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Kurvig, aber bitte perfekt!

FOTO: Flickr Earthly Delights CC BY 2.0
Echt. Schön. Kurvig. - so lautet das Motto der zweiten Staffel der Castingshow Curvy Supermodel, in der Model Jana Ina Zarrella, Deutschlands erfolgreichstes Plus-Size-Model, Angelina Kirsch, Modelagent Peyman Amin und Choreograph Carlo Castro nach dem neuen Gesicht für die Plus-Size-Branche suchen.

Was als vermeintliche Body-Positivity-Bewegung startet, endet als Bloßstellung der Kandidatinnen - Sexismus und Mobbing inklusive. Im Gegensatz zur Erfolgsshow Germany's Next Topmodel, bei der nur Kandidatinnen mit dem klassischen Schönheitsideal <i>90-60-90 willkommen sind, schreibt sich Curvy Supermodel auf die Fahne, ein Zeichen gegen Size-Zero und Bodyshaming zu setzen, und stattdessen die natürliche Diversität von Frauenkörpern wertzuschätzen. So weit, so gut. Doch spätestens ab dem Zeitpunkt, als Jana Ina Zarrella einer Kandidatin auf das freizügig zur Schau gestellte Hinterteil klatscht, sollte man sich als Zuschauer fragen, wie viel diese Geste mit der Wertschätzung jeglicher Körperformen zu tun hat.

Auch von einer Gleichbehandlung der Kandidatinnen ist die Sendung weit entfernt. Dass nicht jeder Frauenkörper automatisch zum curvy Supermodel taugt, muss eine Kandidatin, die sich Miss Pudding nennt, schnell feststellen. In der ersten Staffel teilte ihr die Jury mit, dass sie ihre Kurven in Form bringen müsste. Seitdem hat die Kandidatin viel trainiert und zeigt sich nun selbstbewusst auf dem Laufsteg. Ihre positive Einstellung schätzt die Jury, nur um im nächsten Moment zu offenbaren, dass sie nach wie vor mit den Kurven unzufrieden seien. "Wir suchen eben eine Sanduhr-Figur." Und obwohl Angelina Kirsch , selbst ein erfolgreiches Curvy Model, die Kandidatinnen immer wieder dazu ermutigt, stolz auf den eigenen Körper zu sein, beschleicht einen schnell das Gefühl, dass die Sendung davon lebt, die Kandidatinnen zu erniedrigen. Die jüngste Kandidatin traut sich im schwarzen Body vor die Jury, obwohl sie jahrelang in der Schule gemobbt wurde. Doch anstatt die junge Frau für ihren Mut zu belohnen, erschrickt Jana Ina Zarrella vielmehr über den Hintern der Kandidatin: "Das ist nicht sexy, das ist grenzwertig." Dabei setzt die Sendung auf das Motto Sex sells und lässt die Kandidatinnen mehrmals in knappen Dessous und Kleidern, die nicht passen, über den Laufsteg laufen. Doch das Lebensgefühl, das die Sendung eigentlich zeigen wollte, bleibt dabei auf der Strecke.

Anstatt die Frauen beispielsweise mit Abendmode in großen Größen einzukleiden , zeigt die Kleiderauswahl vielmehr, dass auch bei authentischen und kurvigen Frauen die Proportionen an der richtigen Stelle sein müssen. Und so geht das Konzept der Sendung nicht auf. Der vermeintlich gute Ansatz, Frauenkörper für das zu feiern, was sie sind - nämlich verschieden -, findet seine Grenzen doch wieder in den Mechanismen einer Unterhaltungsshow. Anstatt starke und selbstbewusste Frauen zu zeigen, die mit ihrem Körper im Reinen sind, rückt die Sendung doch nur Tränen, Streit und Kritik an den Kurven in den Mittelpunkt.

afür zuständig ist größtenteils der Modelagent Peyman Amin, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Emotionen der Frauen zu manipulieren. Und so ist es auf den zweiten Blick gar nicht so paradox, dass Amin auch schon Juror bei <i>Germany&#39;s Next Topmodel gewesen ist. So verschiedenen sind die beiden Castingshows letzten Endes nicht, denn beide suchen Perfektion - unabhängig von der Konfektionsgröße.