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Foto-Scannen leicht gemacht

Um kostbare Fotoschätze vor dem Verlust zu bewahren, können sie mit dem richtigen Werkzeug abfotografiert und in ein digitales Archiv übertragen werden.
Um kostbare Fotoschätze vor dem Verlust zu bewahren, können sie mit dem richtigen Werkzeug abfotografiert und in ein digitales Archiv übertragen werden. FOTO: Reinhardt
Saarbrücken. Ganze Fotoalben per Scanner auf den Computer zu übertragen, ist eine mühselige und aufwendige Angelegenheit. Schneller und bequemer soll es mit dem Smartphone gehen. Doch dazu braucht's die richtige App. David Seel

Digitale Fotoapparate haben die klassische analoge Papierfotografie nahezu vollständig verdrängt. Wie der Photoindustrie-Verband berichtet, wurden seit 2010 in Deutschland kaum noch analoge Kameras verkauft. Die Gründe liegen auf der Hand: Digitale Fotos bieten die Möglichkeit zur nachträglichen Bildbearbeitung, außerdem entfällt die mühsame Entwicklung der Negative und die Lagerung der Fotos kostet keinen Platz. Hinzu kommt, dass die Qualität analoger Aufnahmen auch unter den besten Lagerungsbedingungen mit der Zeit spürbar leidet. Die kostbaren Erinnerungsstücke vergilben, die Farben verblassen. Kein Wunder, dass die meisten Menschen mittlerweile ihre Aufnahmen digital fotografieren und speichern.

Doch was passiert mit den alten Papierfotos, die kistenweise in Kellern und auf Dachböden vor sich hin modern? Sie lassen sich natürlich per Scanner digitalisieren, was allerdings viel Zeit und Nerven kosten kann. Abhilfe können sogenannte Fotoscanner-Apps schaffen. Mit ihnen lassen sich große Mengen an Bildern schnell und bequem mit dem Smartphone einscannen.

Die beliebteste App ist der Fotoscanner von Google. Die App erkennt das Foto und blendet danach vier Punkte ein, die nacheinander mit der Kamera in den Fokus genommen werden. Der Vorteil zum einfachen Abfotografieren des Bildes: Durch die verschiedenen Blickwinkel werden Reflexionen erkannt und entfernt, die Ränder werden ebenfalls automatisch abgeschnitten. Die App ist kostenlos und ohne Google-Konto nutzbar.

Eine Alternative stellt die App Unfade von Von doo dar. Sie ist allerdings nur für iOS-Nutzer und zu einem Preis von 4,99 Euro erhältlich. Dafür bietet sie ein paar Extras im Vergleich zu Googles Fotoscanner: Die App besitzt einen Farbfilter, der verblasste Farben wiederherstellen soll. Manuell bearbeiten lassen sich die Fotos allerdings nicht. Hier müssen keine verschiedenen Bildpunkte anvisiert werden, es genügt, das Handy flach über das Bild zu halten, die Ränder werden ebenfalls automatisch beschnitten.

Ebenfalls nur für iOS ist die Fotoscanner-App Pic Scanner aus dem Hause App Initio Limited erhältlich. Die ersten zehn Bilder können kostenlos gescannt werden, für eine unbegrenzte Version werden 2,99 Euro fällig. Mit dem iPad lassen sich bis zu drei Bilder simultan scannen, was allerdings zu Qualitätseinbußen bei der Auflösung führt. Die App verfügt über einige Bearbeitungsfunktionen: So kann das Bild gedreht und Kontrast und Helligkeit angepasst werden. Außerdem bietet die App Korrekturoptionen für Farbtöne und Schärfe. Hier reicht ebenfalls ein einfacher Scan mit dem Handy oder Tablet aus.

Einen etwas anderen Weg schlägt die App Shoebox von Ancestry ein. Hier können zwar auch Bilder mit dem Smartphone gescannt und gespeichert werden, der Fokus von Ancestry liegt aber auf der Ahnenforschung. Nach eigenen Angaben verfügt Ancestry über die größte Stammbaumbibliothek der Welt, mit Zugriff auf über elf Milliarden Dokumente, beispielsweise Heiratsurkunden oder Volkszählungen, aus tausenden Datenbanken. Gescannte Bilder werden automatisch in einen Internet-Speicher geladen, was sich allerdings bei Bedarf auch verhindern lässt. Auf den Fotos abgebildete Personen können benannt und mit den Datenbanken von Ancestry abgeglichen werden.

Bearbeitungsfunktionen oder eine Autokorrektur besitzt die App nicht, Ränder werden allerdings auch hier automatisch erkannt und beschnitten. Shoebox ist für Android und iOS erhältlich und in der Basisversion kostenlos, eine erweiterte Version ist für fünf Euro monatlich erhältlich und bietet, neben höheren Fotoauflösungen, Speicherplatz für bis zu zehn Stunden Videomaterial. Die Stammbaumdatenbanken selbst sind für 14 Tage kostenlos nutzbar, danach fallen monatliche Kosten von 12,99 Euro für die Suche im deutschsprachigen Raum, oder 22,99 Euro für internationale Ahnenforschung an. Bei guten Lichtverhältnissen und mit einer Smartphone-Kamera mit hohem Auflösungsvermögen lassen sich mit den Fotoscanner-Apps durchaus ansehnliche Kopien anfertigen. Keine der vorgestellten Apps erreicht allerdings die Qualität von Fotos, die mit Scannern digitalisiert wurden. Bei Fotos, die in Online-Datenbanken hochgeladen werden, besteht außerdem immer ein Datenschutzrisiko, weil nicht überprüft werden kann, wer letztlich Zugriff auf die Bilder haben kann.

Wer bei Auflösung und Bildqualität Abstriche machen kann, oder große Mengen an Fotos schnell und einfach digitalisieren will, ist mit einer Fotoscanner-App dennoch gut beraten.