Es gibt sie in so vielen Farbschattierungen und Mustern, wie sich kaum einer beim Bepinseln von Ostereiern ausdenken mag.

Tausende unterschiedliche Vogeleier liegen in naturwissenschaftlichen Sammlungen, eine der weltweit wichtigsten befindet sich in Halle in Sachsen-Anhalt. Aber auch im Weltvogelpark Walsrode können die Besucher Eier bestaunen - im Moment ist der Park wegen der Corona-Krise allerdings geschlossen. Die Arbeit für „Vogel-Hebamme“ Stefanie Alonso Malo geht dennoch weiter - im Brutraum werden Eier künstlich ausgebrütet.

Wie viele verschiedene Vogeleier gibt es?

Es gibt weltweit ungefähr 12.000 verschiedene Vogelarten, von rund 8000 Arten sind Nester und Eier bekannt. Bei Vögeln aus dem tropischen Regenwald zum Beispiel, die in den obersten Baumkronen brüten, habe man keine Chance, ein Nest mit Eiern zu finden, sagt Frank Steinheimer, Sammlungsleiter an der Universität Halle/Saale, die eine der weltweit bedeutendsten Vogeleiersammlungen beherbergt. Im Park in Walsrode leben rund 4000 Vögel aus etwa 650 Arten. Künstlich ausgebrütet werden derzeit Eier von Pelikanen, Humboldt-Pinguinen, Gelbbrust-Fruchttauben und Schopftinamus, auch Perlsteißhühner genannt. Die Eier von letzteren glänzen knallgrün.

Warum sehen Eier so verschieden aus - von weiß über blau und grün bis schwarz, von gesprenkelt bis glänzend?

In kalten Regionen werden eher dunkle Eier gelegt, die von der Sonne mit aufgeheizt werden. In heißen Zonen sind die Eier dagegen hell, damit sie nicht zu heiß werden und denaturieren. Besonders intensive Grün- oder Blautöne signalisieren dem Männchen, dass ein fittes Weibchen die Eier gelegt hat und es sich lohnt, in die Brut zu investieren, wie Steinheimer erklärt. Bei den Steißhühnern in Südamerika glänzen die Eier wie lackiert - wohl um Fressfeinde zu irritieren. Farbschattierungen und Sprenkel dienen oft der Tarnung: So sehen die Eier des Flussregenpfeifers wie Kieselsteine aus. Bei Möwen oder Seeschwalben gibt es sogar individuelle Zeichnungen, um das eigene Ei in einer großen Brutkolonie wiederzufinden.

Was ist das größte und was das kleinste Ei?

Das kleinste Ei stammt von einem 1,6 Gramm leichten Kolibri, der extrem seltenen Bienenelfe auf Kuba. Das Ei sei etwa so hoch wie eine Erbse, nur nicht so dick, sagt Ornithologe Steinheimer: „Dass daraus ein Wirbeltier mit einem Herzschlag wird, ist irre!“ Alonso aus dem Vogelpark sagt: „Wir vergleichen unsere Kolibri-Eier immer mit Tic Tacs, also diesen Mini-Lutschdragées.“

Das größte Ei, das es jemals gab, war das Ei des im 17. Jahrhundert ausgerotteten rund 3,50 Meter hohen Madagaskar-Straußes. Mit einem Gelege konnte man ein ganzes Dorf mehrere Wochen ernähren. Von den in Deutschland verbreiteten Vögeln legt das Sommergoldhähnchen die kleinsten, der Höckerschwan die größten Eier. Allerdings bekommt der Schwan Konkurrenz vom südamerikanischen Nandu, der sich im Nordosten Deutschlands angesiedelt hat.

Warum legen Eulen runde Eier?

Ein rundes Ei ist zwar stabiler, rollt aber viel leichter weg als ein ovales oder elliptisches Ei. Deshalb sind viele Eier, die auf Felsvorsprüngen liegen, elliptisch geformt. Eulen brüten in einem Baumloch, dort können die Eier nicht wegrollen. Generell sind Eier von Zugvögeln oft länglicher, weil ein Vogel, der viel fliegt, nicht so viel Platz im Becken hat. Bei großen, flugunfähigen Vögeln spielt das keine Rolle, da können die Eier eher rund sein.

Können Vogeleier in der Natur gesammelt und ausgeblasen werden?

Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, Eier in der Natur zu sammeln. Die Sammlung in Halle erhält zuweilen auch von der Polizei konfiszierte Eier. „Es ist zu Recht verboten, weil mittlerweile fast jede Vogelart der offenen Feldflur bedroht ist, zum Beispiel auch die Feldlerche“, sagt Steinheimer: „Das liegt aber nicht an den Eiersammlern, sondern in erster Linie an dem überzogenen Insektizid-Gebrauch und der Überdüngung.“