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| 14:11 Uhr

Besser als Leitungswasser?
Wie gesund ist Mineralwasser? - Forscher untersuchen Wirkung

Forscher des Kompetenzzentrums Mineral- und Heilwasser haben sich mit der Frage beschäftigt, ob Mineralwasser wirlich besser ist, als normales Leitungswasser. Foto: Matthias Balk
Forscher des Kompetenzzentrums Mineral- und Heilwasser haben sich mit der Frage beschäftigt, ob Mineralwasser wirlich besser ist, als normales Leitungswasser. Foto: Matthias Balk FOTO: Matthias Balk
Hannover. Mineralwasser ist beliebt. Viele Menschen nehmendas Kistenschleppen aus dem Supermarkt in Kauf, obwohlLeitungswasser ohne Bedenken trinkbar ist. Von Christina Sticht, dpa

175 Liter in Flaschen abgefülltes Wasser konsumierten die Deutschen im Jahr 2017 pro Kopf, im europäischen Vergleich lag nur Italien mit 188 Litern davor. Der Hitzesommer 2018 steigerte den Wasserdurst. Teilweise wurden Sonderschichten eingelegt, um die Nachfrage zu bedienen, berichtet der Verband Deutscher Mineralbrunnen (VDM), der die Interessen von bundesweit knapp 200 Betrieben vertritt.

Kompetenzzentrum gegründet

Mit der Wirkung verschiedener Mineralwassertypen auf die Gesundheit
beschäftigen sich Wissenschaftler in dem vor einem Jahr gegründeten
Kompetenzzentrum Mineral- und Heilwasser (KMH) an der Leibniz
Universität Hannover. Die Einrichtung am Institut für
Lebenswissenschaft und Humanernährung wird vom VDM gefördert. Das
Zentrum sei in seiner Zielsetzung bundesweit einmalig, sagt
VDM-Geschäftsführer Udo Kremer. Vergleichbare Institute im Ausland
seien ihm nicht bekannt.

„Wir arbeiten inhaltlich völlig unabhängig und ergebnisoffen“, betont
Projektleiterin Inga Schneider. „Das Thema Mineral- und Heilwasser
wurde in Deutschland bisher wissenschaftlich kaum beachtet“, sagt der
verantwortliche Professor Andreas Hahn, der die Idee zur Gründung des
Kompetenzzentrums hatte.

Studie zur Bioverfügbarkeit von Calcium

So entstanden bereits zwei Studien zur Bioverfügbarkeit von Calcium
beziehungsweise Magnesium. „Beide Nährstoffe werden genauso gut durch
Mineralwasser aufgenommen wie durch Milch oder
Nahrungsergänzungsmittel“, berichtet Schneider. Andere Stoffe im
Wasser wie Sulfat oder Hydrogencarbonat behinderten ihre Aufnahme
nicht. Für die Untersuchungen hatten insgesamt mehr als 40
Freiwillige in regelmäßigen Abständen nach dem Verzehr von drei
Mineralwassertypen beziehungsweise Milch oder Vitaminpillen Blut- und
Urinproben abgegeben.

Calcium wirkt sich positiv auf den Knochenaufbau aus, Magnesium ist
wichtig für die Funktion von Muskeln, Herz, Magen-Darm-Trakt sowie
für die Nervenweiterleitung. Die Forscher haben Ideen für weitere
Studien, etwa zu Wasser und Sport oder Wasser und Diabetes. Neben
Schneider und Hahn arbeiten zwei wissenschaftliche Hilfskräfte sowie
eine Doktorandin am KMH.

In der Doktorarbeit wird hydrogencarbonatreiches Mineralwasser
untersucht. 120 gesunde Männer und Frauen erhielten vier Wochen lang
einen von vier verschiedenen Wassertypen. Nach ersten Ergebnissen
gibt es laut Schneider positive Effekte auf den Säure-Basen-Haushalt.
Demnach könnte hydrogencarbonatreiches Mineralwasser Nierensteinen
vorbeugen. Auch der mögliche Einfluss auf die Knochen werde
untersucht.

Ein gutes, kalorienarmes Getränk

Aus Sicht von Verbraucherschützern empfiehlt sich Mineralwasser als
kalorienfreies Getränk. „Darüber hinaus kann es zum Beispiel bei
einer Laktoseintoleranz neben Gemüse wie Grünkohl oder Spinat als
Calciumquelle sinnvoll sein“, sagt Janina Willers, Referentin für
Ernährung und Lebensmittel der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Aus
ökologischer Sicht und um Kosten zu sparen, sei Leitungswasser
allerdings für den Großteil der Bevölkerung genauso gut geeignet.

Mineral- und Heilwasser entspringen unterirdischen Wasservorkommen.
Sie sind Naturprodukte, deren Bestandteile nicht verändert werden
dürfen. Die heimischen Brunnenbetriebe füllen jährlich insgesamt über
14 Milliarden Liter ab, inklusive Mineralwasser-Erfrischungsgetränken
und Heilwasser.

Heilwasser ist Arzneimittel

Heilwasser ist eine deutsche Besonderheit - seine vorbeugende,
lindernde oder heilende Wirkung muss mit einem wissenschaftlichen
Gutachten nachgewiesen werden. Mineralwasser ist als Lebensmittel
eingestuft, Heilwasser muss als Arzneimittel zugelassen werden.

Kompetenzzentrum Mineral- und Heilwasser

Verband Deutscher Mineralbrunnen

Europäische Statistik zum Wasserkonsum