Was sind Stammzellen?
Bei Stammzellen handelt es sich um eine besondere Zellart, die noch in der Lage ist, sich in verschiedene Zelltypen und Gewebearten auszudifferenzieren. Dabei wird zwischen embryonalen und adulten Stammzellen unterschieden . Während die embryonalen Stammzellen alle Zellarten des menschlichen Körpers ausbilden können und so als "pluripotent" bezeichnet werden, können sich adulte Stammzellen nur noch in verschiedene Zellarten eines Gewebetyps differenzieren und gelten daher als "multipotent". Das bedeutet, dass zum Beispiel mesenchymale Stammzellen, also Stammzellen des Bindegewebes, sich nur in verschiedene Bindegewebszellen und -strukturen differenzieren können und nicht etwa in Nervenzellen.

Embryonale Stammzellen weisen also aufgrund ihrer pluripotenten Eigenschaft viele Möglichkeiten auf, doch lassen sich diese nur aus dem sogenannten Embryoblast der befruchteten Eizelle entnehmen. Aus diesem Embryoblast entwickelt sich der spätere Embryo und eine Stammzellentnahme würde den Tod dieses Embryos bedeutet, weswegen die hoffnungsversprechende Stammzellforschung als ethisch umstritten gilt. Adulte Stammzellen hingegen lassen sich aus Knochenmark, Fettgewebe und unter anderem auch aus Nabelschnurblut gewinnen.

Stammzellen bei Leukämie: Eine gängige Methode
Die am längsten praktizierte Anwendung von Stammzellen findet sich auf dem Gebiet der Krebsmedizin, denn schon lange verwendet man hämatopoetische, also blutbildende, Stammzellen zur Therapie von Leukämie . Bei Leukämiepatienten ist je nach Erkrankungsart das Wachstum verschiedener Blutkörperchen gestört und fehlerhaft, sodass viele funktionslose Blutkörperchen entstehen, die die gesunden Zellen im Knochenmark und Blut verdrängen. Bei der gängigen Therapiemethode handelt es sich um die Knochenmarktransplantation, die bereits 1957 zum ersten Mal durchgeführt wurde. Dabei wird dem Patienten gespendetes, gesundes Knochenmark verabreicht, das die kranken Zellen verdrängen soll.

Aber bei der Therapie von Kindern greift man nun immer öfter auf Stammzellen aus Nabelschnurblut zurück, denn diese haben gegenüber den Stammzellen aus dem Knochenmark den Vorteil, dass sie ein höheres Vermehrungspotential und ein geringeres Risiko für chromosomale Abnormitäten aufweisen. Jedoch ist die Zahl von Stammzellen, die so gewonnen werden, eher gering und würde für die Therapie von erwachsenen Patienten nicht genügen, weswegen sie primär bei Kindern angewendet wird.

Bedeutung von Nabelschnurblut in der Zukunft
Es wurde nachgewiesen, dass Nabelschnurblut nicht nur Stammzellen zur Blutbildung enthält, sondern auch welche, die sich zu Nerven-, Muskel-, Knorpel- und Knochenzellen etc. entwickeln können. So können degenerative Erkrankungen des Gehirns oder des Bindegewebes zukünftig mit Stammzellen aus Nabelschnurblut behandelt werden. Zurzeit greift man dabei auf adulte Stammzellen aus dem entsprechenden Gewebe zurück, aber bei Nabelschnurblutstammzellen handelt es sich um frühadulte Stammzellen, die im Vergleich eine höhere Teilungsrate aufweisen sowie als unbeschädigter gelten. Ein weiterer Vorteil ist die risikoarme Gewinnung bei der Geburt des Kindes aus der Nabelschnur oder Plazenta, die hohe Verträglichkeit der Spenderzellen als auch die schnelle Verfügbarkeit durch Langzeitlagerung.

Was kann man jetzt tun?
Noch ist die Zahl der Eigenspenden - der Patient ist Empfänger und Spender zugleich - mit 130 dokumentieren Fällen sehr gering und unterliegt den gängigen Fremdspenden. Das Feld der kommerziellen Langzeitlagerung von eigenen Stammzellen ist noch relativ jung, doch es werden immer mehr leicht zugängliche Möglichkeiten für Eltern geschaffen, das Nabelschnurblut ihres Kindes einzulagern. Bei einem der führenden Unternehmen zur Langzeitlagerung handelt es sich um die im Raum Rostock ansässige Firma Seracell, die bereits auf eine 12-jährige Erfahrungsgeschichte zurückblicken kann. Diese bietet neben der Kryokonservierung eigener Nabelschnurblutstammzellen auch eine Beratung über die Möglichkeiten von Stammzellen und medizinische Betreuung an. Weitere Informationen dazu finden sich auf der Onlinepräsenz von Seracell . Die Lagerung von Nabelschnurblut ist zwar mit einigen Kosten verbunden, aber es handelt es sich dabei definitiv um eine Investition in die Zukunft, denn das Einsatzgebiet von Stammzellen in der Medizin wird wachsen.