Mehr als das Doppelte sollen die Cottbuser Vereine im kommenden Jahr dafür bezahlen, dass sie in den städtischen Turnhallen ihrer Freizeitbeschäftigung nachgehen können. Damit wolle die Stadt den Vorgaben des Innenministeriums entsprechen, sagt der Cottbuser Sozialdezernent Berndt Weiße (parteilos). Potsdam reiche nämlich der bisher gezeigte Sparwille der Kommune nicht aus. So existiere die Vorgabe, jährlich eine halbe Million Euro bei den freiwilligen Leistungen zu kürzen. „Als Verwaltung haben wir da einen sehr eingeschränkten Handlungsspielraum“, sagt Weiße.

Zwar sollen Kinder und Jugendliche auch weiterhin die Hallen kostenfrei nutzen dürfen. Trotzdem gefährde das neue Gebührenmodell den Fortbestand einiger Vereine. Das sagt Klaus Lehmann vom Tischtennisverein Automation. Statt 3700 Euro müsste sein Verein im kommenden Jahr 8900 Euro für die 1200 Quadratmeter große Halle bezahlen. Erst unlängst habe der Verein den Jahresbeitrag von 70 auf 110 Euro erhöht. „Wird der Vorschlag der Stadt umgesetzt, müssten bei uns Erwachsene künftig 180 Euro im Jahr bezahlen, Kinder etwa 120 Euro“, sagt Lehmann.

Knapp 300 Mitglieder hat der Verein Sport- und Gesundheitszentrum. „Bei uns sind hauptsächlich Senioren organisiert, die können eine Erhöhung nicht aufbringen“, sagt Geschäftsführer Ronny Bauch. „Viele würden den Sport aufgeben und die Hallen stünden dann leer.“

Besonders hart würden die Gebührenpläne die Basketballer der White Devils treffen (siehe Tabelle). „Wir könnten uns zusätzliche Übungsleiter nicht mehr leisten, auch eine Unterstützung zu den Auswärtsfahrten nach Potsdam oder Schwedt wäre nicht mehr möglich“, sagt Vizechefin Claudia Lorenz. Somit hätten die Pläne der Stadt auch direkte Auswirkungen auf den Kinder- und Jugendsport.

„Der politische Schaden, der hier angerichtet wird, ist nicht abzusehen“, sagt Stadtsportbund-Präsident Wolfgang Neubert. „Von Anerkennung oder gar Wertschätzung der ehrenamtlichen Arbeit im Sport kann hier keine Rede mehr sein“, erklärt Stadtsportbund-Geschäftsführer Tobias Schick. Erst vor drei Wochen hätten sich Bildungsministerin und Oberbürgermeister bei der Sportfamilie für die hervorragende Arbeit bedankt. „Jetzt verabschiedet sich die Stadt von der Unterstützung des Breitensports.“

Ob es für die Pläne allerdings eine politische Mehrheit gibt, ist gegenwärtig unklar. Der Bildungsausschuss sah sich am Donnerstagabend außerstande, über die Vorlage abzustimmen. Sie sei zu kurzfristig vorgestellt worden. In den Fraktionen soll nun nach einem Kompromiss gesucht werden. Der Stadtsportbund, der im Vorfeld nicht einbezogen worden ist, hat angeboten, mitzuarbeiten. „Die Sportfamilie leistet selbstverständlich ihren Anteil bei der Konsolidierung des Haushaltes“, sagt Tobias Schick. „Aber nicht bis zur Selbstaufgabe.“