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| 09:31 Uhr

Behörden raten zum Wechsel
Unbelastete Valsartan-Generika könnten in Apotheken der Region knapp werden

Eine Packung des Medikamentes mit dem verunreinigten Wirkstoff Valsartan.
Eine Packung des Medikamentes mit dem verunreinigten Wirkstoff Valsartan. FOTO: Frank Hilbert
Cottbus/Elsterwerd/Bonn. Nach dem Rückruf von bestimmten Blutdrucksenkern mit dem Wirkstoff Valsartan empfehlen die Behörden eine Umstellung auf unbedenkliche Arzneimittel. Auch Apotheker in der Region sind jetzt besonders gefordert. Von Frank Hilbert

Betroffene sollten mit ihrem Arzt oder Apotheker Rücksprache halten, welche Mittel von dem Rückruf betroffen sind, empfiehlt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn. Gegebenenfalls könnten sie dann auf ein anderes valsartanhaltiges Medikament umgestellt werden.

„Bei uns können die betroffenen Packungen zur Vernichtung abgegeben werden, aber es gibt noch keinen offiziellen Rückruf des Medikaments auf Patientenebene“, sagt David Kölling am Samstag auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Er leitet im Lausitzpark eine der drei Cottbuser Filialen der „Apotheke am Theater“.

Das heißt, Patienten können ihre Medikamente nicht so einfach umtauschen. Per Rezept können sie jedoch auf unbelastete Valsartan-Präparate ausweichen. Es gebe noch einige wenige Hersteller von unbelasteten Generika, sodass nicht gleich auf das teurere Original zugegriffen werden muss, sagt der Filialleiter.

„Wir sind derzeit noch gut damit bevorratet, aber in der Zukunft dürften Lieferengpässe sehr wahrscheinlich sein.“ Offiziell erfahren habe er von der Verunreinigung der Valsartan-Präparate am 5. Juli.

Pharmazierat Stephan Creuzburg in Elsterwerda zeigt sich am RUNDSCHAU-Telefon generell unzufrieden mit dem bisherigen Informationsweg. „Die Ärzte haben davon teilweise erst von ihren Patienten erfahren“, sagt er.

Allein am Samstag seien zwölf Patienten in seiner Apotheke in der Poststraße gewesen, die ihr verunreinigtes Valsartan-Medikament zurückgeben wollten. „Wir handhaben das sehr unkompliziert und tauschen es sofort aus und die Patienten reichen dann das Rezept nach.“

Noch habe seine Apotheke die preiswerteren unbelasteten Generika. „Aber wir wissen nicht, wie lange der Vorrat reicht.“ Auch Stephan Creuzburg ist am 5. Juli offiziell über das Valsartan-Problem informiert worden.

Eine Sprecherin des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sagte am Freitag, auf keinen Fall sollten die Arzneimittel einfach so ohne Rücksprache mit dem Arzt abgesetzt werden. Das Gesundheitsrisiko eines solchen Absetzens sei um ein Vielfaches höher als das mögliche Risiko durch eine Verunreinigung. Ein akutes Patientenrisiko bestehe nicht.

Anfang diesen Monats hatte das Institut mitgeteilt, bestimmte Arzneimittel könnten mit einer potenziell krebserregenden Substanz verunreinigt sein. Es ging demnach um Medikamentenchargen, deren Wirkstoff vom chinesischen Unternehmen Zhejiang Huahai Pharmaceutical hergestellt worden sind. Mittlerweile ist der Rückruf laut BfArM weitgehend abgeschlossen.

Nach Angaben des Apothekerverbands Rheinland-Pfalz geht es bei den Rückrufen um Arzneimittel in unterschiedlichen Dosierungen und Packungsgrößen von etwa 20 Herstellern.

Laut Hochdruckliga sind in Deutschland 20 bis 30 Millionen Menschen von Bluthochdruck betroffen. Die Folgen können lebensgefährlich sein, dazu zählen auch Herzinfarkt und Schlaganfall. (mit dpa)

Die Liste der betroffenen Chargen ist inzwischen hier abrufbar.