| 02:37 Uhr

Vergleichsportale in der Kritik

Berlin. Testberichte und Kundenbewertungen im Internet stehen hoch im Kurs. Doch die Suche nach seriösen Produkttests führt oft zu schwarzen Schafen. Dirk Avaresch /

Smartphone-Tests, Kaffeemaschinen-Tests, sogar Seiten für Betonmischer-Tests sammeln sich im Internet: Scheinbar gibt es kaum etwas, das Experten noch nicht auf Herz und Nieren geprüft haben - jedoch nur auf den ersten Blick. Denn häufig sind es lediglich Vergleichsseiten mit Fotos und Tabellen voller Produktdaten, die den Anschein eines Tests erwecken. Einen Wert haben die Ergebnisse solcher Seiten nicht, warnen Verbraucherschützer. Sie dienen den Betreibern einzig dazu, Verkaufsprovisionen einzustreichen.

Auf den Pseudo-Testseiten im Internet erfahre der Nutzer erst gar nicht, nach welchen Kriterien die Produkte überhaupt bewertet wurden, sagt Kerstin Hoppe von der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Fünf solcher Seiten habe der vzbv schon wegen Vortäuschung von Produkttests abgemahnt. "In den meisten Fällen haben die Betreiber das bewertete Produkt nicht einmal in den Händen gehalten." Neben den vermeintlichen Testergebnissen ist ein sogenannter Affiliate-Link hinterlegt, der zu den Online-Marktplätzen und Händlern führt, die eine Provision zahlen, wenn das Produkt letztlich bei ihnen gekauft wird.

Mindestens 15 Seiten, die vorgeben zu testen, stehen momentan auf Hoppes Prüfliste. Doch die abgemahnten Vergleichsseiten machen weiter mit ihren Daten-Tabellen und intransparenten Fantasie-Urteilen. Nur küren sie nun eben keine Testsieger mehr, sondern "Vergleichssieger". Auffällig, aber wenig überraschend: Das teuerste Produkt erhält in den meisten Fällen die beste Note. Schließlich winkt den Betreibern der Seite so eine höhere Provision. Darüber hinaus finden sich nur "sehr gute" oder zumindest "gute" Noten unter den Testprodukten - schließlich geht es ums Verkaufen. "Dem Verbraucher wird vorgegaukelt, dass das Produkt gut ist", kritisiert Hoppe.

Immer wieder ist auf solchen Portalen auch von Warentests die Rede. "Wir gehen dagegen vor, wenn jemand unseren Namen nutzt, um seine Seite zu bewerben", sagt Heike von Laak von der Stiftung Warentest. "Im Grunde sind es Verkaufs-Shops." Mit Tests hätten die Seiten am Ende gar nichts zu tun. "Ausgenutzt wird der Wunsch von Verbrauchern, möglichst schnell und kostenfrei im Netz an Informationen zu kommen, das ist der Anker."

In eine andere Kategorie fallen "Test-Aggregierer", die verschiedene Testergebnisse zusammenfassen. Mit solchen Angeboten muss sich die Stiftung Warentest jedoch abfinden, sagt van Laak: "Man kann rechtlich nicht dagegen vorgehen, das fällt unter das Zitatrecht." Die Aussagekraft sei begrenzt, weil allen Tests unterschiedliche Kriterien zugrunde liegen, warnt Laack. "Manchen Leuten reicht das aber schon."

Auch den Vergleichsseiten können Verbraucher oft nur schwer aus dem Weg gehen. Sie werden so für Suchanfragen optimiert, dass sie ganz oben in den Ergebnissen bei Google auftauchen. Das ist zusammen mit der Erfassung der Produkte ein erheblicher Aufwand für die Seitenbetreiber. "Nur wenn Provisionen fließen, kann das auch funktionieren", kritisiert van Laak. "Es gehören immer zwei dazu, einer, der wirbt, und einer, der zahlt." Der Erkenntnisgewinn aus einem Produktdatenvergleich, in den oft noch frei verfügbare, teils veraltete Ergebnisse echter Tests oder auch im Netz eingesammelte Kundenbewertungen eingestreut werden, tendiert gegen Null.

Insbesondere vor den Käuferbewertungen warnt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Sie können gefälscht sein, beziehen sich vielleicht nur auf die Lieferung oder die Rezensenten hätten schlicht keine Ahnung: "Wer kann schon die optischen Eigenschaften einer Kamera ohne Labor beurteilen?" Aussagekräftig sei ein Test am Ende nur dann, wenn der Nutzer auch nachvollziehen könne, wie das Urteil zustande gekommen sei, sagt Tryba.

Zusätzlich empfiehlt Tryba, mehrere Tests miteinander zu vergleichen. "Es gibt einige wenige, an denen sich Verbraucher orientieren können", sagt Tryba. "Stiftung Warentest etwa. Die kaufen die Produkte im Handel und arbeiten nach wissenschaftlichen Kriterien."

Zum Thema:
Ihre Partnerprogramme verstecken Online-Händler nicht - im Gegenteil. Sie suchen mehr oder weniger offensiv nach werbenden Seitenbetreibern. Amazon etwa zahlt je nach Warengruppe zwischen ein und zehn Prozent des Warenwertes, Otto-Werber dürfen sich über vier bis 15 Prozent Provision freuen und Produkt-Promoter für Mediamarkt über vier bis sechs Prozent.