Experimente zur Schwerelosigkeit finden in dem Trainingsmodul der russischen Raumstation "Mir" nicht statt. Doch Besucher sollen einen Eindruck davon erhalten, wie die "Mir"-Bewohner ihr Leben auf engstem Raum gestalteten. Das Modul stammt aus dem Astronautenausbildungszentrum Köln, wo die europäischen Raumfahrer die erste Stufe ihres Trainings absolvieren.
"Dieses Teil haben auch die Deutschen Reinhold Ewald, Klaus-Dietrich Flade und Thomas Reiter genutzt", berichtet Mothes. Nach einer Zwischenlösung in Waldpark Grünheide ist das Modul nun endgültig in Morgenröthe-Rautenkranz angekommen, dem Geburtsort des ersten deutschen Kosmonauten Sigmund Jähn.
Die bislang beengt untergebrachte Raumfahrtausstellung zeigt sich ab morgen in einem völlig neuen Gewand. Nach neun Monaten Bauzeit wird das kastenartige, blaue Gebäude unweit des Bahnhofs Rautenkranz eröffnet. Geschichte der Raumfahrt, bemannte und unbemannte Raumfahrt bilden die Schwerpunkte.
Unter der Decke hängen Sputnik und Helios-Sonde, eine lange Porträt reihe listet die Ahnen der Raumforschung auf. Über einen direkten Satellitenkontakt gibt es viertelstündlich aktuelle Wetterbilder. Unscheinbare Hitzeschutzschilder und Teile von Sonnensegeln sind erst durch die Beschilderung in ihrer Bedeutung erkennbar. "In dieser Art gibt es keine weitere Ausstellung in Deutschland", ist sich Mothes sicher.

Nur noch eine Vitrine für Sigmund
Die Schau war 1979 im Bahnhof der Vogtlandgemeinde zur Erinnerung an den ersten bemannten Raumflug mit DDR-Beteiligung eingerichtet worden. Damals sei die Aussage der Ausstellung zu 99 Prozent politisch gewesen, sagt Bürgermeister Konrad Stahl, der auch Vorsitzender des Trägervereins ist. Auf Sigmund Jähn als den berühmtesten Sohn des Ortes lässt der CDU-Politiker nichts kommen: "Der Sigmund ist ein Superkerl, immer bescheiden und heimatverbunden geblieben." Heute ist dem ehemaligen NVA-Offizier und Ehrenbürger "nur noch" eine Vitrine der Schau gewidmet.
Jähn habe die Ausstellung nach der Wende erst nicht mehr gewollt, sagt Stahl. Doch letztlich sei sie eine große touristische Chance für die an Industrie und Gewerbe arme Gemeinde gewesen, und Jähns Kontakte hätten wesentlich die inhaltliche Neuausrichtung ermöglicht. In den Bau und die technische Ausstattung seien mehr als zwei Millionen Euro investiert worden. Jährlich werden mindestens 40 000 Besucher erwartet.

Weltweite Unterstützung
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, die Europäische Weltraumagentur, Kosmonauten und Astronauten aus aller Welt unterstützen den Verein. Dieser wirkt mit den jährlichen Raumfahrttagen, Exkursionen, Sonder- und Wanderausstellungen und den Sektionen Amateurfunk, Raumfahrtphilatelie und Plastikmodellbau längst weit über die Grenzen des vogtländischen Ortes hinaus.

Hintergrund Öffnungszeiten
 Die Deutsche Raumfahrtausstellung in Morgenröthe-Rautenkranz ist ab Mittwoch, den 28. März täglich von zehn bis 17 Uhr geöffnet. Letzter Einlass ist jeweils um 16.30 Uhr. Jede Menge Vorabinformationen finden sich im Internet unter www.deutsche-raumfahrtausstellung.de.