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| 11:44 Uhr

Wein
Weinreise um die Welt: Die spannendsten Anbaugebiete rund um den Globus

FOTO: unsplash.com / Elisha Terada
Europa liegt in Sachen Weinbau nach wie vor an der Weltspitze. Nirgendwo sonst gibt es eine solche Fülle und Vielfalt unterschiedlicher Anbaugebiete und Rebsorten. Dennoch wird Wein überall auf unserem Globus kultiviert und ist auf sämtlichen Kontinenten verbreitet. Wir haben uns auf die Reise gemacht und stellen die verschiedensten Weinregionen der Welt vor.

Weinanbau weltweit

Für Weinbau darf es weder zu heiß noch zu kühl sein. Bei zu heißen Temperaturen bauen die Trauben schnell Zucker auf, was den Alkoholgehalt in die Höhe klettern lässt. Allerdings fehlen dann Aroma und Säure. Ist es zu kühl, schmecken die Trauben bitter. Beides ist nicht ideal. Dementsprechend findet Weinbau überwiegend in der gemäßigten Klimazone zwischen dem 30. und dem 50. Breitengrad nördlicher und südlicher Hemisphäre statt. Das kühlere Klima bringt leichte Weißweine mit knackiger Säure hervor. Das wärmere kräftigere Rotweine mit höherem Alkoholgehalt und ausgeprägten Gerbstoffen.

2016 betrug die Wein-Rebfläche weltweit 7,5 Millionen Hektar. Rund 250 Millionen Hektoliter werden jedes Jahr weltweit hergestellt. Auf der Rangliste der wichtigsten Erzeugerländer für Wein liegen Italien mit 50,9 Hektolitern, Frankreich mit 43,5 Hektolitern und Spanien mit 39,3 Hektolitern ganz oben. Danach folgen die USA mit 23,9 Hektolitern, Australien mit 13 Hektolitern und China mit 11,4 Hektolitern.

Europas spannendste Anbauregionen

Zuerst richtet sich unser Blick auf die alte Welt, denn bei der Weinproduktion liegen europäische Länder vorn. Der Kontinent hat mindestens 2.000 Jahre Weinbaugeschichte hinter sich. Zu verdanken ist das unter anderem der Kirche: Zu Gottesdiensten und zur Feier des Abendmahls wurde Messwein benötigt. Die Weinherstellung war dementsprechend von großer Bedeutung. In fast allen alten Anbaugebieten lässt sich ein Kloster finden, das lokal einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Weinbaus hatte. Jüngste Ausgrabungen zeigen, dass der Rebensaft noch eine viel längere Tradition in Europa hatte.

Spanien als starkes Erzeugerland

Überall in Spanien wird Wein angebaut. Mit 1,2 Millionen Hektar besitzt das Land südlich der Pyrenäen die größte Rebfläche der Welt. Warum Spanien trotzdem beim Weinbau "nur" auf dem dritten Platz liegt? Das ist zum einen dem Klima, zum anderen alten Traditionen geschuldet. Spanien liegt südlicher als Italien und Frankreich.

Das Land ist warm und trocken. Für den Weinbau heißt das: Es werden weniger Reben pro Hektar gepflanzt. Eine hohe Bestockungsdichte bedeutet auch mehr Nahrungskonkurrenz. Während etwa im französischen Bordeaux bis zu 10.000 Reben pro Hektar stehen, sind es im spanischen La Mancha nur 2.500.

Dem Weinbau kommt in Spanien ein hohes Maß an wirtschaftlicher Bedeutung zu. Er macht einen Anteil von einem Prozent am Bruttoinlandsprodukt aus. Rund 150.000 Winzer bewirtschaften die circa 5.000 Weingüter und Abfüllbetriebe. Zu den bekanntesten spanischen Weinbaugebieten zählen Andalusien, Aragón, Galicien, Kastilien-León, Katalonien und Murcia. Über 250 Rebsorten werden zu Weinen in den unterschiedlichen Qualitätsstufen verarbeitet, vom einfachen Tafelwein (Vino de Mesa) über Landwein (Vino de la Tierra) bis zur kontrollierten Herkunftsbezeichnung (Denominaciones de Origen / DO) und zum Qualitätswein (Denominazione di Origine Controllata / DOC).

Weinregion Bordeaux

Das Bordeaux, die westlichste Weinregion Frankreichs, zählt zu den bekanntesten Rotwein-Anbaugebieten der Welt. In der gleichnamigen Hauptstadt zeigt eine eigene Kultureinrichtung - die Cité du Vin die Bedeutung und Vielfalt des Winzerwesens für die französische Provinz. An der südwestfranzösischen Atlantikküste gelegen, zeichnet sich das Bordeaux durch ein mildes Klima aus. Es umfasst etwa 100.000 Hektar Rebfläche und ist damit das größte Weinbaugebiet Frankreichs. Der berühmte Bordeaux-Rotwein wird überwiegend aus drei Rebsorten gekeltert: Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc.

Das Anbaugebiet liegt an den Flüssen Garonne und Dordogne, die zur Gironde zusammenfließen und schließlich im Meer münden. Links von Gironde und Garonne haben sich die Winzer überwiegend auf die Rebsorte Cabernet Sauvignon spezialisiert. Teilweise werden die produzierten Weine mit Merlot und Petit Verdot verschnitten. Rechts der Flüsse dominiert der Merlot, der mit Cabernet Franc zu einer Bordeaux-Cuvée vereint wird. 2016 wurden knapp sechs Millionen Hektoliter an AOP (Appellation d?Origine Protégée) Weinen hergestellt. Darunter Rotwein, trockener Weißwein, lieblicher Weißwein, Roséwein, Clairet und Winzersekt.

Weinvielfalt in Italien

Bereits die alten Griechen schwärmten vom Weinland Italien. Das warme Klima und die Vielzahl unterschiedlicher Böden stellen ideale Voraussetzungen für den Anbau dar. Am häufigsten wird die weiße Trebbiano angebaut. Bei den Rotweintrauben liegt der Fokus auf Sangiovese, Merlot und Barbera. 40 Prozent der landesweiten Weinproduktion stammt aus dem Süden des Landes, einschließlich Sardinien und Sizilien.

Die Qualität fällt unterschiedlich aus. Rund 400 sogenannte DOC- und DOCG-Bereiche mit ungefähr 1.000 unterschiedlichen Weintypen finden sich insgesamt in Italien. Diese gehobene Qualitätsstufe macht nur 20 Prozent der Weinproduktion des Landes aus. Bei der überwiegenden Anzahl italienischer Weine handelt es sich um einfache Weine.

Zu den wohl bekanntesten und wichtigsten Weinanbauregionen Italiens zählt die Provinz Toskana, die durch ihre pittoreske Kulturlandschaft weltberühmt ist: Kilometerlange Weinberge prägen die Küstenregion am Tyrrhenischen Meer und das Hügelland zwischen Florenz, Siena, Montalcino und Montepulciano. Überwiegend wird dort die Rotweintraube Sangiovese angebaut. Etwa ein Drittel der Toskana macht das Weingebiet Chianti zwischen Siena im Süden und Florenz im Norden aus.

Die Qualitätsanforderungen reichen von relativ gering (Chianti DOCG) bis hoch (Chianti Classico DOCG). Die Chianti Classico tragen als Qualitätsmerkmal den "Gallo Nero", den schwarzen Hahn, am Flaschenhals. Das Symbol geht auf eine Legende zurück: Um den Streit zwischen Siena und Florenz beizulegen, sollte jede Stadt beim ersten Hahnenschrei ihren schnellsten Reiter entsenden. Der Punkt ihres Zusammentreffens sollte die neue Grenze markieren. Die Florentiner ließen ihren schwarzen Hahn hungern. Dadurch krähte er früher als der wohlgesättigte weiße Hahn. Dementsprechend brach der Reiter in Florenz eher auf. In Fonterutoli, nur 15 Kilometer vor Siena, trafen beide zusammen. Damit ging der größte Teil des Chianti-Gebiets an Florenz.

FOTO: unsplash.com / Konrad Marx

Weinanbau in Amerika Bekannte und unbekanntere Regionen in den USA

Der Weinanbau begann in den USA im 18. Jahrhundert im Zuge des Goldrausches: Europäische Einwanderer besiedelten das Land und setzten ihr Wissen um den Weinanbau ein. Heute wird Wein in jedem der 50 Staaten gekeltert, sogar im Süden Alaskas. Das größte und bekannteste Weinbaugebiet der USA befindet sich in Kalifornien. Dort erstrecken sich 320.000 Hektar Rebfläche. Die vorherrschenden Rebsorten sind Chardonnay und Cabernet Sauvignon. Weitere häufig angebaute Sorten sind Colombard, Merlot, Pinot Noir, Sauvignon Blanc, Shiraz und Zinfandel. Der "Zin" gilt als kalifornische Rebsorte schlechthin.

Fünf Weinbauregionen oder AVAs (American Viticultural Areas) lassen sich unterscheiden:

· · North Coast Area,

· · Central Coast Area,

· · Central Valley,

· · Southern Area und

· · Sierra Foothills.

Im Norden San Franciscos liegen die Weingebiete Mendocino County, Napa und Sonoba County. Dort werden Chardonnays, Cabernet Sauvignon und Zinfandel-Weine angebaut. Von San Francisco bis nach Santa Barbara erstreckt sich die Central Coast Area, eine Weißweingegend. Vorherrschend sind dort Chardonnay und Riesling. Die Southern Area zieht sich von der mexikanischen Grenze bis nach Los Angeles. Das Gebiet beherbergt etliche renommierte Weinkellereien, die unter anderem qualitativ hochwertige Reben wie Riesling, Merlot und Cabernet Sauvignon keltern. Am Fuß der Sierra Nevada Mountains sind neben Zinfandel vor allem Syrah und Cabernet Sauvignon die wichtigsten Rebsorten.

Argentinien wichtigstes Land im Süden

Argentinien ist mit einer Anbaufläche von 220.000 Hektar der größte Weinproduzent in Südamerika. Das Land mit den höchsten Weinbergen der Welt blickt auf eine lange Tradition zurück: Bereits seit dem 16. Jahrhundert wird dort Weinbau betrieben. Zunächst stand die Produktion einfacher Tafelweine im Vordergrund. In sieben Anbaugebieten werden verschiedene rote und weiße Sorten kultiviert.

Seit den 1990er Jahren wächst das Bestreben, hochwertige Qualitätsweine zu erzeugen, um nicht nur den lokalen Markt zu beliefern, sondern international Weinliebhaber zu begeistern. Als vielversprechend gilt die Sorte Malbec, die im warmen, trockenen Klima am Fuß der Anden ideale Wachstumsbedingungen vorfindet. Die Anbaufläche für diese Rebsorte nimmt beinahe 23.000 Hektar ein. Ursprünglich kommt die Malbec-Rebe, aus der dunkle, charakterstarke Weine gekeltert werden, aus Südwestfrankreich. Dort wurde sie allerdings durch den Reblaus-Befall und die Frühjahrsfröste weitgehend verdrängt. Damit besitzt Argentinien mit der Malbec ein vermarktungsfähiges Alleinstellungsmerkmal.

Das bedeutendste Weinbaugebiet des Landes liegt in Mendoza in der Großregion Cuyo, wo 92 Prozent der argentinischen Weinproduktion in Höhen von 600 bis 1.700 m stattfinden. Allerdings ist der Weinbau nur mithilfe von künstlicher Bewässerung möglich. Angebaut werden neben Malbec europäische Sorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot oder Syrah. Für argentinische Weißweine kommen Chenin, Chardonnay oder Sauvignon Blanc zum Einsatz.

Weinland Chile

Chiles trockenes, warmes Klima und die mineralreichen Böden aus Andenschutt bieten ebenfalls gute Voraussetzungen für den Weinbau. Die ersten Reben brachten die Spanier bereits Mitte des 16. Jahr­hun­derts aus ihrer Heimat mit. Seit den 1990er Jahren hat sich Chile zu einem der wichtigsten Anbau- und Weinexportländer der Welt entwickelt. Überwiegend sind die 120.000 Hektar umfassenden Rebflä­chen mit roten Trauben bestockt.

Die für Chile wichtigste Rebsorte ist Cabernet Sauvi­gnon, aus der ein vollmundiger Rotwein mit dem Aroma von schwarze Johan­nis­beeren, Euka­lyptus und Zedern­holz gekeltert wird. Weitere wichtige Sorten sind País, Merlot, Syrah und Carménère, eine Rebsorte, die ursprünglich aus dem französischen Weinbaugebiet um Bordeaux stammt. Genau wie die Malbec wurde sie dort aufgrund des Reblaus-Befalls nahezu ausgerottet. Diese Sorte reagiert sehr empfindlich auf feuchtwarme Temperaturen. In Chile findet sie ideale Bedingungen vor.

Bei den Weißweinsorten dominieren Char­donnay und Sauvi­gnon Blanck. Casa­blanca, die Region zwischen Valpa­raiso und Santiago, und die kühleren südli­chen Anbau­ge­biete um Maule haben sich als ideale Weiß­wein­zonen erwiesen. Von Westen her sorgt der Humboldt­strom für kalte Luft­strö­mungen. Dadurch reifen die Trauben langsamer und entwickeln ein vielschichtiges Aroma.

Weinregionen in Afrika Weinanbau in Südafrika

In Südafrika entstanden die ersten Weinberge bereits im Jahr 1655. Mit seiner landschaftlichen Vielfalt gehört Südafrika zu den schönsten Anbaugebieten der Welt. Die Bedingungen für Weinbau könnten nicht besser sein: mediterranes Klima, bergiges Land und nährstoffreiche Böden. Die Weine erfreuen sich international großer Beliebtheit und genießen einen exzellenten Ruf. Der Weinbau ist mittlerweile zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor auf dem afrikanischen Kontinent geworden.

Weinanbau an Afrikas Nordküste

Der Weinbau in Nordafrika geht auf die Phönizier zurück. In dieser Region haben Winzer allerdings mit besonderen Herausforderungen zu kämpfen: Zum einen ist Alkoholkonsum innerhalb der überwiegend muslimischen Bevölkerung in Ländern wie Marokko, Ägypten und Algerien nicht erlaubt. Zum anderen erschwert das trockene und heiße Klima die Erzeugung. Ohne künstliche Bewässerung wäre kein Weinbau möglich.

Marokko

Politisch bedingt erlebt der Weinbau in Marokko erst seit dem Jahr 2000 einen gewissen Aufschwung. Auf ungefähr 50.000 Hektar Land gedeihen 25 Rebsorten. Zu den wichtigsten gehören Carignan, Cinsault, Grenache, Chardonnay, Cabernet Sauvignon, Merlot, Muscat und Syrah. Die Lehmböden bringen kräftig-würzige Tropfen hervor. Zur Erzeugung fruchtiger, eleganter Weine, zu denen Trois Domaines, Rimal Côteau de lAtlas zählen, wird auf Trauben aus sandigen Gebieten zurückgegriffen.

Ägypten

Schon im alten Ägypten galt Wein als beliebtes Genussmittel. Pharaonen wurden mit gefüllten Weinkrügen beigesetzt, um im Jenseits optimal versorgt zu sein. Heute wird zwar auf 57.000 Hektar Land Wein angebaut, aber nur 27.000 Hektoliter im Jahr produziert. Wein wird vor allem von der christlichen Minderheit der Kopten als Messwein verwendet. Überwiegend werden dafür Tafeltrauben angebaut. Die bedeutendste Rebsorte ist die weiße Muscat d?Alexandrie.

Algerien

Algerien war einst der sechst­größte Wein­pro­du­zent und der größte Wein­ex­por­teur der Welt. Heute besitzt das Land nur noch 60.000 Hektar Rebfläche. 1961 waren es noch 360.000 Hektar. Auch hier stehen Tafeltrauben im Vordergrund. Entsprechend dem algerischen Weingesetz sind die Weinbaugebiete in sieben AOG-Zonen (Appel­la­tion d?Origine Garantie) eingeteilt. Sie sind alle in der Nähe der Küste zu finden. Überwiegend werden Sorten wie Cinsault und Carignan angebaut. Bei den Neuanpflanzungen wird auf beliebte europäische Reben wie Cabernet Sauvignon, Pinot Noir und Syrah gesetzt.

Weinanbau in Asien Wachsende Bedeutung von Chinas Weinregionen

China produziert rund 11,4 Millionen Hektoliter Wein pro Jahr. Im internationalen Vergleich liegen sie damit auf Platz sechs. Hochrechnungen zufolge könnte China bis 2020 zum größten Weinmarkt der Welt werden. Der Weinbau im Land der Mitte begann vor rund 5.000 Jahren. Allerdings konnte sich der "Traubenalkohol" neben dem beliebten Reiswein lange Zeit nicht durchsetzen.

Inzwischen fördert die Regierung den Weinausbau. Die Konzentration liegt auf roten Sorten. Sie machen 80 Prozent der chinesischen Weinproduktion aus. Die in China angebauten Rebsorten stammen mehrheitlich aus Übersee. Unter anderem finden sich dort Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon, Carignan, Malbec, Gamay, Chardonnay und Riesling. Besonders die Marselan, eine Kreuzung aus Cabernet Sauvignon und Grenache Noir, gilt als erfolgreich. Die drei größten der rund 600 Weinproduzenten sind Chang Yu (früher "Zhang Yu Wine Company"), Great Wall Dynasty und Grand Dragon.

Traditionelle Reben in exotischen Ländern

Nicht nur in China, auch in Indien und Thailand wird Wein angebaut. Sogar im tropischen Klima von Myanmar sind Winzer bemüht, Qualitätsweine herzustellen. Zu den schönsten Anlaufpunkten für Urlauber gehört der Inle See in den Bergen des Shan-Staates. Er ist für seine schwimmenden Dörfer, Märkte und Gärten weltberühmt.

Durch seine Höhe von 1.430 Metern sind die Wetterbedingungen für Weinbau günstig. Dort liegen zwei große Anbaugebiete: das "Red Mountain Estate" und etwas nördlicher das "Aythaya". Gegründet wurde das Aythaya Weingut von einem Deutschen: Der Düsseldorfer Bert Mosbach pflanzte Ende der 1990er Jahre über 3.000 aus Europa stammende Reben. Heute ist das Weingut in Myanmar ein Anziehungspunkt für Besucher. Angebaut werden Rebsorten wie Dornfelder, Shiraz, Tempranillo und Sauvignon. Sämtliche Hotels und Restaurants bieten ihren Gästen die heimischen Weine an.

Weinanbau in Australien und Neuseeland Anbauregionen Down Under

Die Weinproduktion in Australien ist vergleichsweise jung: Erst seit dem 18. Jahrhundert wird dort Wein angebaut. Zunächst hielten sich die Winzer an anspruchslose Sorten. Sie produzierten ausschließlich für den einheimischen Markt. Ab Anfang des 20. Jahrhundert wuchs jedoch das Interesse der Bevölkerung an Importweinen. Darum begannen die Weinbauern, zusätzlich hochwertige europäische Rebsorten wie Chardonnay, Cabernet Sauvignon, Riesling und Shiraz zu kultivieren. Inzwischen gelten australische Weine als "Klassiker". Auch in Europa sind sie überaus beliebt.

In Australien findet Weinbau vor allem in den südlichen Bundesstaaten Victoria, New South Wales, South Australia und in einigen Orten in Western Australia statt. Insgesamt werden rund 175.000 Hektar für den Weinbau genutzt. Davon sind 42 Prozent mit Weißweinreben und 58 Prozent mit Rotweinreben bestückt. Aufgrund der oft geringen Niederschlagsmenge müssen Weinbauern allerdings selbst für die Bewässerung ihrer Weinstöcke sorgen.

Neuseeland als Einsteiger in die Weinwelt

Ein Newcomer im Weinbau ist Neuseeland. Seinen Aufstieg zu den Weinbaunationen der Welt verdankt der Inselstaat im südlichen Pazifik einer Rebe französischen Ursprungs: Sauvignon Blanc. In Neuseeland sind die Anbaubedingungen exzellent. Die Weine zeichnen sich durch vielschichtige, intensive Aromen aus. Andere bedeutende Rebsorten sind Pinot Noir, Chardonnay und Riesling. Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah gewinnen ebenfalls immer mehr an Bedeutung.

Die nördlichsten Anbauregionen der Welt Deutschland

Mehr als 100.000 Hektar macht die Rebfläche in Deutschland aus. Das entspricht ungefähr 0,6 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Dabei werden vor allem Weißweinsorten angebaut, so die offiziellen Statistiken. Bei den roten Rebsorten dominieren Spätburgunder, Dornfelder und Blauer Portugieser. Zu den wichtigsten weißen Rebsorten zählen Weißer Riesling und Müller-Thurgau. Die Weinproduktion ist vor allem im Westen und Südwesten Deutschlands zu Hause: Bedeutende Weinbaugebiete sind Rheinhessen, Pfalz, Baden, Württemberg und Mosel.

Bedingt durch den Klimawandel ist es inzwischen möglich, auch im Norden der Republik Wein zu erzeugen. Die Menge, die aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern stammt, ist allerdings verhältnismäßig gering. Doch auch noch weiter nördlich gelegene Nationen versuchen sich im Weinanbau - nicht zuletzt begünstigt durch den Klimawandel.

Irland

Die Grüne Insel zählt nicht gerade zu den Regionen, die für Weinanbau bekannt sind. Dabei haben Mönche angeblich bereits im 5. Jahrhundert im County Kilkenny einen eigenen Weingarten versorgt. In den letzten Jahrzehnten haben ehrgeizige Weinbauern erneut die Herausforderung angenommen, trotz des feuchten und unbeständigem Wetters Reben für die Weinproduktion zu kultivieren.

Der Deutsche Thomas Walk gilt in Irland als Pionier unter den Winzern. Er soll als Erster erfolgreich rote Trauben in Irland angebaut und zu Wein verarbeitet haben. Dazu hat er eine robuste Rebe gewählt: die PIWI-Sorte Rondo. Der Schwerpunkt des irischen Weinbaus liegt in der Grafschaft Cork im Süden Irlands. Auf rund 100 Hektar Land wird überwiegend Weißwein produziert.

Gotland/Schweden

Der Ingenieur Lauri Pappinen beschloss Ende der 1990er Jahre, auf der schwedischen Insel Gotland Wein anzubauen. Die schier endlosen Sandstrände und die mächtigen Steilküsten der Ostseeinsel rufen Erinnerungen an Mallorca wach. Zumindest in den heißen, wenn auch kurzen Sommermonaten. Nach ersten Zuchtversuchen in seinem Garten entschied sich Pappinen ebenfalls für Rondo und die beiden pilzresistenten Weißwein-Sorten Phoenix und Solaris. Pappinens Weingut "Gutevin" ist mit seinen 3,5 Hektar Anbaufläche inzwischen nicht mehr das einzige in Schweden.

Alaska/USA

Noch gibt es zwar keine Rebflächen (AVAs) im nördlichsten Bundesstaat der USA, aber immerhin vier Weingüter. Gekeltert werden vorwiegend Fruchtweine. Das dafür verwendete Obst stammt vor allem aus Kalifornien, aber auch aus vielen anderen Ländern.

Finnland und Norwegen

Finnland kann zwar keinen Weinbau im eigentlichen Sinn vorweisen. Aber dort wird tatsächlich Wein aus eigenen Früchten hergestellt. Auf der Insel Olkiluoto nahe der Südwestküste werden mehrere Kernkraftwerke betrieben. Die Reaktoren müssen gekühlt werden. Das erwärmte Wasser wird durch Kunststoffrohre unter einem nahegelegenen Feld entlanggeführt. Dadurch bleibt der Boden das gesamte Jahr über frostfrei. 2001 wurden dort 150 Rebstöcke der roten Sorte Zilga gepflanzt. Dabei handelt es sich um eine frostharte Rebe aus Lettland. 2003 konnten die ersten 100 Kilogramm Trauben geerntet werden.

Das 1992 gegründete Weingut "Hallingstad Gård" nahe der Stadt Horten im Bezirk Vestfold, ungefähr 100 Kilometer südlich von Oslo war vermutlich das erste in Norwegen. Es existierte bis 1999. Acht Jahre später wurde ein weiterer Versuch unternommen: Das seit 2007 bewirtschaftete Weingut Lerkekåsa (Deutsch: "Märchenweine") liegt auf dem 59. nördlichen Breitengrad und gilt als eines der nördlichsten Weingüter der Welt. Die Anbaufläche beträgt nur 1,5 Hektar. Inzwischen sind weitere kleine Winzerbetriebe dazugekommen, die sich auf frostresistente Rebsorten wie Solaris konzentrieren. Wegen des in Norwegen bestehenden Alkoholmonopols dürfen die Winzer ihren gekelterten Wein allerdings nicht frei verkaufen.