"Es war schon paradox", schreibt die Cottbuserin. "Russen erschossen meine Mutter und brachten auch mich fast um. Doch weiterleben konnte ich nur, weil man mich im Russen-Lazarett gesund gepflegt und als Ersatz für meine tote Mutter eine Kuh von der nächsten Weide stibitzt hatte." Die so früh auf derart tragische Weise umgekommene Mutter sei es, der sie mit ihrem Buch ein Denkmal setzen wolle, sagt Renate Marowsky. Das ist ihr wahrlich gelungen. Entstanden ist - ganz im Verborgenen - ein grandioses Werk. Wer einmal zu lesen begonnen hat, vermag es kaum wieder aus der Hand zu legen - so sehr wird er in die Geschichte hineingezogen, die von Schicksalsschlägen gleichermaßen geprägt ist wie von Zuversicht.Zwei Jahre sei sie alt gewesen, als ihre Mutter auf der Flucht von "zwei betrunkenen Mongolen" erschossen wurde. Ein Streifschuss habe auch sie getroffen. Die Pflegeeltern seien mehr an der mitgebrachten Kuh als an ihr und ihrer Schwester interessiert gewesen. Von sexuellem Missbrauch wird berichtet. Und von einer zu früh geschlossenen unglücklichen Ehe.Diese Ehe sei nach sieben Jahren zerbrochen, erzählt Renate Marowsky, obwohl Walter Ulbricht, der damalige Staatsratsvorsitzende der DDR, dem jungen Paar auf dem Cottbuser Altmarkt persönlich gratuliert habe. Und als ob das noch nicht genug Schicksalsschläge wären, kam Renate Marowskys älterer Sohn Thoralf mit 22 Jahren durch einen Unfall ums Leben. "Durch Himmel und Hölle bin ich gegangen", resümiert die Autorin, "und dabei zu der Überzeugung gelangt, dass Menschen nicht immer an dem Tag geboren werden, an dem ihre Mütter sie zur Welt bringen. Das Leben zwingt sie dazu, sich noch ein oder mehrere Male selbst zu gebären, und bestimmt wohl auch, wohin die Reise geht."Mit dem Schreiben hatte die heutige Rentnerin in ihrem Berufsleben nur indirekt zu tun. Die gelernte Technische Zeichnerin hat eine zweite Ausbildung zur Bibliothekarin absolviert und bis zur Wende die Gewerkschaftsbibliothek im Textilkombinat Cottbus geleitet. Das sei ihr Traumjob gewesen, erzählt Renate Marowsky. Um so bitterer war es, die Bibliothek nach der Wende abzuwickeln. Die vorhandenen mehr als 25 000 Bücher habe sie in einer Weiterbildungseinrichtung in der Parzellenstraße untergebracht und für sich selbst eine Arbeit in der zentralen Bezügestelle der Oberfinanzdirektion gefunden.Als Rentnerin habe sie dann angefangen zu schreiben. "Herbstmilch"-Autorin Anna Wimschneider sei auch schon älter als 60 Jahre gewesen, als sie angefangen habe zu schreiben, sagt die Cottbuserin und lässt damit ein literarisches Vorbild erkennen. Auch Erwin Strittmatter habe sie immer sehr gern gelesen. "Ich bin im selben Milieu großgeworden", sagt die Cottbuserin. Es sei ihr wichtig gewesen, den Ton zu treffen, der dem bäuerlichen Leben "im tiefen Spreewald" entspreche. Renate Marowsky hat, wie sie sagt, vier Jahre an ihrem Buch geschrieben. Meist abends, wenn andere Leute vor dem Fernseher sitzen. "Wenn ich mich in etwas festgebissen habe, gebe ich nicht auf", bekennt sie. Ihre Arbeitsweise beschreibt Renate Marowsky so: "Einmal geschrubbt, einmal geschlichtet und einmal feingeschlichtet." Das bedeute, dass sie das Geschriebene am nächsten Tag liest und überarbeitet.Freunde und Bekannte hätten begeistert auf das Buch reagiert. Und Lektorin Susanne Heckel vom Reimo-Verlag schreibt: "Eine spannende, fantasiereiche, kurzweilige, sehr einfühlsame und sorgfältig beobachtende Sprachgestaltung sowie eine beneidenswert geschickte Text-Dramaturgie, wirklich ein Meisterwerk in meinen Augen." Dem ist nichts hinzuzufügen.Renate Marowsky liest am 6. März, 16 Uhr, in der Kleingartensparte "Fleißige Hand" in Sandow aus ihrem Buch.