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Das Handy ist im Bett tabu

Anstatt zu schlummern, lesen viele im Bett Nachrichten auf dem Handy. Das kann allerdings einen erholsamen Schlaf gefährden, warnen Mediziner.
Anstatt zu schlummern, lesen viele im Bett Nachrichten auf dem Handy. Das kann allerdings einen erholsamen Schlaf gefährden, warnen Mediziner. FOTO: Wüstenhagen/dpa
Köln. Mehr als 40 Prozent der Deutschen nehmen ihr Handy mit ins Bett. Das kann Auswirkungen auf die Schlafqualität haben. Spezielle Apps sollen dieses Problem lösen. Am besten ist es allerdings, das Handy komplett aus dem Schlafzimmer zu verbannen. Julia Ruhnau

Wer das Smartphone im Bett nutzt, könne nicht richtig entspannen, erklärt Alfred Wiater, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Das Heiße zwar nicht, dass jeder, der unter der Decke noch eine runde Candy Crush spielt, schlecht schläft. Doch für Menschen, die ohnehin Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen haben, sei die Handynutzung im Bett nicht förderlich.

Ein Übeltäter, der in der Diskussion immer wieder ins Spiel gebracht wird, ist das blaue Licht des Bildschirms. "Blaues Licht blockiert die Ausschüttung des Einschlafhormons Melatonin und daher den Schlaf", erklärt Wiater. Wer sich davor fürchtet, kann spezielle Software installieren. Apps wie Night Shift oder Twilight filtern die blauen Anteile des Lichts heraus, der Bildschirm erscheint dann eher orangefarben.

Darüber hinaus gibt es rund um das Schlafen viele Spielereien auf dem Handy. Apps wie Awoken, Lucid Dreamer oder Shadow versprechen, dem Schlafenden zu mehr Kontrolle über seine Träume zu verhelfen. Zudem gebe es eine App namens Wakie, bei der man von wildfremden Menschen geweckt wird, berichtet Jan-Keno Janssen vom Computermagazin c't.

Mit anderen Apps sollen Schnarchgeräusche und Selbstgespräche aufgezeichnet werden. Janssen hält solche Apps allerdings für deutlich ungenauer als speziell dafür entwickelte Geräte, wie sie etwa in einem Schlaflabor verwendet werden. Neben den negativen Auswirkungen auf den Schlaf versteckt sich im Smartphone auch eine weitere Gefahr: der Akku. Immer wieder gibt es Bilder von verbrannter Bettwäsche und verkohlten Kissenbezügen. "Bei den von uns untersuchten Schäden stellen wir zahlreiche Brände fest, die durch Lithium-Ionen-Akkus ausgelöst wurden", berichtet Hans-Herrmann Drews vom Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung in Kiel. Wenn ein Gerät technische Fehler aufweist oder falsches Ladezubehör benutzt wird, könne die Wärmedämmung durch Bettdecke oder Kissen die Brandgefahr verstärken, warnt Drews. Besonders kritisch wird es, wenn das Handy am Ladekabel hängt. "Die allermeisten Brände ereignen sich beim Ladevorgang", sagt Drews. Sollte das Handy also komplett aus dem Schlafzimmer verbannt werden? "Das Smartphone gehört nicht ins Schlafzimmer", sagt Wiater. Hin und wieder könne es persönliche Ausnahmen geben. Zum Beispiel wenn es um persönliche Informationen gehe, für die man erreichbar sein möchte. Berufliche Gründe sollten aber nicht dazugehören.

Bei den Ausnahmefällen kann unter Umständen wieder spezielle Software helfen. Der sogenannte Do-not-Disturb-Modus bei Apple- oder Android-Geräten blockiert bestimmte Anrufe oder Benachrichtigungen. Dabei können Nutzer Ausnahmen wie den Wecker oder Anrufe bestimmter Personen erlauben. Die Notfall-Einstellung lässt Anrufe beispielsweise nur durch, wenn eine Person innerhalb weniger Minuten mehrmals anruft.