Es war früh am Freitagmorgen, als Tiril Aasheim im norwegischen Kløfta merkte, dass etwas mit ihrer Hündin Bolla nicht stimmte. Der sonst so quirlige Zwergspitz war schlapp und hatte in der Nacht Durchfall gehabt. „Sie wollte nicht rausgehen und als ich sie hochhob, erbrach sie sich und das Blut rannte förmlich aus ihrem Hintern“, erzählt Aasheim. Über Nacht war das zweieinhalb Jahre alte Tier so krank geworden, dass sein Leben auf der Kippe stand.

Plötzlich blutiger Durchfall

So geht es zurzeit in Norwegen geschätzt mehr als 100 Hunden. Ganz plötzlich geht es ihnen schlecht, sie müssen sich erbrechen und bekommen blutigen Durchfall. Mehr als 40 Hunde sind schon an den Folgen dieser mysteriösen Krankheit gestorben. 160 weitere Hunde, die ebenfalls erkrankt waren, konnten erfolgreich behandelt werden.

Solange unklar ist, warum die Hunde krank werden, sind ihre Besitzer aufgefordert zu vermeiden, dass ihr Vierbeiner mit anderen Hunden in Kontakt kommt. Viele Halter haben Angst.

Für die Veterinäre ist die Infektion ein Rätsel. Sie wissen nicht, wodurch sie ausgelöst wird und ob sie ansteckend ist. Nur, dass es ganz schnell geht. Innerhalb von 24 Stunden kann ein gesundes Tier plötzlich tot sein. Doch nicht alle sterben daran. Die meisten, so versichert Asle Haukaas vom Veterinärinstitut in Oslo, könnten bei rechtzeitiger Behandlung wieder auf den Damm kommen.

Dem Tod von der Schippe gesprungen

So auch Bolla. Ihr Frauchen brachte sie noch am selben Tag in die Tierklinik, wo man schon eine abgetrennte Abteilung für die Hunde mit diesen Symptomen eingerichtet hatte. Sie bekam sechs verschiedene Medikamente und musste über Nacht isoliert im Keller bleiben. Doch am nächsten Tag konnte Bolla wieder mit nach Hause.

„Der Arzt sagte, wären wir nur ein paar Stunden später gekommen, wäre sie tot gewesen“, berichtet die ältere Dame. Nun hat sie Angst, dass ihr zweiter Hund, der wesentlich gebrechlicher ist, auch die mysteriöse Krankheit bekommen könnte.

Das Veterinärinstitut und die Lebensmittelaufsicht in Norwegen arbeiten nun mit Hochdruck daran, dem Erreger der Krankheit auf die Spur zu kommen. Auch frühere Fälle im In- und Ausland würden untersucht.

Erste Obduktionen weisen darauf hin, dass alle Hunde eine kräftige, blutige Darmentzündung hatten. Zwei Bakterien wurden bislang nachgewiesen: Providencia alcalifaciens und Clostridium perfringens.„Bakterienerkrankungen spielen bei Hunden normalerweise nicht so die große Rolle“, meint die deutsche Tierärztin Johanna Rieder von der Tierärztlichen Hochschule in Hannover.

Zwar seien Durchfallerkrankungen bei diesen Tieren relativ häufig. Doch dass so viele Hunde in einer Region so schnell stürben, sei nicht normal. So lange sie die Ursache nicht kenne, könne sie deutschen Hundebesitzern aber keinen konkreten Rat geben, außer vorsichtig zu sein, wenn sie nach Norwegen reisen sollten.

Sicher ist bislang nur, dass die Tiere nicht vergiftet wurden. Auch eine Infektion mit Salmonellen oder Campylobacter kann ausgeschlossen werden.

Auch Fälle in Deutschland?

Wie das ARD-Magazin Brisant berichtet, soll es in Bad Oledloe in Schleswig-Holstein auch zu einem Todesfall gekommen sein, der mit den norwegischen Fällen vergleichbar ist. Auch die Lübecker Nachrichten berichteten darüber.

In Norwegen soll die Halterin des verstorbenen Tieres nach eigener Aussage aber nicht gewesen sein. Dennoch sei die Bakteriengattung Providencia alcalifaciens bei dem betroffenen Tier nachgewiesen worden. Darüber hinaus seien in einer Veterinärpraxis in Bad Oldesloe mehrere Tiere mit entsprechenden Symptomen behandelt worden.

Laut NDR meldete mittlerweile auch eine Tierärztin aus Boizenburg in Mecklenburg-Vorpommern drei ähnliche Fälle verstorbener Hunde, die Symptome der Krankheit zeigten. Hundebesitzer sollten allerdings auch deshalb nicht in Panik geraten.