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| 18:01 Uhr

RUNDSCHAU-Ratgeber
E-Zigaretten und was in ihnen stecken darf

 Der Direktor der Marshfield High School zeigt verschiedene Modelle von E-Zigaretten, die in den Toiletten oder Gängen der Schule von Schülern konfisziert wurden. Nach zwei Todesfällen und mehr als 200 Lungenerkrankungen im möglichen Zusammenhang mit dem Gebrauch von E-Zigaretten in den USA gibt es anscheinend eine heiße Spur. Untersuchungen der gerauchten Produkte hätten einen Stoff in den Fokus gerückt, der möglicherweise für die Beschwerden verantwortlich sei, berichtete die „Washington Post“.
Der Direktor der Marshfield High School zeigt verschiedene Modelle von E-Zigaretten, die in den Toiletten oder Gängen der Schule von Schülern konfisziert wurden. Nach zwei Todesfällen und mehr als 200 Lungenerkrankungen im möglichen Zusammenhang mit dem Gebrauch von E-Zigaretten in den USA gibt es anscheinend eine heiße Spur. Untersuchungen der gerauchten Produkte hätten einen Stoff in den Fokus gerückt, der möglicherweise für die Beschwerden verantwortlich sei, berichtete die „Washington Post“. FOTO: dpa / Steven Senne
Berlin. Eine rauchen? Nein, dampfen. E-Zigaretten boomen. Gleichzeitig könnten Nutzer derzeit von Nachrichten aus den USA verunsichert sein. Wie funktionieren diese Zigaretten? Was steckt drin und wie schädlich sind sie? Hier gibt’s die Antworten. Von Alexandra Stober

In den USA leiden immer Raucher von E-Zigaretten an einer mysteriösen Lungenkrankheit. Inzwischen sind mehr als 530 Fälle bekannt, sechs Todesfälle wurden gemeldet. Die Betroffenen in den USA rauchten in den meisten Fällen THC oder THC zusammen mit Nikotin. Auch wenn das Phänomen bislang hierzulande nicht auftritt, lohnt ein Blick auf die Situation in Deutschland. Antworten auf einige grundsätzliche Fragen:

Wie funktionieren E-Zigaretten?

Bei einer E-Zigarette wird eine aromatisierte Flüssigkeit, die auch Liquid genannt wird - erhitzt. Der Nutzer inhaliert das sogenannte Aerosol, das aus winzigen Partikeln besteht. Gängige E-Zigaretten arbeiten mit einem akkubetriebenen Verdampfer. Dessen Design unterscheidet sich je nach Hersteller. Das Liquid wird ebenfalls auf verschiedene Weise zugeführt: Manche Modelle haben etwa aufsteckbare Behälter, andere funktionieren mit nachfüllbaren Tanks.

Woraus bestehen die Liquids?

Die meisten in Deutschland konsumierten Liquids enthalten Nikotin und fallen unter die Tabakerzeugnisverordnung. Danach müssen alle Inhaltsstoffe in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils auf der Packung aufgelistet werden. Die Haupt-Bestandteile der nikotinhaltigen Liquids sind: das wasserbindende Propylenglykol und/oder der Zucker-Alkohol Glyzerin sowie Aromen und eben Nikotin. In Deutschland dürfen nicht mehr als 20 Milligramm Nikotin pro Milliliter Liquid enthalten sein. Und der Nachfüllbehälter für das Liquid darf ein Volumen von höchstens zehn Millilitern haben. Übrigens: Nikotinfreie Liquids fallen nicht unter die tabakrechtlichen Vorschriften. Sie dürfen aber - wie nikotinhaltige - nicht an Minderjährige verkauft werden, so das Jugendschutzgesetz.

Wie gesundheitsschädlich sind E-Zigaretten?

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) schreibt in einem Faktenblatt Ende 2018: „Im Vergleich zu Tabakzigaretten sind E-Zigaretten zwar sehr wahrscheinlich deutlich weniger schädlich, dennoch sind sie keine harmlosen Life-Style-Produkte.“ Wegen der unbekannten langfristigen Auswirkungen sollten Nichtraucher E-Zigaretten nicht verwenden, wie das DKFZ schreibt.

Welche Inhaltsstoffe sind in Deutschland verboten?

Die Tabakzeugnisverordnung listet eine Reihe von verbotenen Stoffen auf - etwa solche mit aufputschender Wirkung wie Koffein oder Taurin. Unter den verbotenen pflanzlichen Stoffen sind beispielsweise Bittermandelöl und Extrakte der Poleyminze zu finden. Das ätherische Öl dieser Minz-Art besteht zu einem hohen Anteil aus dem Stoff Pulegon. Diesen möglicherweise krebserregenden Geschmacksstoff haben Forscher in E-Zigaretten in den USA „in besorgniserregend hoher Konzentration“ entdeckt. Als Geschmackszusatzstoff in Lebensmitteln habe die zuständige US-Behörde Pulegon bereits im vergangenen Jahr verboten, für E-Zigaretten und Kautabak sei die Chemikalie jedoch in den USA nicht reguliert, schreiben die Forscher.

Wo werden die Liquids hergestellt?

Rund die Hälfte der in Deutschland erhältlichen Liquids werde auch in Deutschland produziert, so der Verband des E-Zigarettenhandels. Von den restlichen 50 Prozent stamme ein großer Teil aus europäischen Ländern - und aus den USA. „Die amerikanischen Firmen sind recht aktiv hier in Europa um ihre Produkte zu vermarkten“, sagt der Vorsitzende des Verbands, Michal Dobrajc. Alle angebotenen Produkte müssten jedoch den hier geltenden Vorschriften entsprechen.

Was sind die Unterschiede zu den USA?

E-Zigaretten sind in den USA deutlich weniger beschränkt als in Deutschland. Einige Bereiche sind kaum reguliert, andere wiederum von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden. Zum einen gibt es keine einheitliche Obergrenze beim Nikotingehalt. In den USA kann man Produkte mit doppelt bis dreimal so viel Nikotin wie in Deutschland kaufen. Das macht einen großen Unterschied bezogen auf die Wirkung und das Potenzial, abhängig zu werden. Außerdem ist in den USA kein bundesweites Mindestalter festgelegt. Dort können in manchen Bundesstaaten auch Jugendliche E-Zigaretten kaufen.

In den US-Bundesstaaten, in denen Cannabis freigegeben ist, dürfen THC-haltige Liquids vertrieben werden. THC steht für Tetrahydrocannabinol. Das ist die psychoaktive Substanz, der die berauschende Wirkung von Cannabis hauptsächlich zugeschrieben wird. In Deutschland sind THC-haltige Liquids verboten, da THC unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Inwieweit trotz des Verbotes solche Liquids in Verkehr gebracht werden, ist nicht klar. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) teilte auf Anfrage mit, ihm lägen keine Informationen darüber vor.

Welche Kontrollen gibt es für die Liquids in Deutschland?

Die Kontrollen finden auf verschiedenen Ebenen statt: Bevor ein Liquid verkauft werden darf, muss es angemeldet werden. Der Anbieter übermittelt dafür der EU mindestens sechs Monate vor Verkaufsstart verschiedene Informationen, darunter die Rezeptur des neuen Liquids und die Ergebnisse eines Emissionstests. Allerdings: Es werde nicht jede Mitteilung, sondern stichprobenartig kontrolliert, erklärt das BVL. Die Kontrolle der E-Zigaretten-Händler ist Sache der Ordnungsämter.