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Meningokokken-Erkrankungen: Schon drei tote Kinder in diesem Jahr

Meningokokken-Erkrankungen sind heimtückisch. Sie können Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen auslösen, und sie nehmen häufig einen tödlichen Verlauf. Ein 15-jähriger Junge vom Bodensee, ein zweijähriges Kind aus Bad Segeberg und ein 23 Monate altes Kind aus Berlin starben allein in diesem Jahr. Der Welt-Meningitis-Tag am 24. April klärt über die gefährliche Krankheit auf.

Bei Meningokokken-Verdacht sofort zum Arzt

Die Meningokokken-Erkrankung kann jeden treffen, ohne Vorwarnung. Die ersten Symptome - Kopfschmerzen, Fieber und Erbrechen - werden oft falsch interpretiert, denn auch ein grippaler Infekt hat ähnliche Anzeichen. Die typischen Symptome wie Nackensteifigkeit oder ein Hautausschlag mit punktartigen Einblutungen auf der Haut treten oft erst später auf. Spätestens dann muss das Kind oder der Patient sofort in ärztliche Behandlung, denn die Meningokokken-Erkrankung kann dramatisch verlaufen.

Die Meningokokken-Erreger können eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute (Meningitis) oder eine Blutvergiftung (Sepsis) auslösen. Selbst bei intensivmedizinischer Versorgung kann die Meningokokken-Erkrankung innerhalb von 24 Stunden zum Tode führen. In Deutschland lösen in 70 Prozent der Krankheitsfälle Meningokokken-B-Bakterien die Krankheit aus, bei Säuglingen sogar in 85 Prozent der Fälle. In den restlichen Fällen sind zumeist Meningokokken C für die Infektion verantwortlich.

Die Meningokokken-Impfung

In Deutschland wird bislang nur die Impfung gegen Meningokokken-C-Bakterien offiziell empfohlen. Die Sächsische Impfkommission (SIKO) und die Impfkommission der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendheilkunde (DAKJ) raten, auch gegen Meningokokken B zu impfen. Eine offizielle Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Deutschland liegt allerdings noch nicht vor. Auch Patientenorganisationen wie Ampu-Kids aus Hamburg warnen davor, die Gefahr durch Meningokokken-Erkrankungen zu unterschätzen: "Kinderärzte und Eltern wünschen sich auch für Deutschland eine STIKO-Empfehlung", sagt Andrea Vogt-Bolm von Ampu-Kids.

Vogt-Bolm sieht in ihrer Beratungspraxis häufig Kinder, die nach einer Meningokokken-Erkrankung mit Amputationen leben müssen. "Wir möchten, dass sich viele Menschen der Gefahren einer Meningokokken-Infektion bewusst werden. Sie kann innerhalb von 24 Stunden zum Tod führen oder dauerhafte Gesundheitsschäden nach sich ziehen", betont Andrea Vogt-Bolm. Der Verein Ampu-Kids betreut und unterstützt Menschen, die von Amputation betroffen oder bedroht sind.

Erkrankungen in Deutschland

In Deutschland erkranken Jahr für Jahr etwa 430 Menschen nach einer Meningokokken-Infektion, etwa zehn Prozent der Patienten sterben. Jeder fünfte Patient trägt bleibende Schäden davon, darunter Krampfleiden, geistige Behinderung, Taubheit und die Amputation von Gliedmaßen. Im Jahr 2015 gab es bereits 132 Erkrankungen (Stand 22. April 2015). Drei Kinder im Alter zwischen zwei und 15 Jahren starben an der Meningokokken-Erkrankung.

Der Welt-Meningitis-Tag

Im Jahr 2009 wurde der Welt-Meningitis-Tag ins Leben gerufen, um auf die Krankheit und ihre Folgen aufmerksam zu machen. Organisator ist der internationale Dachverband der Meningitis-Patientenselbsthilfegruppen CoMO ( Confederation of Meningitis Organisations ). Der Verband informiert auch über Impfmöglichkeiten.

Die Impfung ist die einzige effektive Vorbeugung gegen eine Meningokokken-Infektion, ein Impfstoff ist seit 2013 verfügbar. Fast alle europäischen Länder empfehlen inzwischen auch die Impfung gegen Meningokokken B, in Großbritannien beispielsweise wird demnächst die flächendeckende Impfung auch gegen diese Erregergruppe eingeführt. Großbritannien nahm bereits beim Kampf gegen die Meningokokken-C-Erkrankungen eine führende Rolle ein.