Die Betroffenen sammeln dabei in der Regel Dinge, die für den Alltag nicht mehr notwendig sind und können sich nicht davon trennen. Diese Vielzahl an Sammlerstücken - ganz gleich, ob Bierdeckel, alte Spielzeuge, Waschmaschinen oder kaputte Technik - wird meist so zwanghaft angesammelt, dass die Wohnräume stark überfüllt sind und nur noch wenig bis gar keine Ordnung zu erkennen ist.

Dass die Haushaltsführung für die Betroffenen demnach eine permanente Überforderung und Stresssituation darstellt, ist kaum verwunderlich. In sehr extremen Beispielen kann dies auch zur kompletten Vermüllung der Wohnung führen, wobei auch der Bewohner selbst immer weniger Acht auf sich selbst, seine Hygiene oder soziale Kontakte gibt.

Oft kommen bei den extremsten Fällen außerdem weitere psychische Erkrankungen hinzu, etwa ein hirnorganisches Psychosyndrom oder eine Sucht. Ist das Messie-Syndrom stark ausgeprägt, so leiden die Betroffenen sehr unter ihrer Situation, gleichzeitig wird jedoch auch deutlich, wie hilflos sie dieser gegenüberstehen und von den Anforderungen des Alltags schlicht überfordert sind. Häufiger betroffen scheinen übrigens Frauen zu sein, allerdings könnte dies auch nur dadurch zustande kommen, dass sie eher bereit sind, sich mitzuteilen und therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Bezüglich des Alters und der sozialen Schicht gibt es jedoch kaum Ausnahmen - hier kann nahezu jeder betroffen sein, sei es der alleinstehende Senior, der Manager oder die junge Mutter.

Von der normalen Unordnung zum ernsthaften Messie-Syndrom

Gerade im Anfangsstadium ist es schwer, die Unterschiede zwischen einfacher Unordnung und dem Messie-Syndrom auszumachen. Das gilt auch für die Betroffenen selbst, denen ihr Dilemma oft erst dann wirklich bewusst wird, wenn sie direkt damit konfrontiert werden. Wer selbst einen gewissen Hang zur Unordnung hat, der kann meist jedoch schnell erkennen, ob die Gründe tiefer sitzen oder lediglich spontane Unlust dafür sorgt, dass die Wohnung gerade nicht im besten Zustand ist.

Laut Dr. Rainer Rehberger ( Interview unter planet-wissen.de) gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen Personen, die unordentlich oder tatsächlich vom Messie-Syndrom betroffen sind: Denn erstere Gruppe leidet nicht unter ihrer Unordnung, sie nehmen sie vielmehr als Lebensstil wahr.

Messies hingegen wünschen sich im Grunde sogar Ordnung, oftmals wollen sie ihre Umgebung sogar besonders sauber, geputzt und gepflegt haben, können dies aus eigenen Kräften jedoch nicht umsetzen. Dementsprechend leicht ist es für lediglich ein wenig unordentliche Menschen im Grunde auch, in den heimischen vier Wänden wieder für Ordnung zu sorgen. Sie brauchen oftmals nur einen Plan, an den sie sich halten können. Anders als Messies reichen ihnen meist also schon grobe Ideen oder Tipps und Tricks, um ihren Alltag effektiver zu gestalten:

Räumliche und thematische Ordnung

Um richtig aufzurufen, muss zunächst auch genügend Zeit vorhanden sein. Zwei Ansatzpunkte sind dabei besonders nützlich:

Räumliche Ordnung - hier geht es darum, möglichst viel Unordnung dadurch verschwinden zu lassen, dass Kisten, Schränke oder Boxen zum Verstauen genutzt werden.Thematische Ordnung - gleichzeitig sollte eine gewisse Planung dabei aber nicht vergessen werden. Gegenstände, die nur selten genutzt werden, gehören beispielsweise nach hinten, viel genutzte Dinge direkt nach vorne ins Regal. Die Dinge werden demnach also nach Thema, Funktion und Gebrauchshäufigkeit sortiert und eingeordnet.Sortier- und Ordnungssystem

Ordnungssysteme können hilfreich sein, wenn beispielsweise Kleidung einsortiert werden soll. Zum Einsatz kommen dabei Schubladen, Wandregale, Aufsteller, Fächer oder Elemente im Kleiderschrank, die den vorhandenen Platz optimal ausnutzen. Wer beim Aufräumen besonders gezielt vorgehen möchte, der kann zusätzlich auch noch einen Plan im Vorfeld erstellen. So lässt sich festhalten, welche Gegenstände in welches Zimmer gehören, wo die Unordnung gerade besonders akut ist oder welcher Platz noch zum Verstauen vorhanden ist.

Ausmisten

Viele Menschen neigen dazu, immer mehr Besitztümer anzuhäufen. Vieles liegt jedoch zunächst ohne festen Platz in der Wohnung herum, etwa auf dem Esstisch oder Wohnzimmerregal. Wird dann tatsächlich nach einem passenden Platz Ausschau gehalten, so fällt vielen Bewohnern jedoch auf, dass sie eigentlich gar keinen Platz mehr haben. Spätestens jetzt wird es Zeit, endlich auszumisten und die Dinge aus der Wohnung herauszuschmeißen, die im Grunde gar nicht mehr gebraucht oder gewollt werden. Heutzutage wird diesbezüglich immer wieder zum Minimalismus geraten.

Dabei gilt: Alles, was innerhalb des letzten Jahres nicht in Gebrauch war, wird auch in Zukunft nicht mehr benötigt.

Grund für das Anhäufen von Gegenständen ist meist ein ideeller Wert oder die Furcht vor materieller Unterversorgung - oft lässt sich in diesem Zusammenhang der Spruch "das kann ich bestimmt noch einmal brauchen" hören. Hilfreich kann hier die Hilfe von Freunden sein, da diese keine emotionale Bindung zum Hausrat haben und daher problemlos ausmisten, ohne sentimental zu werden.

Richtig entsorgen nicht vergessen
Wer ausmistet, der kann einerseits vieles als Spende abgeben, der Großteil wird voraussichtlich jedoch auf dem Müll landen. Genaue Empfehlungen zur Entsorgung von Batterien, Elektrogeräten, Kleidern, CDs oder vielen weiteren Gegenständen sollten hierbei in jedem Fall befolgt werden, um die Umwelt nicht zusätzlich zu belasten.

Was den Messie vom unordentlichen Menschen unterscheidet

Schwieriger wird es an dieser Stelle hingegen für jene, die vom Messie-Syndrom betroffen sind. Ihnen ist tatsächlich nur wenig damit geholfen, dass die Wohnung aufgeräumt wird, wenn Freunde oder Familie auf diesem Weg helfen wollen, ist dies also nur bedingt sinnvoll. Die Betroffenen leiden vor allem an einem inneren Chaos, sie hängen zudem sehr an ihren gehorteten Dingen und schämen sich noch dazu für den Zustand ihrer Wohnung. Die Problematik beginnt meist damit, dass Messies schlecht Entscheidungen treffen können, selbst wenn es um einfachste anfallende Arbeiten geht. Prof. Sabine Herpertz von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde warnt auf berlin.de :

"Es hat nur wenig Zweck, ihnen durch Aufräumen oder Entrümpeln beim Ordnung halten in der Wohnung helfen zu wollen. Das kann im schlimmsten Fall zu einem Selbsttötungsversuch führen."

Eine echte Form der Prävention gibt es hier übrigens nicht, wohl können die Symptome aber eingedämmt und der Krankheitsverlauf gestoppt werden. Je früher Betroffene den Mut fassen sich behandeln zu lassen, desto besser lässt sich das Messie-Syndrom auch wieder in den Griff bekommen. Entscheidend ist dafür jedoch, dass der Betroffene selbst bereit ist, etwas an seiner Situation zu ändern. Dabei können auch die Angehörigen entsprechend eingebunden werden, wobei jedoch eine Atmosphäre des Verständnisses herrschen sollte. Anschuldigungen sind hingegen völlig fehl am Platz.

Welche Gründe führen zu einem solchen Verhalten?

Vermutet wird, dass die Ursachen des Messie-Symptoms meist in der Kindheit liegen. Viele Betroffene habe eine sehr strenge Erziehung erlebt, die von Zwang, Gewalt, Schlägen, Drohungen und Einsamkeit geprägt war. Oft werden Kinder von ihren Eltern außerdem mit mangelnder Zuwendung bestraft - daraus resultieren nicht selten zerbrochene Familien, soziales Chaos und Fluchtschicksale. Gerade weil Messies als Kinder nicht ausreichend Zuwendung erhalten haben, fürchten sie sich vor dem Gefühl der Leere und Einsamkeit. Das Sammeln von Gegenständen ist hierbei eine Art der Selbsttherapie, ähnliche wie Drogen, Alkohol, Esssucht oder auch Fernsehsucht. Im Alltag kann dies zu enormen Einschnitten und Veränderungen führen, wobei alle Lebensbereiche betroffen sind. Sei es das Scheitern des Berufs, der Abbruch der Ausbildung oder die soziale Isolation, die Auswirkungen können massiv sein und zu einer weiteren Steigerung des Syndroms führen.

Die Behandlung - wie lässt sich das Messie-Symptom effektiv bekämpfen oder mindern?

Beim Messie-Syndrom handelt es sich keineswegs um etwas übersteigerte Unordnung, sondern um eine ernstzunehmende psychotische Krankheit, für deren Behandlung ein Arzt erforderlich ist. Die wohl beste wie auch gängigste Lösung ist eine psychologische Therapie, helfen kann aber auch ein Haushaltsorganisationstraining oder Coaching. Dabei ist entscheidend, dass der Betroffene weiterhin die Kontrolle über seine Sammelsurien hat, der Coach greift also nicht aktiv ein, sondern berät lediglich.

Angehörige können ebenfalls Betroffene sein

Wenngleich die Problemlösung vor allem vom Messie selbst abhängt, so sollten auch die nahestehenden Angehörigen nicht außen vor gelassen werden. Sie haben meist große Probleme richtig mit der Situation umzugehen, sind überfordert von dem teilweise extremen Verhalten des Betroffenen und fühlen sich hilflos. Speziell für diesen Zweck gibt es mittlerweile jedoch insbesondere in größeren Städten sogenannte Angehörigen-Gruppen, in denen sich ausgetauscht und Ratschläge eingeholt werden können.