ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 05:04 Uhr

Wüstenschiff voraus
Kameltrekking durch ein Dünenmeer im Oman

 Lager für die Nacht: Das Zelt steht auf einer Sanddüne in der Wahiba-Wüste. Foto: Manuel Meyer
Lager für die Nacht: Das Zelt steht auf einer Sanddüne in der Wahiba-Wüste. Foto: Manuel Meyer FOTO: Manuel Meyer
Maskat. Widerwillig richtet sich Milha auf. Sie schnauft, glotzt störrisch in die Ferne und weigert sich, loszulaufen. Doch Kamelführer Monir gibt nicht nach. Er zieht an den Zügeln, bis sich Dromedar Milha in Bewegung setzt. Von Manuel Meyer, dpa

„Wir müssen los, um rechtzeitig unser erstes Nachtlager zu erreichen“, meint er und geht voraus. Ein letzter Schluck Wasser, noch einmal das Gesicht mit Sonnencreme einschmieren, Schirmmütze auf. Milha soll ruhig einen Vorsprung haben. Immerhin ist das Tier schon 15 Jahre alt. Und so gemächlich wie das Kamel voranschlendert, hat man es sowieso in ein paar Minuten eingeholt.

Auf dem Kamel bis in den Abend

Unweigerlich fragt man sich, ob man das Trekking durch die Wahiba-Sandwüste im Nordosten des Oman mit diesem sich in Zeitlupe bewegenden Tier überhaupt in den geplanten fünf Tagen schaffen kann.

Nach einer Stunde macht sich dann eine gewisse Frustration breit. Das träge wackelnde Kamel ist immer noch nicht eingeholt. Schlimmer noch: Trotz enormer Anstrengung hat Milha den Abstand vergrößert, ohne selber schneller geworden zu sein. Monir muss auf seine Gäste warten. Selbst die kleinsten Dünen werden zu einer Herausforderung.

Es wird Abend. Der Himmel färbt sich gelblich, dann rosa, blutrot. Schließlich wird es dunkel in der Wahiba- oder Sharqiyah-Wüste, die sich von Norden nach Süden über rund 250 Kilometer erstreckt, von Osten nach Westen sind es 80 Kilometer.

Wüstenmahlzeit und Nachtlager

In der Ferne sieht man auf einer Anhöhe ein kleines Feuer. Zwei Begleiter waren mit dem Geländewagen vorausgefahren, um schon mal das Zelt aufzubauen und das Abendessen vorzubereiten. Es gibt Fisch mit Reis und Gemüse. Das Essen duftet nach Kardamom und arabischen Gewürzen. Serviert wird auf einem Teppich im Sand vor dem Zelt.

Kurz vor Sonnenaufgang werden die Gäste geweckt. Ein langer Wandertag liegt vor der Gruppe. Auf dem Teppich ist das Frühstück serviert. Bei Omani-Kaffee und warmem Fladenbrot mit Erdbeer-Marmelade schauen die Wanderer verschlafen von der Anhöhe zum Horizont. Angenehm wärmen die ersten Sonnenstrahlen den Körper. Die Nacht war frisch. Tau liegt noch auf den kleinen Büschen rund ums Zelt.

Wanderung durch den Sand

„Es wird Zeit. Wir müssen die frühen, kühlen Morgenstunden zum Wandern nutzen. Zur Mittagszeit machen wir dann eine lange Pause“, sagt Monir und geht mit Milha wieder voran.

Nach einer Stunde glaubt man, die erste Fata Morgana zu sehen. Steht da tatsächlich eine schneeweiße Moschee in einem Meer aus goldgelben Sanddünen? Ja! Es ist keine Täuschung. Doch für wen wurde sie erbaut? Es ist schwer zu glauben, dass in dieser leeren Wüste überhaupt Menschen leben. Manchmal kann die absolute Stille auch beängstigend werden. Es ist aber auch beeindruckend, wie ruhig man innerlich wird, wenn man tagelang in der Wüste unterwegs ist - ohne Handy, ohne Internet, ohne Lärm, ohne andere Menschen zu sehen und nur von einem eher wortkargen Kamelführer begleitet.

Der feine Sand knirscht unter den Wanderschuhen. Manchmal knackt es auch, wenn man auf Muschelreste tritt, die die Monsunwinde vom nahen Ozean herüberwehen. Mal bläst ein frischer Wind, mal ein heißer Fön. Ein Wüstenhase schießt aus seinem Bau und holt den Besucher aus der Lethargie. Immer wieder versucht man zu Milha aufzuschließen, um eine neue Wasserflasche aus dem Stoffsack zu nehmen, der auf ihren Rücken geschnürt ist. Nicht umsonst werden Kamele auch als Wüstenschiffe bezeichnet: Sie schaukeln beim Gehen sanft wie Schiffe im Wasser.

Unvergessliche Momente

Die Dünen werden immer gewaltiger, weit mehr als 100 Meter hoch. Monir treibt das Kamel einen steilen Kamm hoch. Oben haben die zwei Begleiter das Camp spektakulär am Rande eines tiefen Dünenkraters aufgebaut. Die beiden haben Äste für das Lagerfeuer gesammelt. Es gibt erst einmal einen Tee. Auf einer Düne am Horizont sieht man die Silhouetten mehrerer Kamele. Momente, die das anstrengende Wandern durch die Dünen, die sengende Sonne und die fehlende Möglichkeit, sich zu waschen, vollkommen vergessen machen.

Es ist windstill. Heute will niemand im Zelt schlafen. Unglaublich, wie viele Sterne man sehen kann, wenn kein künstliches Licht scheint. Langsam geht das Feuer aus, es wird frisch. Am Morgen ist die Decke klitschnass. Nebel liegt über den Dünen. Zwischen den Zähnen knirschen Sandkörner. Nach einem wärmenden Omani-Kaffee geht es auf zur letzten Etappe. Man kann bereits die salzige Meeresluft riechen.

Nach sechs anstrengenden Kilometern über haushohe Dünen sieht man ihn dann endlich - den Indischen Ozean, das Arabische Meer. Schuhe aus, Hemd vom Leib, Rucksack ab und schnell ins kühle Nass. Monir nimmt Milha mit ins türkisblaue Meer, sie scheint es zu mögen. Wasser, baden, waschen - ein Glücksgefühl nach fünf Tagen in der Wüste.

Kamel-Wüstentrekking Oman

Anreise: Oman Air, Lufthansa und andere Airlines fliegt Maskat in etwa sieben Stunden direkt von Deutschland aus an.

Einreise: Deutsche benötigen einen Reisepass, der mindestens noch sechs Monate gültig ist. Ein Kurzvisum für bis zu zehn Tage (12 Euro) und ein normales Visum für einen Monat (50 Euro) erhalten sie direkt bei der Einreise am Flughafen.

Beste Reisezeit: Im Oman ist es ganzjährig warm und trocken. Beste Monate zum Wandern sind November bis April. Im Sommer ist es bei Temperaturen von mehr als 40 Grad zu heiß.

Pauschalreisen: Zahlreiche deutsche Reiseveranstalter wie Studiosus, Gebeco, Dertour, Meiers Weltreisen oder Wikinger Reisen haben Kamel-Wüstentrekking-Touren im Programm.

Informationen: Sultanat von Oman, Tourismusministerium, c/o Interface International, Karl-Marx-Allee 91a, 10243 Berlin, Tel.: 030/42 08 80 12.

 Begleiter auf dem Weg durch die Wüste: Dromedar Milha ist rund 15 Jahre alt. Foto: Manuel Meyer
Begleiter auf dem Weg durch die Wüste: Dromedar Milha ist rund 15 Jahre alt. Foto: Manuel Meyer FOTO: Manuel Meyer
 Sand, so weit das Auge reicht: Die Wahiba-Wüste misst rund 15.000 Quadratkilometer. Foto: Manuel Meyer
Sand, so weit das Auge reicht: Die Wahiba-Wüste misst rund 15.000 Quadratkilometer. Foto: Manuel Meyer FOTO: Manuel Meyer
 Beim Trekking in der Wahiba-Wüste müssen teils steile Dünen überwunden werden. Foto: Manuel Meyer
Beim Trekking in der Wahiba-Wüste müssen teils steile Dünen überwunden werden. Foto: Manuel Meyer FOTO: Manuel Meyer
 Das Ziel im Blick: Kameltreiber Monir schaut nach dem einfachsten Weg durch die Dünen. Foto: Manuel Meyer
Das Ziel im Blick: Kameltreiber Monir schaut nach dem einfachsten Weg durch die Dünen. Foto: Manuel Meyer FOTO: Manuel Meyer
 Die Zeiten rund um Sonnenauf- und Untergang sind in der Wüste besonders schön. Foto: Manuel Meyer
Die Zeiten rund um Sonnenauf- und Untergang sind in der Wüste besonders schön. Foto: Manuel Meyer FOTO: Manuel Meyer
 Zunächst glaubt man an eine Fata Morgana: Mitten in der Wüste steht eine Moschee. Foto: Manuel Meyer
Zunächst glaubt man an eine Fata Morgana: Mitten in der Wüste steht eine Moschee. Foto: Manuel Meyer FOTO: Manuel Meyer
 Bei der Ankunft im Nachtcamp gibt es erst einmal einen Minztee. Foto: Manuel Meyer
Bei der Ankunft im Nachtcamp gibt es erst einmal einen Minztee. Foto: Manuel Meyer FOTO: Manuel Meyer
 Schlafen unter dem Sternenhimmel: Das Feldbett wird in der Nacht vor das Zelt gestellt. Foto: Manuel Meyer
Schlafen unter dem Sternenhimmel: Das Feldbett wird in der Nacht vor das Zelt gestellt. Foto: Manuel Meyer FOTO: Manuel Meyer
 Die Wüste lebt: Eine rund 40 Zentimeter lange Echse läuft über den Sand. Foto: Manuel Meyer
Die Wüste lebt: Eine rund 40 Zentimeter lange Echse läuft über den Sand. Foto: Manuel Meyer FOTO: Manuel Meyer
 Immer wieder begegnet man Kamelherden. Sie lassen auf Beduinenstämme in der Nähe schließen. Foto: Manuel Meyer
Immer wieder begegnet man Kamelherden. Sie lassen auf Beduinenstämme in der Nähe schließen. Foto: Manuel Meyer FOTO: Manuel Meyer
 Eingespieltes Team: Monir und Dromedar Milha beim Sonnenuntergang. Foto: Manuel Meyer
Eingespieltes Team: Monir und Dromedar Milha beim Sonnenuntergang. Foto: Manuel Meyer FOTO: Manuel Meyer
 Nach fast einer Woche durch die Wüste ist das Fischerdorf Qihayd das Ziel der Reise. Foto: Manuel Meyer
Nach fast einer Woche durch die Wüste ist das Fischerdorf Qihayd das Ziel der Reise. Foto: Manuel Meyer FOTO: Manuel Meyer
 Nach dem langen Wüstentrekking genießt auch das Dromedar Milha das erfrischende Bad im Arabischen Meer. Foto: Manuel Meyer
Nach dem langen Wüstentrekking genießt auch das Dromedar Milha das erfrischende Bad im Arabischen Meer. Foto: Manuel Meyer FOTO: Manuel Meyer
 Immer hinter Milha her: Das Dromedar führt die Gruppe an. Foto: Manuel Meyer
Immer hinter Milha her: Das Dromedar führt die Gruppe an. Foto: Manuel Meyer FOTO: Manuel Meyer