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Oh, mein Herz: Die häufigste Todesursache bei Frauen

Herz- und Kreislauferkrankungen sind tödliche Feinde, wenn man nicht nach der Ursache forscht.
Herz- und Kreislauferkrankungen sind tödliche Feinde, wenn man nicht nach der Ursache forscht. FOTO: Stasique/Shutterstock.com
Die meisten Frauen haben Angst vor Krebs und gehen deshalb regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen. Ein anderer, tödlicherer Feind, wird dabei übersehen, nämlich die Herz- und Kreislauferkrankungen. Viele Frauen halten diese Krankheiten für eine Männerdomäne.

Die Zahlen liefern allerdings ein anderes Bild: Im Jahr sterben fast 200 000 Frauen an Myokardinfarkt und Insult und nur gut 100 000 an Krebs. Früher waren Frauen erst nach den Wechseljahren von einem Herzinfarkt bedroht, doch in letzter Zeit sind es auch jüngere Frauen, die darunter leiden. Herz- und Kreislauferkrankungen können verhindert werden, wenn den Betroffenen die wichtigsten Ursachen bekannt ist.

Stress und Depressionen schädigen das Herz

Der wichtigste Risikofaktor ist Stress. Vor allem berufstätige Frauen sind davon betroffen. Sie müssen in vielen Fällen nicht nur den Beruf, sondern auch die Führung des Haushalts und die Kindererziehung bewerkstelligen. Hinzu kommt noch, dass Frauen an sich selber sehr hohe Erwartungen stellen.

Der Körper produziert Stresshormone (Cortisol, Adrenalin) , welche die Gefäße verengen und zu einem höheren Blutdruck (Hypertonie) führen. Die Folge davon ist ein Herzinfarkt oder Schlaganfall. Zu der hohen Belastung kommt Existenzangst und Vereinsamung, zwei weitere wichtige Stressfaktoren. Frauen, die regelmäßig weniger als 7 Stunden schlafen, belasten damit ebenfalls ihr Herz. Noch deutlicher ist der Zusammenhang zwischen Depression und Herzinfarkt.

Seit 1976 läuft die sogenannte Nurses Health Study. Ein wichtiges Ergebnis ist, dass bei einer Depression das Risiko für einen Herzinfarkt um 25 % ansteigt. Liebeskummer löst vor allem bei Frauen sehr starken Stress aus.

Frauen leiden nach Liebeskummer oder anderen emotionalen Belastungen oft unter Herzschmerzen. Sogar gesunde Herzen reagieren in diesem Fall mit Enge in der Brust oder Herzrasen.

Herzprobleme aufgrund der Lebensweise

Die Lebensweise hat ebenfalls einen großen Einfluss auf das Herz. Ein großer Risikofaktor ist Rauchen. Bei Männern geht die Raucherquote schon seit Jahren zurück, bei Frauen ist sie konstant und steigt unter jungen Frauen sogar leicht an. Rauchen verengt die Gefäße und kann zu einem Herzinfarkt führen. Frauen reagieren anscheinend auf die schädlichen Wirkungen des Rauchens stärker als Männer und aus diesem Grund kommen durch Rauchen verursachte Herz- und Kreislauferkrankungen vor.

Ebenso wie Rauchen stellt das persönliche Gewicht ein großer Risikofaktor dar. Fast die Hälfte (43 %) der Frauen haben Übergewicht. Zwar ist das gefährliche Bauchfett bei Frauen nicht so weit verbreitet, trotzdem steigt das Risiko an einen Herzinfarkt mit jedem Kilo an.

Weniger bekannt ist, dass auch das andere Extrem schädlich ist. Frauen, die es bei ihrer Gewichtskontrolle übertreiben, führen dem Körper zu wenig Kohlenhydrate, Eiweiß, Fett, Mineralstoffe und Vitamine zu. Diese Stoffe steuern wichtige Funktionen im Körper, unter anderem auch die Blutdruckregulierung.

Oft wird in Zusammenhang von Herz- und Kreislauferkrankung die Pille genannt. Früher war das Risiko größer, doch mittlerweile sind die Inhaltsstoffe so dosiert, das kaum mehr eine Gefahr besteht. Allerdings erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung durch die Pille, wenn die Frau raucht oder unter Übergewicht leidet.

Herzprobleme durch Erkrankungen

Auch bestimmte Erkrankungen führen zu Bluthochdruck. In erster Linie ist hier Typ-II-Diabetes zu nennen. Diese Krankheit wird oft als Altersdiabetes bezeichnet, doch sie trifft immer häufiger junge Menschen. Die Ursache dafür liegt i n einer falschen Ernährungsweise , in erster Linie der übermäßige Genuss von Zucker. Da diese Ernährungsweise auch zu Übergewicht führt und diese Erkrankungen eng zusammenhängen, sprechen Mediziner oft von einem metabolischen Syndrom.

Häufiger Zuckergenuss führt zu einer Insulinresistenz der Körperzellen, eine der Hauptursachen von Typ-II-Diabetes. Bei Frauen scheinen die negativen Auswirkungen von Diabetes auf die Herz- und Kreislauferkrankungen höher zu sein als bei Männern. Zum metabolischen Syndrom gehören auch hohe Blutfettwerte, vor allem die Triglyceridwerte und das LDL-Cholesterin sind erhöht.

Dem Herzinfarkt vorbeugen

Wer über die Risikofaktoren gut Bescheid weiß, der kann gezielt dagegen vorgehen. Durch eine sinnvolle Lebensweise lässt sich das Risiko an einem Herzinfarkt zu erkranken, deutlich reduzieren.

Zunächst sollte der Stress vermindert werden. In der Praxis ist das leichter gesagt als getan. Hilfreich sind Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Muskelentspannung nach Jacobson. Diese Techniken lassen sich leicht erlernen. Viele Volkshochschulen bieten Kurse dazu an und oft zahlen sogar die Krankenkassen einen Teil oder sogar die vollständigen Kosten.

Stress entsteht oft dadurch, dass Frau vieles zu schwer nimmt. Eine Einstellungsänderung kann hier sinnvoll sein. Dies ist meist nur durch eine Psychotherapie möglich. Wer ständig unter Stress und Schlafstörungen leidet, der sollte darüber nachdenken.

Bei Rauchen und Übergewicht ist die Zielrichtung klar. Das Übergewicht muss reduziert und das Rauchen eingestellt werden. Bei Adipositas ist nicht mehr der Body Mass Index sondern der Bauchumfang das Maß aller Dinge. Mediziner empfehlen für Frauen einen Bauchumfang von unter 88 Zentimeter.

Falls schon Bluthochdruck vorliegt und eine Umstellung der Lebensweise nicht den gewünschten Erfolg hat, müssen Medikament genommen werden. Diese können den Bluthochdruck nicht heilen, sondern helfen nur, solange das Medikament auch eingenommen wird. Diese darf aber nur der Arzt verschreiben.