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| 12:14 Uhr

Pracht auf dem Kopf
Wann eine Haartransplantation infrage kommt

Hier sollen bald neue Haare wachsen: Ein Chirurg setzt die Empfaengerkanaele fuer die anstehende Haartransplantation an der Stirn eines Patienten. Foto: Andrea Warnecke
Hier sollen bald neue Haare wachsen: Ein Chirurg setzt die Empfaengerkanaele fuer die anstehende Haartransplantation an der Stirn eines Patienten. Foto: Andrea Warnecke FOTO: Andrea Warnecke
Düsseldorf. Lichte Stellen, Geheimratsecken oder eine Halbglatze gehörten früher zum Älterwerden dazu. Schicksal, nichts zu machen. Heute ist das anders. Von Sabine Meuter, dpa

Ärzte können zum Beispiel Haare von einer Stelle des Körpers an eine andere transplantieren. Doch die Methode hat ihre Tücken. Sie ist nicht für jeden geeignet, sollte nur von Spezialisten durchgeführt werden - und sie ist teuer.

Bei einer sogenannten Eigenhaartransplantation werden eigene Haarwurzeln aus einer dicht behaarten Kopfzone entfernt und in kahle Stellen verpflanzt, erklärt Frank G. Neidel, Präsident des Verbands Deutscher Haarchirurgen (VDHC).

Ob so eine Behandlung infrage kommt, hängt unter anderem von der Ursache für den Haarausfall ab. „Auslöser können neben erblich bedingtem Haarausfall und Hormonschwankungen während der Wechseljahre auch bestimmte Krankheiten, Mangelernährung oder Medikamente sein“, erklärt Anke Kapels von der Stiftung Warentest.

Steckt eine Krankheit hinter dem Haarausfall, wachsen die Haare irgendwann wieder. Deswegen sollten Betroffene die Ursache unbedingt von einem Arzt abklären lassen, sagt Klaus Walgenbach, Ärztlicher Leiter der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie am Universitätsklinikum Bonn und Sprecher des dort angesiedelten Kompetenzzentrums Haar.

Zweite Voraussetzung ist, dass überhaupt noch genug genügend funktionierende Haarfollikel mit Haarwurzeln existieren. Transplantiert werden kann schließlich nur, was noch da ist. Meist findet der Arzt am Kopf im seitlichen und hinteren Haarkranz Haarwurzeln, die dann in der Regel überall dorthin transplantiert werden können, wo eine dichtere Behaarung gewünscht ist.

„Wichtig sind eine intensive Beratung und Aufklärung des Patienten vor dem Eingriff“, erklärt Walgenbach. Eine Haartransplantation ist nicht immer empfehlenswert. Ist etwa eine Glatzenbildung schon weit fortgeschritten, dann kann es schlicht zu wenig Spenderhaare für eine ausreichende Abdeckung geben.

Entscheiden sich Patient und Arzt für den Eingriff, erfolgt dieser ambulant. Der Patient wird in einen Dämmerschlaf versetzt. Unter örtlicher Betäubung entnimmt der Arzt aus dem Haarkranz gesunde haarproduzierende Wurzeln und verpflanzt sie in haarlose Regionen.

Danach passiert erst einmal nichts. Die Haarwurzeln ruhen, nach zwei bis sechs Wochen fallen die ersten feinen Härchen wieder aus. Etwa drei bis vier Monate später legen die Wurzeln los und produzieren kräftiges Haar, das dann dauerhaft erhalten bleibt. Aber für immer und ewig hält das Ergebnis nicht unbedingt. „Je jünger der Patient bei einem Eingriff ist, desto höher sind die Folgekosten“, sagt Neidel. Haarausfall ist ein lebenslanger Prozess.

Die Kosten einer Haartransplantation liegen bei mehreren tausend Euro, der genaue Betrag hängt vom Einzelfall ab. In aller Regel gewähren die Krankenkassen keine Zuschüsse. Oft machen ausländische Institute im Internet Werbung mit weitaus günstigeren Preisen - hier ist jedoch Vorsicht geboten. Scharlatane gibt es zwar auch in Deutschland. Aber immerhin besteht hierzulande die Möglichkeit, bei der Ärztekammer Informationen über den behandelnden Arzt einzuholen.

Leitlinie des Verbands Deutscher Haarchirurgen zur Haartransplantation

Bei der Streifenentnahme wird da, wo noch genügend Haare wachsen, ein schmaler Haarstreifen entnommen um daraus die Haarwurzeln zu entnehmen. Foto: Andrea Warnecke
Bei der Streifenentnahme wird da, wo noch genügend Haare wachsen, ein schmaler Haarstreifen entnommen um daraus die Haarwurzeln zu entnehmen. Foto: Andrea Warnecke FOTO: Andrea Warnecke
Bei der Einzelhaarentnahme werden die Haare samt Wurzeln aus der Haut extrahiert. Foto: Andrea Warnecke
Bei der Einzelhaarentnahme werden die Haare samt Wurzeln aus der Haut extrahiert. Foto: Andrea Warnecke FOTO: Andrea Warnecke
Haarstreifen unter dem Mikroskop: Es werden daraus Haarwurzeln für die Transplantation extrahiert. Foto: Andrea Warnecke
Haarstreifen unter dem Mikroskop: Es werden daraus Haarwurzeln für die Transplantation extrahiert. Foto: Andrea Warnecke FOTO: Andrea Warnecke
Bei der Haartransplantation werden entnommene Haarwurzeln da eingesetzt, wo später das Haar wieder dichter werden soll. Foto: Andrea Warnecke
Bei der Haartransplantation werden entnommene Haarwurzeln da eingesetzt, wo später das Haar wieder dichter werden soll. Foto: Andrea Warnecke FOTO: Andrea Warnecke
Eine Haartransplantation ist Präzisionsarbeit. Nur ein spezialisierter Arzt sollte sie durchführen. Foto: Andrea Warnecke
Eine Haartransplantation ist Präzisionsarbeit. Nur ein spezialisierter Arzt sollte sie durchführen. Foto: Andrea Warnecke FOTO: Andrea Warnecke
Dr. med. Frank G. Neidel ist Facharzt für Chirurgie in einer Spezialpraxis für Eigenhaartransplantation in Düsseldorf sowie Präsident des Verbands Deutscher Haarchirurgen (VDHC). Foto: Aline Wolters/Gebäude7
Dr. med. Frank G. Neidel ist Facharzt für Chirurgie in einer Spezialpraxis für Eigenhaartransplantation in Düsseldorf sowie Präsident des Verbands Deutscher Haarchirurgen (VDHC). Foto: Aline Wolters/Gebäude7 FOTO: Aline Wolters
PD Dr. Klaus J. Walgenbach ist Ärztlicher Leiter der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie und Sprecher des Kompetenzzentrums „Haar“ am Universitätsklinikum Bonn. Foto: Johann F. Saba/Universitätsklinikum Bonn
PD Dr. Klaus J. Walgenbach ist Ärztlicher Leiter der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie und Sprecher des Kompetenzzentrums „Haar“ am Universitätsklinikum Bonn. Foto: Johann F. Saba/Universitätsklinikum Bonn FOTO: Johann F. Saba
Anke Kapels arbeitet als freie Redakteurin, unter anderem für die Stiftung Warentest in Berlin. Foto: Espen Eichhöfer/Stiftung Warentest
Anke Kapels arbeitet als freie Redakteurin, unter anderem für die Stiftung Warentest in Berlin. Foto: Espen Eichhöfer/Stiftung Warentest FOTO: Espen Eichhöfer