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"Fifi" kommt aufs Winken

Handbewegung für den Fortschritt: Eine Frau steht im Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in Karlsruhe hinter dem Transport-Roboter "Fifi".
Handbewegung für den Fortschritt: Eine Frau steht im Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in Karlsruhe hinter dem Transport-Roboter "Fifi". FOTO: Andrea Fabry/KIT/dpa
Hannover/Karlsruhe. Autonome Systeme werden handzahm: Auf der Hannover Messe ist die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine ein zentraler Trend für das Megaprojekt Industrie 4.0. Karlsruher Forscher stellen eine mobile Roboterplattform vor. Peter Zschunke

Schau mir in die Augen, Kleiner, und pass auf meine Hände auf - winkt man ihm dreimal mit der rechten Hand zu, wird der Transport-Roboter "Fifi" folgsam wie ein Hündchen. Das am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelte System wird auf der Hannover Messe vorgestellt und steht beispielhaft für einen der wichtigsten Trends der Schau.

Industrieroboter werden kollaborativ: Das heißt, sie müssen nicht mehr in einem Käfig eingesperrt werden, sondern arbeiten eng mit dem Menschen zusammen. Die Kommunikation von Mensch und Maschine in intelligent organisierten Industrie-4.0-Betrieben ist ein großes Thema in Hannover.

"Wir wollen weg vom Eingeben von Befehlen und hin zu einem System, das je nach Situation versteht, was gerade gebraucht wird", erläutert der Projektleiter am KIT-Institut für Fördertechnik und Logistiksysteme (IFL), Andreas Trenkle. Gut drei Jahre hat das Team für die Entwicklung von "Fifi" gebraucht.

In Hannover präsentiert er sich als elek trischer Laufbursche, der Lasten trägt und seinem Nutzer überallhin folgt - bis sich dieser wieder abmeldet, mit dreifachem Winken der linken Hand. "Fifi" ist mit einer Kamera des Microsoft-Systems Kinect ausgestattet und setzt für die Gestensteuerung auch Open-Source-Komponenten, also frei verfügbare Software ein, deren Code offen liegt und angepasst werden kann.

Das KIT-Team baute den allerersten Prototyp mit Lego-Steinen. Inzwischen hat das System Anwendungsreife erreicht. Die kleinere Version, wie sie auf der Hannover Messe gezeigt wird, kann Lasten bis zu 25 Kilogramm tragen, also gerade einen Kasten Bier. Die größere Version schafft bis zu 300 Kilogramm.

Für Herstellung und Vermarktung arbeiten die Karlsruher Techniker und Informatiker mit der Firma Bär Automation in Gemmingen (Kreis Heilbronn) zusammen. Ein großer Automobilhersteller hat die mobile Roboterplattform bereits getestet. "Das wurde dort sehr positiv aufgenommen", sagt Bär-Automation-Projektingenieur Philip Kirmse.

Das System werde auch von Gewerkschaftern wohlwollend bewertet. Denn diese Art von Roboter solle den Arbeitsplatz eines Beschäftigten nicht überflüssig machen, sondern vielmehr den Menschen so unterstützen, dass er sich mehr auf den wertschöpfenden Teil seiner Tätigkeit konzentrieren könne. Gerade in einer alternden Gesellschaft könnten Beschäftigte länger arbeiten, wenn sie bei körperlich anstrengenden oder ermüdenden Tätigkeiten von Robotern entlastet würden.

Die Szenarien für "Fifi" sehen vor allem Einsätze in Logistikzentren - etwa von großen Online-Händlern - oder Montagehallen vor. "Der Mitarbeiter kann etwa an Regalen vorbeilaufen und benötigte Teile auf dem Hubtisch von ,Fifi' ablegen", sagt Kirmse. Ein anderes Szenario versetzt den Roboter in einen Automatik-Modus und schickt ihn in eine Fertigungszelle, zu der Menschen keinen Zutritt haben und andere Roboter die von "Fifi" gebrachten Teile aufnehmen.

Bär Automation will das System in einen weiteren Testbetrieb schicken, um die Software für die Steuerung weiter zu verbessern. Konkrete Anfragen gibt es nach Angaben des mittelständischen Unternehmens, das in diesem Jahr einen Umsatz von etwa 17 Millionen Euro erwartet, von einem großen Automobilhersteller und einem Systemlieferanten für Sicherheitstechnik. Die Serienreife für "Fifi" als System für festgelegte Transportanwendungen erwartet Kirmse innerhalb eines Jahres nach den anstehenden Praxistests.