vieler Menschen an entsprechenden Produkten gibt. Die Unternehmen hätten sich darauf aber noch nicht eingestellt.
Diesen Eindruck bestätigt auch Ulf-Uwe Alex, Pressesprecher im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK e.V.): „Fairsicherungsangebote sind in der Versicherungsbranche noch weitgehend unbekannt.“ Zudem habe er so seine Zweifel, ob „wo Öko drauf steht auch Öko drin ist“ .
Für reine Geldanlagen gebe es bereits zahlreiche Fonds, die ökologischen oder sozialen Standards genügten, betont Ingo Scheulen, Finanzmakler aus Bad Salzuflen. Bei Versicherungen, beispielsweise Kranken-, Sach- sowie Hausrat- und Autoversicherungen, gebe es vereinzelte Angebote. "Das wird sich in den nächsten zehn Jahren noch entwickeln", hofft Scheulen, der auch Vorsitzender des Netzwerks für nachhaltige Vermögensberatung "oekofinanz 21" ( www.oekofinanz-21.de) ist.

An ökologische Fonds gekoppelt
Verbraucher könnten bei der Suche nach einer "Fairsicherung", aber schon jetzt Aussicht auf Erfolg haben. So gebe es beispielsweise einen Krankenversicherungstarif, der mit einem ökologischen Fonds gekoppelt ist, erläutert Scheulen. Auch in der Altersvorsorge hätten manche Unternehmen ein vergleichsweise breites Angebot entsprechender Produkte aufgelegt.
Mit einem möglichen Vorurteil gegenüber "Fairsicherungen" und grünen Geldanlagen will Niels Nauhauser aufräumen: "Die Rendite muss bei solchen Angeboten nicht niedriger sein", sagt er. Das bestätigt auch ein Vergleich der Zeitschrift „Finanztest“ (Ausgabe 2/2007), bei dem grüne Geldanlagen unter die Lupe genommen wurden. Ethisch-ökologische Fonds wie der Activest EcoTech C, ÖkoVision (ÖkoRenta) oder Green Effects NAI-Werte hätten über einen Zeitraum von fünf Jahren Renditen zwischen fünf und sechs Prozent pro Jahr erzielt. Allerdings sei der Anteil der guten Angebote bei Öko-Fonds geringer als bei herkömmlichen, heißt es.
Für Geldanlage oder Versicherung gilt deshalb gleichermaßen: Die Angebote der Unternehmen müssen genau unter die Lupe genommen werden. Kunden, die sich das nicht selbst zutrauen, empfiehlt Versicherungsmakler Christian Grüner aus Wuppertal einen Fachmann um Rat zu fragen. Denn allzu häufig setzten Unternehmen das Geld vom Kunden nur zu einem kleinen Teil nach besonderen Kriterien ein. "Das ist oft vom Marketing getrieben." Grüner sieht einen Schwerpunkt seiner Arbeit in der Vermittlung von Finanzprodukten und Versicherungen, die besonderen ethischen Standards genügen. Auch der Experte der Verbraucherzentrale rät zur Vorsicht. "Es gibt keine einheitlichen Standards. Die Empfehlung muss sein, genau nachzufragen", sagt Niels Nauhauser.
Die Unternehmen stellen die Kriterien für ihre Versicherungstarife selbst auf. Sie können die besonderen Bedingungen für den Einsatz des Geldes der Kunden formulieren. Danach können Verbraucher bei den Unternehmen gezielt fragen. Auf der Internetseite eines Unternehmens ist zum Beispiel ein Katalog mit Ausschlusskriterien einzusehen. Danach darf das Geld nicht für Genmanipulationen, Giftmülltransporte oder die "Störung der Lebensgrundlagen indigener Völker" verwendet werden.
(dpa/gms/sh)

SERVICE Faire Versicherung oder unabhängige Beratung
  Auf der Suche nach "Fairsicherungen" müssen Verbraucher genau unterscheiden: Zum Beispiel haben sich Finanz- und Versicherungsmakler in einem "Verbund der Fairsicherungsläden" zusammengeschlossen ( www.fairsicherung.de). Das "fair" bezieht sich in diesem Fall aber auf die Beratung - die Produkte genügen nicht besonderen ethischen Standards.