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Die Abrechnung mit dem Fiskus lohnt in den meisten Fällen

Die Abrechnung mit dem Finanzamt lohnt sich. Die Finanzämter überweisen Arbeitnehmern im Schnitt 850 Euro. Barbara Brandstetter / bbr

Steuertipp 1: Auch wenn es unterhaltsamere Beschäftigungen gibt: Füllen Sie die Bögen vom Finanzamt aus. Für die meisten rechnet sich die Mühe. Im Schnitt überweisen die Finanzämter Arbeitnehmern 850 Euro.

Steuertipp 2: Listen Sie alle Ausgaben für Arztbesuche, Medikamente oder Kuren in der Steuererklärung als außergewöhnliche Belastungen auf. Bei diesen Ausgaben müssen Steuerzahler zwar zunächst eine zumutbare Belastung aus eigener Tasche zahlen, bevor sich der erste Cent steuermindernd auswirkt. Doch ob der Abzug einer zumutbaren Belastung rechtens ist, müssen die Richter des Bundesfinanzhofs klären (Az.: VI R 32/13).

Steuertipp 3: Das Finanzamt beteiligt sich auch an den Kosten für die Reparatur von Gegenständen im Haushalt des Steuerzahlers. Wenn Sie beispielsweise Ihren Fernseher oder die Waschmaschine in den eigenen vier Wänden reparieren lassen, können Sie die Ausgaben als Handwerkerleistung verrechnen. Die Finanzämter akzeptieren 20 Prozent der Ausgaben - maximal 1200 Euro. Steuerzahler bleiben jedoch auf den Kosten alleine sitzen, wenn Handwerker die Geräte in ihrem Geschäft oder in ihrer Werkstatt reparieren.

Steuertipp 4: Steuerzahler müssen nicht bis 2016 warten, um ihre Steuerlast für 2015 zu verringern. Wer heute schon weiß, dass hohe Ausgaben etwa für den Weg zur Arbeit, die Kinderbetreuung oder eine Hilfe im Haushalt anfallen, kann sich einen Freibetrag als elektronisches Lohnsteuermerkmal (ELStAM) in der Zentraldatei der Finanzverwaltung eintragen lassen. Die Freibeträge führen bereits im Laufe des Jahres zu mehr Geld auf dem Konto. Die voraussichtlichen Ausgaben müssen jedoch entsprechend hoch ausfallen. Steuerzahler, die einen Freibetrag haben eintragen lassen, sind verpflichtet, eine Steuererklärung zu machen. Zudem sollten sie bedenken, dass sie bei der Jahresabrechnung dem Finanzamt Geld überweisen müssen, wenn sie die voraussichtlichen Ausgaben zu hoch angesetzt haben.

Steuertipp 5: Das Steuerrecht ist komplex. Streitigkeiten oder Unstimmigkeiten sind programmiert. Werden diese vor dem Bundesfinanzhof, dem Bundesverfassungsgericht oder dem Europäischen Gerichtshof ausgefochten, können sich Steuerzahler ohne Risiken einklinken. Dazu müssen sie lediglich mit Hinweis auf anhängige Verfahren Einspruch gegen ihren Steuerbescheid einlegen und ein Ruhen des Verfahrens beantragen. Der Steuerbescheid bleibt somit in diesem Punkt offen. Urteilen die Richter dann irgendwann im Sinn der Steuerzahler, können sich diese über eine hübsche Steuererstattung freuen. Eine Liste mit relevanten Verfahren finden Sie auf der Internetseite des Bundesfinanzhofs ( www.bundesfinanzhof.de ) unter dem Punkt "anhängige Verfahren". Auf der Seite können Steuerzahler mit Stichworten nach für sie relevanten Verfahren suchen.

Steuertipp 6: Wer vergessen hat, ausreichend hohe Freistellungsaufträge bei seinen Kreditinstituten zu stellen, sollte die "Anlage KAP" ausfüllen. Denn dann können sich Sparer zu viel einbehaltene Abgeltungsteuer zurückholen. Jeder Anleger verfügt über einen Sparerpauschbetrag von 801 Euro (Alleinstehende) beziehungsweise 1602 Euro (Verheiratete). Bis zu dieser Höhe bleiben Zinsen, Dividenden und Veräußerungsgewinne steuerfrei.

Steuertipp 7: Ruheständler, die neben der gesetzlichen Rente weitere Einkünfte wie beispielsweise Mieten, Zinsen oder Arbeitslohn haben, profitieren von einem Altersentlastungsbetrag. Ehepartner können Steuern sparen, wenn Mieteinkünfte oder Kapitalerträge auf beide Ehepartner verteilt werden. Denn der Altersentlastungsbetrag steht jedem Ehepartner gesondert zu. Dieser wird Steuerzahlern nach Vollendung des 64. Lebensjahres automatisch gutgeschrieben. Wer im vergangenen Jahr seinen 64. Geburtstag feierte - also in der Zeit vom 2. Januar 1950 bis 1. Januar 1951 zu Welt kam - erhält ab 2015 einen Altersentlastungsbetrag von 24 Prozent der Einkünfte, maximal 1140 Euro.

Steuertipp 8: Wer eine erste Ausbildung oder ein erstes Studium ohne Ausbildungsdienstverhältnis absolviert, sollte die Ausgaben als Werbungskosten in der Steuererklärung verrechnen. Das Finanzamt akzeptiert in diesen Fällen zwar lediglich die Verrechnung als Sonderausgaben bis maximal 6000 Euro. Doch ob diese Regelung rechtens ist, müssen die Richter des Bundesverfassungsgerichts entscheiden (unter anderen Az.: 2 BvL 23/14). Betroffene sollten die Ausgaben als Werbungskosten verrechnen und - sofern ausreichend hohe Einkünfte fehlen - im Hauptformular das Feld "Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs" ankreuzen. Ein Einspruch gegen den Steuerbescheid ist nicht mehr notwendig, da dieser in diesem Punkt offen bleibt.

Steuertipp 9: Das Steuerrecht ist komplex. Es gibt aber eine Palette an Büchern und Zeitschriften, die Ihnen detailliert erläutern, worauf Sie beim Erstellen der Steuererklärung für das Jahr 2014 achten müssen. So erklärt beispielsweise Stiftung Warentest in seinem "Finanztest Spezial Steuern 2015" verständlich Schritt für Schritt, wie Sie die Bögen vom Finanzamt ausfüllen, Ihren Steuerbescheid prüfen und an welchen Musterprozessen Sie sich beteiligen können. Das Heft umfasst 128 Seiten und kostet 8,50 Euro.

Das Online-Portal www.steuerrat24.de bietet umfassende Informationen, wie Sie die Bögen für das Jahr 2014 oder frühere Jahre ausfüllen. Zudem gibt Steuerrat24.de jeden Monat einen Steuersparbrief heraus, in dem Leser Wissenswertes zu aktuellen Urteilen und Gesetzesänderungen erfahren. Die Jahresgebühr für das Portal beträgt 39 Euro. Bezahlen können Nutzer über Paypal, Clickandbuy oder Banküberweisung. Nach einem Jahr endet die Mitgliedschaft automatisch.

Zum Thema:
Wer eine Steuererklärung machen muss und sich selbst an das Ausfüllen der Bögen macht, hat dafür bis zum 31. Mai Zeit. Da der Abgabetermin in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt, können sich Steuerzahler bis zum 1. Juni 2015 Zeit lassen. Steuerzahler, die dieses Datum nicht einhalten können, sollten beim Finanzamt formlos eine Fristverlängerung beantragen. Mehr Zeit haben Steuerzahler, die ihre Abrechnung von einem Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein erstellen lassen. Sie müssen die Steuererklärung erst bis zum 31. Dezember abgeben. In Ausnahmefällen kann diese Frist bis zum 28. Februar 2016 verlängert werden. Wer hingegen freiwillig die Bögen vom Finanzamt ausfüllt, kann sich dafür komfortable vier Jahre Zeit lassen. Die Steuererklärung für 2014 müssten Steuerzahler demnach spätestens bis Ende 2018 bei ihrem zuständigen Finanzamt einreichen. bbr