Das internationale Isolations-Experiment mit dem virtuellen Ziel Roter Planet begann am 3. Juni vergangenen Jahres. Einen seiner Höhepunkte erreichte es, als die Raumfahrer im Februar auf dem Mars „landeten“, der in Wirklichkeit nichts weiter war als jede Menge Sand auf russischem Boden. Dies hielt drei der Männer jedoch nicht davon ab, das Gelände auf „Weltraumspaziergängen“ in voller Astronautenmontur zu erkunden – um sich im Anschluss auf den langen Weg zurück zur Erde zu machen.

Ziel des Experimentes ist es, die Auswirkungen von Mars-Flügen auf den Menschen zu untersuchen. Die höchst erdverbundene Mission, der es an der Schwerelosigkeit tatsächlicher Raumflüge mangelt, hatte für einigen Spott gesorgt. Doch die Organisatoren versuchten nach Kräften, ihren Raumfahrern das echte Weltraum-Gefühl zu vermitteln – bis hin zur Kommunikation mit der Bodenkontrolle, die wie bei echten Flügen ins All nur mit 40-minütiger Verzögerung funktionierte. Wie in einer Raumfähre waren die sechs ohne Frischluft und Sonnenlicht auf engem Raum zusammengepfercht, mussten Anweisungen der Bodenkontrolle befolgen und hatten nur Weltraumnahrung zur Verfügung.

Die am Projekt „Mars 500“ beteiligten Raumfahrtbehörden wollten vor allem herausfinden, ob Menschen die Einsamkeit und das Frustrationspotenzial des langen Fluges zum Mars und wieder zurück ertragen können. „Ja, die Besatzung ist in der Lage, die unvermeidliche Isolation auszuhalten“, erklärte Patrik Sundblad von der Europäischen Raumfahrtbehörde (Esa), einem der Projektpartner, auf der Website des Instituts: „Psychologisch gesehen können wir es schaffen.“ Doch bis zur ersten echten Mars-Mission ist es noch ein weiter Weg – Russland und die Esa hoffen, dass diese etwa im Jahr 2040 stattfinden kann.

Die Besatzung der virtuellen Expedition besteht aus drei Russen – zwei Ärzten und einem Ingenieur –, je einem italienischen und einem französischen Ingenieur und einem Astronauten-Ausbilder aus China. „520 Tage mit Leuten verschiedenen Hintergrunds, aus verschiedenen Ländern und mit unterschiedlicher Mentalität zu verbringen, ist alles andere als einfach“, sagt der Vize-Direktor des Projekts, Mark Belakowski: „Aber sie haben sich einwandfrei benommen.“

Unmittelbar nach ihrem Ausstieg aus der Raumkapsel wird sich die Besatzung einer ganzen Reihe von Untersuchungen unterziehen müssen, um zu prüfen, ob alle das anderthalbjährige Abenteuer unbeschadet überstanden haben. Belakowski zufolge bleiben die sechs zunächst in Quarantäne. Forscher befürchten, dass die Männer nach der Isolation besonders infektionsanfällig sein könnten.