| 15:30 Uhr

Verkehrsrecht
Günstigere Reparatur nach einem Unfall?

Rechtsanwalt MARCEL PETERS zum Thema Verkehrsrecht

Voraussetzungen für eine Verweisung des Geschädigten auf eine günstigere Reparaturmöglichkeit in einer freien Werkstatt nach einem Kfz-Unfall.

Der Geschädigte darf nach einem Verkehrsunfall grundsätzlich vom Unfallverursacher und dessen Kfz-Haftpflichtversicherung die üblichen Stundenverrechnungssätze einer markengebundenen Fachwerkstatt bei der Bezifferung des Reparaturschadens seines Fahrzeuges zugrunde legen, die z.B. ein von ihm eingeschalteter Sachverständiger auf dem regionalen Markt ermittelt hat. Nach der Rechtsprechung besteht dann – sofern kein wirtschaftlicher Totalschaden vorliegt – ein Anspruch des Geschädigten auf Ersatz der in einer markengebundenen Fachwerkstatt anfallenden Reparaturkosten unabhängig davon, ob der Geschädigte das Fahrzeug tatsächlich voll, minderwertig oder überhaupt nicht reparieren lässt. Da die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers bei einer fiktiven Abrechnung jedoch oftmals versucht, den Geschädigten auf eine günstigere Reparaturmöglichkeit in einer freien Werkstatt zu verweisen, stellt sich die Frage unter welchen Voraussetzungen dies zulässig ist. Der Bundesgerichtshof hat in einer aktuellen Entscheidung zum Ausdruck gebracht, dass der Schädiger den Geschädigten unter dem Gesichtspunkt der Schadensminderungspflicht nur dann auf eine günstigere Reparaturmöglichkeit in einer mühelos und ohne Weiteres zugänglichen „freien“ Fachwerkstatt verweisen kann, wenn er darlegt und gegebenenfalls beweist, dass eine Reparatur in dieser Werkstatt vom Qualitätsstandard der Reparatur in einer markengebundenen Fachwerkstatt entspricht und wenn er gegebenenfalls vom Geschädigten aufgezeigte Umstände widerlegt, die diesem eine Reparatur außerhalb der markengebundenen Fachwerkstatt unzumutbar machen (vgl.BGH Az.: VI ZR 182/16). Nach der Auffassung des BGH ist dem Geschädigten die Reparatur in einer freien Werkstatt im Allgemeinen dann unzumutbar, wenn das beschädigte Fahrzeug zum Unfallzeitpunkt nicht älter als 3 Jahre war. Nach Auffassung des Bundesgerichtshofes kann es dem Geschädigten aber auch bei älteren Fahrzeugen unzumutbar sein, sich auf eine günstigere, gleichwertige und ohne Weiteres zugängliche Reparaturmöglichkeit in einer freien Fachwerkstatt verweisen zu lassen, wenn er – z. B. unter Vorlage des Scheckheftes, der Rechnungen oder durch Mitteilung der Reparatur bzw. Wartungstermine – konkret darlegt, dass er sein Fahrzeug bisher stets in einer markengebundenen Fachwerkstatt hat warten und reparieren lassen. Sofern ein älteres Fahrzeug vor einem Verkehrsunfall zwar stets in einer markengebundenen Fachwerkstatt repariert, jedoch dort aber in den letzten Jahren vor dem Unfall nicht mehr gewartet worden war, ist der Verweis auf eine freie Fachwerkstatt nicht unzumutbar.

Rechtsanwalt Marcel Peters

Tätigkeitsschwerpunkte:

Strafrecht

Verkehrsrecht

Rechtsanwalt MARCEL PETERS zum Thema Verkehrsrecht
Rechtsanwalt MARCEL PETERS zum Thema Verkehrsrecht FOTO: Marcel Peters