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Altersvorsorge
Umfrage von Swiss Life Select: Angstthema Pflegebedürftigkeit

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Es herrscht große Unsicherheit, was im Falle einer Pflegebedürftigkeit auf den Einzelnen zukommt. Kein Wunder, dass dieses Thema bei vielen Bürgern Sorgen auslöst. Den meisten ist klar, dass die gesetzliche Pflegeversicherung im Pflegefall nicht alle Kosten übernimmt. Doch eine private Zusatzabsicherung haben die wenigsten. Lesen Sie hier, was die Menschen in Deutschland zum Thema Pflege beschäftigt.

Kein Rundumschutz vom Staat

Die gesetzliche Pflegeversicherung ist nicht als Rundumschutz gedacht: Im Pflegefall tragen die Betroffenen einen großen Teil der Belastungen selbst – entweder aus ihrem Einkommen, Vermögen oder einer privaten Pflegeversicherung. Wenn die eigenen Mittel nicht für die Kosten der ambulanten oder stationären Pflege ausreichen, springt das Sozialamt ein. Es prüft aber zunächst, ob die nächsten Angehörigen zur Unterstützung verpflichtet sind.

Umfrage zum Thema Pflege

Viele Fachleute empfehlen, sich für den Pflegefall finanziell abzusichern. Doch die private Vorsorge fällt vielen schwer. Eine repräsentative Umfrage des Finanzdienstleisters Swiss Life Select zeigt, dass die Deutschen den Pflegefall regelrecht fürchten.

77 Prozent der Befragten erwarten demnach, dass ihre gesetzliche Pflegeversicherung für den Pflegefall nicht ausreichen wird – das löst in ihnen starke Emotionen aus: Beim Gedanken an die Pflegebedürftigkeit erfasst 49 Prozent der Befragten Angst, fünf Prozent sind wütend. Nur acht Prozent der Befragten sind beim Gedanken an die eigene Pflegebedürftigkeit zuversichtlich.

Private Vorsorge zur Pflege

In der Umfrage von Swiss Life Select sagen 56 Prozent der Befragten, dass sie für den Fall der Pflegebedürftigkeit schlecht versichert sind. Die meisten, nämlich 59 Prozent, setzen auf die gesetzliche Pflegeversicherung, nur 15 Prozent haben zusätzlich eine private Pflegeversicherung.

Gefragt nach den Gründen für die unbefriedigende Absicherung, wird vor allem ein Faktor immer wieder genannt: Knapp zwei Drittel der Befragten geben an, sich eine zusätzliche Absicherung finanziell nicht leisten zu können.

Gleichzeitig gibt es ein großes Informationsdefizit. Jeder Fünfte sagt, dass er einfach nicht genug darüber weiß, wie eine zusätzliche Absicherung funktionieren könnte. Weitere zehn Prozent schieben die Frage auf. Diese Befragten meinen, es sei später noch ausreichend Zeit, sich um eine Absicherung für den Pflegefall zu kümmern.

Druck auf die gesetzliche Pflegeversicherung

Die Ausgaben der gesetzlichen Pflegeversicherung werden zunehmen. Heute erhalten mehr als drei Millionen Versicherte Leistungen aus der Pflegeversicherung. Doch die Zahl der Hochbetagten wird in den nächsten Jahrzehnten dramatisch steigen – und damit auch das Risiko der Pflegebedürftigkeit. Das Statistische Bundesamt schätzt, dass im Jahr 2050 rund zehn Millionen Menschen in Deutschland über 80 Jahre alt sein werden (2013 waren es 4,4 Millionen). Von ihnen wird fast jeder Dritte pflegebedürftig werden.

Anfang 2017 trat zudem das Pflegestärkungsgesetz in Kraft. Eine Änderung: Statt Pflegestufen gibt es nun Pflegegrade. So kann die Unterstützung der Pflegeversicherung besser auf den individuellen Bedarf abgestimmt werden. Ein weiteres Ziel der Reform war die bessere Versorgung von Demenzkranken. Dadurch erhalten Menschen Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung, die vorher durchs Raster gefallen waren.

Trotz der Reformen bleibt eines jedoch gleich: Die gesetzliche Pflegeversicherung kann auch in Zukunft nur einen Teil der Kosten tragen. Versicherte können davon ausgehen, dass sie weiterhin einen Teil der Pflegekosten selbst tragen müssen – und sollten sich über die Möglichkeiten einer zusätzlichen Absicherung informieren.