ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:00 Uhr

Betrug bei Anrufen mit unbekannter Vorwahl
Per Rückruf Abzocke

 Anrufe aus dem Ausland können zur Kostenfalle werden.
Anrufe aus dem Ausland können zur Kostenfalle werden. FOTO: dpa / Hauke-Christian Dittrich
Cottbus. Neben dem „Enkel-Trick“ gibt es eine weitere Betrugsmasche per Telefon: Ping-Anrufe. Dabei klingelt es kurz auf dem Handy mit einer unbekannten Nummer. Wer nicht rechtzeitig abhebt ruft in der Regel zurück – und landet zu hohen Kosten in Mali, Guinea oder auf den Seychellen. Von Sven Bock

Bei dem Cottbuser Thomas S.* klingelt Ende August früh das Mobiltelefon. Auf dem Display eine Nummer mit einer +222-Vorwahl – der Länderkennung von Mauretanien. S. ist erst verwundert, weil er eigentlich im Ausland keine Kontakte hat: „Aus Reflex habe ich die Telefonnummer trotzdem angerufen.“ Es kommt eine deutsche Bandansage eines Fundbüros. Doch nach einer Minute in der Schleife legt der Cottbuser wieder auf. „Es hat sich niemand gemeldet, das hat mich stutzig gemacht.“

Damit war das Thema aber noch nicht beendet: In den nächsten Stunden klingelte alle halbe Stunde bei S. das Handy – immer mit einer ähnlichen Vorwahl. Doch dieses Mal rief der Cottbuser nicht zurück, sondern informierte die Polizei Spree-Neiße und seinen Netzbetreiber.

Betrüger profitieren von Verbindungsentgelten

Auch bei der Verbraucherzentrale Brandenburg kennt man diese „Ping-Anrufe“. Die Betrugsmasche per Telefon gibt es bereits seit mehreren Jahren. Ziel der Täter ist es, einen Rückruf zu provozieren und den Mobilfunkkunden dann möglichst lange in der Leitung zu halten, zum Beispiel mit auf Deutsch verfassten Gewinnspielmitteilungen oder Erotikansagen. Die Betrüger profitieren von den generierten Verbindungsentgelten. 2018 verpflichtete die Bundesnetzagentur die Mobilfunkbetreiber, kostenlose Preisansagen für 56 internationale Vorwahlen vor die Anrufe zu schalten. Legt der Anrufer während der Ansage auf, sollen laut Bundesnetzagentur keine Kosten entstehen. Dadurch ging die Beschwerdezahl über die teuren Rückrufe zurück. Doch nach Ablauf der einjährigen Anordnung Ende 2018 stiegen im Januar 2019 die Beschwerden wieder sprunghaft an. Ab 1. März gilt eine neue Anordnung – die Betrüger finden aber nach wie vor noch Schlupflöcher mit anderen Länderkennungen.

Nummern bei der Bundesnetzagentur melden

Michèle Scherer, Referentin Digitale Welt bei der Verbraucherzentrale Brandenburg, rät Verbrauchern davon ab, unbekannte Rufnummern aus dem Ausland zurückzurufen: „Die Vorwahlen haben meistens Ähnlichkeiten mit deutschen Vorwahlen und sind leicht zu verwechseln. Bei ausländischen Nummern sollte der Verbraucher immer erst genau überlegen, ob er jemanden im Ausland kennt, bevor er zurückruft. Im Zweifelsfall raten wir dazu, nicht anzurufen“, so Scherer.

Auf der Homepage der Bundesnetzagentur gibt es laut der Verbraucherzentrale eine Liste der Länder, für die ein "Verbot der Rechnungslegung und Inkassierung" vorliegt. In dem Fall müssen Verbraucher die angefallenen Kosten auf Ihrer Telefonrechnung nicht zahlen. „Falls die Nummer nicht aufgeführt ist, können Sie sie bei der Bundesnetzagentur melden“, so die Verbraucherschützerin Scherer. Außerdem sollten die Nummer auf dem eigenen Handy gesperrt werden. Ein dauerhafter Schutz vor lästigen Anrufen ist allerdings auch das nicht, denn die Betrüger können ihre Nummer leicht wechseln. (* Name der Redaktion bekannt)

Mehr zum Thema:

- Informationen der Verbraucherzentrale Brandenburg

- Meldeportal der Bundesnetzagentur

- Liste der Maßnahmen der Bundesnetzagentur