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Drei Wege zur eigenen Web-Adresse

Auf einem Blog können Internetnutzer ihre Interessen oder Gedanken niederschreiben und sich mit anderen austauschen.
Auf einem Blog können Internetnutzer ihre Interessen oder Gedanken niederschreiben und sich mit anderen austauschen. FOTO: Fotolia
Saarbrücken. Ob Modelleisenbahnen, Segelfliegen oder Strickmuster: Viele Menschen haben außergewöhnliche Interessen, die sie mit Gleichgesinnten teilen möchten. Im digitalen Zeitalter ist eine eigene Webseite die perfekte Plattform, um sich über solche Themen auszutauschen. David Seel

Dabei muss man kein Programmierer sein, um die eigene Seite im Internet zu gestalten, und kostenlos ist es oft auch. Die Grundlage dafür ist ein Content-Management-System (CMS), also ein Programm, mit dem Inhalte wie Bilder, Videos und Texte bearbeitet werden können.

Wer eine Seite im Netz sein Eigen nennen will, dem stehen laut Thorsten Specht vom Fachmagazin Chip.de drei grundsätzliche Möglichkeiten offen: Für Menschen ohne Kenntnisse in Programmiersprachen wie HTML sei ein Homepage-Baukasten die beste Wahl. Diese arbeiten mit einem "What you see is what you get"-Editor. Das bedeutet, dass Nutzer schon bei der Bearbeitung sehen können, wie die erstellten Inhalte später auf der Webseite aussehen werden. Das CMS, das hier zum Einsatz kommt, lässt sich über eine grafische Benutzeroberfläche bedienen. Die meisten Anbieter bieten eine kostenlose Version an, allerdings steht bei diesen Gratis-Versionen dann häufig zusätzlich der Name des Betreibers in der Internetadresse - dieser macht damit also Werbung in eigener Sache. Wer nur den selbst gewählten Namen in der Adresszeile sehen oder zusätzliche Gestaltungselemente verwenden möchte, muss zahlen. Bei den gängigen Anbietern schwanken die Preise dafür je nach Funktionsumfang zwischen rund 15 und 50 Euro pro Monat.

Wer hingegen hauptsächlich eigene Texte veröffentlichen will, der kann laut Thorsten Specht auch auf eine Blogging-Software zurückgreifen. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind ohne Programmierkenntnisse hier allerdings häufig etwas eingeschränkt. Bekannte Vertreter sind Wordpress oder Googles Blogging-Software Blogger. Wordpress erlaubt Nutzern allerdings nicht, Werbung auf der Webseite zu schalten; direkt Geld verdienen lässt sich mit einer Wordpress-Seite also nicht.

Laut Specht erfordert die dritte Möglichkeit fundierte Kenntnisse in Programmiersprachen wie HTML. Diese Option komme daher nur für Experten oder Menschen in Frage, die bereit sind, sich in die Thematik einzuarbeiten. Da die Anbieter hier weniger zur Verfügung stellen müssen - neben der Internet-Adresse nur Webspace, also Speicherplatz im Internet - sind sie auch die günstigsten. Ab drei Euro pro Monat ist ein solches Paket zu haben.

Egal welche Möglichkeit Nutzer wählen, in allen Fällen müssen sie rechtliche Aspekte beachten. Wie die eCommerce-Verbindungsstelle Deutschland, die unter anderem vom Bundesministerium für Justiz finanziert wird, berichtet, unterliegt so gut wie jede Webseite dem deutschen Telemediengesetz (TMG) und dem Rundfunkstaatsvertrag (RStV). Ausgenommen seien lediglich Webseiten, die ausschließlich persönlichen oder familiären Zwecken dienen. Die wichtigste dieser Verpflichtungen sei ein Impressum auf der Seite. Laut eCommerce-Verbindungsstelle Deutschland wird unterschieden, ob der Betreiber eine "natürliche Person", also ein Mensch, oder eine "juristische Person", also zum Beispiel ein Verein oder ein Unternehmen, ist.

Natürliche Personen müssten demnach weniger Daten im Impressum angeben. Dennoch müsse zumindest Vor- und Nachname des Betreibers sowie dessen Anschrift zu finden sein. Außerdem seien zumindest eine Möglichkeit "zur schnellen elektronischen Kontaktaufnahme" - also beispielsweise eine E-Mail-Adresse - und ein "nicht-internet-basiertes Kommunikationsmittel" wie eine Telefonnummer notwendig. Für Firmen gelten weitaus umfangreichere Bestimmungen. Im Internet gibt es aber mittlerweile zahlreiche Seiten, die Impressen automatisch erstellen.

Daneben gibt es aber auch einige andere gesetzliche Vorgaben, an die sich Webseiten-Betreiber halten müssen. Wichtig ist zum Beispiel das Urheberrechtsgesetz, sagt Christoph Sorge, Professor für Rechtsinformatik an der Universität des Saarlandes. "Wenn beispielsweise urheberrechtlich geschützte Bilder verwendet werden, kann das sehr schnell teuer werden", so der Jurist. Außerdem müsse jeder Betreiber selbst die Verantwortung dafür tragen, dass die Software der Seite auf dem aktuellen Stand ist und somit keine selbstverschuldeten Sicherheitslücken entstehen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) weist darauf hin, "dass die Verpflichtung zur Absicherung von Systemen nicht nur für Unternehmen, sondern auch für alle anderen geschäftsmäßigen Betreiber von Websites gilt".

Laut BSI trifft das vor allem auf Menschen zu, die auf ihrer Seite auch einen Online-Shop anbieten. "Betreiber von Online-Shops sind verpflichtet, ihre Systeme nach dem Stand der Technik gegen Angriffe zu schützen", so das BSI. Sorge ergänzt, dass es hierbei noch einige weitere Aspekte zu beachten gibt. "Neben Dingen wie der Angabe von Widerrufsbelehrungen müssen hier auch datenschutzrechtliche Normen eingehalten werden", sagt der Experte. Das betreffe vor allem die persönlichen Daten von Kunden des Online-Shops. Beispielsweise sei die Verwendung von Diensten, die das Besucherverhalten aufzeichnen, wie Google Analytics, juristisch fragwürdig. "Das ist zwar rechtlich grundsätzlich möglich, aber es lauern dennoch viele Fallstricke", sagt Sorge. Betreiber müssten sich hier im Vorfeld umfassend informieren oder rechtlich beraten lassen.

Zum Thema:
Wer sich eine eigene Webseite oder ein Online-Tagebuch zulegen will, kann auf mehrere Dienste im Internet zurückgreifen. Auch ein Impressum für die Seite lässt sich mittlerweile automatisch erstellen. www.websitebuilder-test.comwww.websitetooltester.comwww.e-recht24.de/impressum-generator.htmlwww.impressum-generator.de