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Die Preise fahren Achterbahn

Amazon ändert mehr als zwei Millionen Mal am Tag die Preise seiner Produkte.
Amazon ändert mehr als zwei Millionen Mal am Tag die Preise seiner Produkte. FOTO: Kaiser/dpa
Düsseldorf. Elektronikartikel sind meist am Mittwoch am günstigsten. Schuhe kauft man am besten am Donnerstag. Beim Internet-Einkauf kommt es durchaus darauf an, wann man zuschlägt. Aber auch wer bestellt, kann eine Rolle spielen. Erich Reimann

Preise rauf, Preise runter: Die Kosten für einen Fernseher oder einen Tablet-Computer ändern sich im Internet manchmal fast so schnell wie Aktienkurse an der Börse. "Allein Amazon nimmt jeden Tag 2,5 bis drei Millionen Preisänderungen vor", schätzt der Handelsexperte Thomas Täuber von der Unternehmensberatung Accenture.

Für den Konsumenten wird es da trotz Preissuchmaschinen immer schwerer, den Überblick zu behalten. "Früher war die Welt einfacher. Da stellte sich die Frage: Wo kaufe ich? Jetzt lautet die Frage: Wann kaufe ich wo?", beschreibt Täuber das Dilemma des Online-Kunden.

Tatsächlich gibt es nach einer Studie des Preisbeobachtungsdienstes Spottster auffällige Schwankungen bei den Preisen, die sich der Verbraucher zunutze machen kann. Elektronikprodukte seien mittwochs tendenziell günstiger als an anderen Tagen, Schuhe am Donnerstag, Beauty-Produkte am Freitag, verrät Spottster-Gründerin Freya Oehle. Am Wochenende sei das Online-Shoppen dagegen eher teuerer. Auch bestimmte Monate sind besonders für eine Schnäppchenjagd geeignet, wie die Studie von Spottster herausfand. Für Einrichtungsgegenstände, Schuhe, Sportartikel oder Medikamente bieten sich März und Juli an. Elektronik-Liebhaber sollten im Februar die Augen offen halten.

Freya Oehle sollte es wissen, denn Spottster bietet Internet-Käufern die Möglichkeit, für sie interessante, aber noch zu teure Produkte auf einem elektronischen Merkzettel zu notieren. Das Unternehmen informiert dann über Preissenkungen. Dafür arbeitet Spottster nach eigenen Angaben mit über 1400 Online-Händlern zusammen und hat allein in Deutschland über 100 Millionen Preise im Blick. Auch Vergleichsportale wie Idealo und Geizhals bieten einen ähnlichen Service.

Die Achterbahnfahrt bei den Preisen, im Branchenjargon als "Dynamic Pricing" bekannt, ist für die meisten Online-Händler heute überlebenswichtig. Denn bei gut vergleichbaren Produkten wie Fernsehern oder DVDs ist der Preis in der Regel das entscheidende Kaufkriterium. Wer da den Markt nicht im Blick hat und auf Preissenkungen der Konkurrenz nicht reagiert, steht schnell ohne Kunden da. Allerdings gibt es Unterschiede nach Produktkategorien. Bei Elektronikprodukten sind die Preise nach Angaben von Marktbeobachtern ständig in Bewegung, ebenso bei Reisen und Flugtickets. Bei Textilien zeige der Markt dagegen weniger starke Ausschläge. Hier seien die Markenvielfalt größer und die Vergleichbarkeit für den Kunden geringer.

Anbieter müssen wegen der Vergleichsportale darauf achten, wie sie ihre Preise gestalten. Da sie das Kaufverhalten ihrer Kunden auswerten, richten sie danach auch die Preise aus. Wenn beispielsweise ein Artikel bei einem Online-Fachhändler besonders gefragt ist, kann er durchaus den Kaufpreis ändern.

Branchenkenner Thomas Täuber hat wenig Zweifel, dass die Vergleichsportale spürbar die Preise beeinflussen. Jeder, der heute einen Flug bucht, müsse davon ausgehen, dass der Passagier neben ihm womöglich weniger bezahlt habe, sagt er.

spottster.com/de/home

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geizhals.de