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| 09:46 Uhr

Fotografie
Ist die analoge Fotografie noch zeitgemäß?

FOTO: Flickr / Thomas Prenner
Während es zu den Anfangszeiten der Fotografie noch einige Minuten dauerte, bis eine Aufnahme im Kasten war, ist ein Foto heute im Bruchteil einer Sekunde geschossen. Digitale Kameras haben die Fotografie revolutioniert und sind unangefochtener Platzhirsch auf dem Fotomarkt.

Dennoch gibt es neben etlichen Profi-Fotografen, die auf die analoge Fotografie schwören, auch immer mehr Hobby-Fotografen, die ihre Liebe zur entschleunigten Analogkamera entdecken. Warum ist das so? Digitalisierung, das Schlagwort der Stunde, hat längst die Welt der Fotografie erreicht: Von 2000 bis 2013 ist der Absatz von analogen Filmen in Deutschland um 97 Prozent zurückgegangen. Schon im Jahr 2010 gingen nur noch 30.000 analoge Kameras über die Ladentheke. Die Branchengrößen Nikon und Canon ließen ihre Analogserien auslaufen.

Die Möglichkeiten, heute noch analoge Filme entwickeln zu lassen, werden immer weniger. Der bekannteste Anbieter Deutschlands, der auf eine lange Tradition im Bereich der analogen Fotografie zurückblickt, ist CEWE. Allen Vorteilen der digitalen Fotografie zum Trotz: Warum gibt es immer noch Fotografen, die auf die analoge Technik schwören? Für Fachfremde erscheint die analoge Fotografie mühselig: Sie erfordert sorgfältiges Hantieren mit verschiedenen Filmrollen, auf die jeweils nur zwei bis drei Dutzend Fotos passen. Anschließend muss man tagelang auf die entwickelten Bilder warten. Passt das überhaupt noch zu unserem schnelllebigen Zeitalter? Wer etwas Geduld hat, für den kann das Warten auf die eigenen Arbeiten oder sogar die selbstständige Entwicklung seiner Fotos durchaus eine spannende Erfahrung sein. Die fertigen Fotografien sind Unikate - jeder Abzug ist einzigartig und kann nicht am Computer verfälscht werden.

In einer Zeit, in der das Thema "fake news" die öffentliche Debatte bestimmt, ist der Wunsch nach Authentizität sicherlich einer der Hauptgründe für das Comeback der analogen Fotografie. Ein weiterer Aspekt ist die "Entschleunigung", die der Fotograf bei der Arbeit mit einer analogen Kamera erfährt. Wenn die Anzahl der Bilder aus technischen Gründen beschränkt ist, will jedes Motiv und jede Einstellung gut überlegt sein. Die analoge Fotografie zwingt den Nutzer quasi dazu, sich stärker auf seine Handgriffe zu konzentrieren und nicht leichtfertig auf den Auslöser zu drücken. Auf digitalen Kameras steht dem Fotografen hingegen ein nahezu unbegrenzter Speicherplatz zur Verfügung, der viele dazu verleitet, lieber einen Schnappschuss mehr zu machen. Auch wenn es viele Digital-Liebhaber nicht glauben mögen: Modernste Sensoren können mit der Bildqualität einer analogen Mittel- oder Großformatkamera nicht mithalten. Es sind vor allem der Dynamikumfang und die Farbdarstellungen, die Profifotografen immer noch auf Filme zurückgreifen lassen. Was Tiefenschärfe angeht, lassen sich mit einer analogen Kleinbildkamera Ergebnisse erzielen, die im digitalen Bereich nur mit einer teuren Großformatkamera zu erreichen sind. Und Effekte wie Mehrfachbelichtungen sind mit einer digitalen Kamera schlichtweg nicht möglich.

Die Analogfotografie zeigt: Eine schicke digitale Ausrüstung allein macht noch lange keinen Fotografen. Nur wer die verschiedenen Einstellungen wirklich verstanden hat, kann auch mit einer Analogkamera zufriedenstellende Bilder knipsen. Zwar ist das digitale System schneller und bequemer, die Kosten pro Bild sind geringer, der Lernprozess effizienter. Doch die analoge Fotografie lehrt, sich auf jedes einzelne Bild zu konzentrieren. Wer sich auch für seine digitalen Bilder ausreichend Zeit nimmt, schießt bessere Fotos - und braucht hinterher weniger Zeit für die Nachbearbeitung.

Bildrechte: Flickr How to mount a film in the Zorki 1 Camera Thomas Prenner CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten