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| 11:14 Uhr

RUNDSCHAU-TELEFONFORUM ZUM THEMA „HERZ AUSSER TAKT“
Herzrasen: harmlos oder gefährlich?

Zahlreiche Ratschläge gaben die Experten des Sana-Herzzentrums in Cottbus den Lesern am Telefon: Dr. Sören Schenk, Dr. Marlitt Raschick, Dr. Axel Harnath sowie Andreas Terne (v.l.).
Zahlreiche Ratschläge gaben die Experten des Sana-Herzzentrums in Cottbus den Lesern am Telefon: Dr. Sören Schenk, Dr. Marlitt Raschick, Dr. Axel Harnath sowie Andreas Terne (v.l.). FOTO: LR / Angelika Brinkop
COTTBUS. Die Fragen der RUNDSCHAU-Leser zum Thema beantworteten Experten des Sana-Herzzentrums in Cottbus.

Wenn das Herz allerdings komplett aus dem Rhythmus gerät, kann es sich um eine ernstzunehmende Herzrhythmusstörung handeln. Wenn das Herz nur hin und wieder mal zu schnell, zu langsam oder unregelmäßig schlägt, muss nicht zwangsläufig eine Erkrankung dahinter stecken. Leben und Herzrhythmus gehören zusammen.

Da das Leben voller Bewegung ist, kann auch das Herz nicht wie ein Uhrwerk schlagen. Wenn wir uns freuen, wenn wir uns aufregen, schlägt es schneller, das wissen wir. Aber wir wissen auch, dass es Herzrhythmusstörungen gibt, die nicht nur lästig, sondern gefährlich sind. Die Grenze zwischen einem normalen Herzrhythmus und krankhaften, zum Teil auch lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen  ist oftmals fließend. Daher ist es sehr wichtig, dass Herzrhythmus-
störungen rechtzeitig erkannt und therapiert werden. Hinzu kommt, dass Herzrhythmusstörungen in vielen Fällen keine eigene Erkrankung darstellen, sondern meistens die Folge von Herzkrankheiten wie koronare Herzkrankheit oder Klappenfehler sind. Auch können andere Krankheiten wie zum Beispiel eine Schilddrüsenüberfunktion das Herz aus dem Takt bringen.

Doch nicht jedes Herzrasen hat eine ernsthafte Erkrankung als Ursache. Beginnen die Anfälle plötzlich, ohne jeden Anlass und lassen sie sich zum Beispiel durch das Trinken eines Glases Wasser beenden, stehen die Chancen gut, dass es sich um gutartiges Herzjagen handelt. Diese Form der Herzrhythmusstörung kann zwar für den Betroffenen sehr belastend sein, ist aber in den meisten Fällen heilbar. Rund drei Milliarden Mal schlägt das menschliche Herz im Lauf eines Lebens und versorg dabei unaufhörlich unseren ganzen Körper mit Blut. Das ist für alle Organe und Zellen lebensnotwendig.

Doch wenn das Herz aus dem Takt gerät, kann das schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben. Experten des Sana-Herzzentrums Cottbus – Dr. Axel Harnath (Chefarzt Kardiologie), Andreas Terne (Oberarzt Kardiologie), Dr. Sören Schenk (Oberarzt Herzchirurgie), Dr. Marlitt Raschick (Fachärztin Kardiologie) – sprachen mit interessierten Lesern darüber, warum Herzrhythmus-
störungen oft erst spät erkannt werden, welche Therapien helfen und wie Patienten nach der Diagnose ihr Leben umstellen sollten.

Was verursacht eigentlich Herzrhythmusstörungen und was passiert, wenn diese immer wieder auftreten und nicht behandelt werden?

Ob Herzrhythmusstörungen harmlos, weniger harmlos oder lebensbedrohlich sind, kann nur der Arzt nach ausführlicher Untersuchung des Patienten entscheiden. Die Ursachen sollten abklärt werden, da sich wiederholende Rhythmusstörungen in ein chronisches Stadium übergehen und die Herzleistung auf lange Sicht schwächen können. Die Folgen können Atemnot und Leistungsschwäche sein. Ein wichtiger Punkt ist auch das erhöhte Schlaganfallrisiko.

Man hört immer wieder, Vorhofflimmern ist die häufigste Form der Herzrhythmusstörungen. Aber wie kann ich das Flimmern erkennen?

Unter Vorhofflimmern versteht man eine vorübergehende oder dauer-
hafte Herzrhythmusstörung mit ungeordneter Tätigkeit der Herzvorhöfe. Dies führt dazu, dass das Herz nicht mehr effektiv schlägt. Das Blut wird nicht mehr vollständig aus dem Herzen herausgepumpt. Dadurch kann es zu Ansammlungen und Blutgerinnseln im Vorhof kommen. Löst sich ein Blutgerinnsel aus dem Herzen, kann es zu einer Verstopfung einer Gehirnarterie kommen. Die Blutversorgung wird unterbrochen und der Patient kann einen Schlaganfall erleiden.

Was ist mit Medikamenten gegen Herzrhythmusstörungen zu erreichen?

Medikamente können die Herzrhythmusstörung unterdrücken oder zumindest dafür sorgen, dass sie seltener, kürzer oder erträglicher auftritt. Dafür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Da die Patienten unterschiedlich auf die Medikamente ansprechen, braucht man Geduld und unter Umständen auch mehrfachen Medikamentenwechsel, bis das richtige Medikament und die richtige Dosierung gefunden sind.

Ein Bekannter hat einen Herzschrittmacher implantiert bekommen. Kann man damit Vorhofflimmern therapieren?

Nein, er verhindert nur, dass das Herz zu langsam wird. Dieses kann aber auch passieren, wenn bestimmte Medikamente zur Verhinderung des Vorhofflimmerns gegeben werden müssen. Insofern ist dann eine Schrittmacherimplantation nötig.

Meinem Mann soll auf Grund einiger Ohnmachten und in Auswertung eines Langzeit-EKGs ein Schrittmacher eingesetzt werden. Er ist 56 Jahre alt, Sportlehrer und ansonsten bei guter körperlicher Verfassung. Weitere Untersuchungen wurden bisher nicht gemacht. Uns geht das alles zu schnell, und wir sind sehr verunsichert.

Als Indikation für eine Schrittmacher-Implantation wird in der Regel gefordert, dass längere Aussetzer als wahrscheinliche Ursache der Schwindelattacken gesichert sind. Natürlich sind Synkopen für Autofahrer und aktive Menschen potenziell sehr gefährlich und auf jeden Fall zu vermeiden. Sie sollten sich einem erfahrenen Kardiologen anvertrauen und bei Zweifeln ruhig alles noch einmal erklären lassen. Die Einholung einer Zweitmeinung kann manchmal für alle Beteiligten wichtig sein.

Ich leide an Herzrhythmusstörungen mit manchmal  Pulsfrequenzen von ca. 250 Schlägen in der Minute. Mir wurden Betablocker verschrieben und es wurde eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt. All das brachte aber nicht das gewünschte Ergebnis. Jetzt soll noch ein Mapping durchgeführt werden, was mir aber nicht wirklich etwas sagt.

Das Mapping, eine elektrophysiologische Untersuchung zur Darstellung der Leitungsverhältnisse im Herzen, ist die richtige Methode, um die Ursachen der Rhythmusstörungen zu beschreiben und entsprechend auch zu behandeln. Wichtig ist eine optimale Vordiagnostik durch einen Kardiologen.

Ich bin 65 Jahre und leide seit Jahren unter Vorhofflimmern. Ich werde zwar regelmäßig von einem Kardiologen betreut, doch weder Medikamente noch Katheterablationen haben bisher geholfen. Ich habe von der minimal-invasiven endoskopischen Ablation gehört. Was ist darunter zu verstehen?

Eine chirurgische Behandlung des Vorhofflimmerns kommt nicht nur bei Patienten infrage, die sich einer Bypass- oder einer Herzklappen-Operation unterziehen mussten oder bei Patienten mit Rhythmusstörungen ohne eine zusätzliche Herzerkrankung, bei denen eine medikamentöse Behandlung oder Katheterablation nicht mehr ausreicht. Bei der minimal-invasiven endoskopischen Ablation, auch thorakoskopische Flimmerchirurgie genannt, operieren Herzchirurgen mit speziellen Instrumenten und einer Minikamera. Mit einer Art Pinzette, durch die exakt dosierter Strom fließt, werden das kranke Gewebe bzw. die betroffenen Gewebepartien im Vorhof, die das Flimmern verursachen, beseitigt. Zudem wird im Rahmen des Eingriffes auch das linke Vorhofohr abgesetzt, um das Risiko eines Schlaganfalls zu mindern. Die Erfolgsaussichten zur Erreichung eines normalen Herzschlages sind sehr hoch.

Durch Zufall wurden bei mir vor etwa zehn Jahren Extrasystolen festgestellt. Mein Herz ist nach Aussage meines Hausarztes völlig gesund. Mich beunruhigen diese Stolperer aber sehr. Können diese auch psychische Ursachen haben?

Natürlich spielt gerade bei Extrasystolen bezüglich der Entstehung die Empfindung eine Schlüsselrolle. Trotzdem sollten Sie mit einem Besuch bei einem Kardiologen sich die Gewissheit holen, dass Ihr Herz in Ordnung ist. Aufschluss kann hier eine Ultraschalluntersuchung des Herzens bringen.

Vor sechs Jahren kam es bei mir aufgrund einer Schilddrüsenüberfunktion zu Herzstolpern. Auch nach der Schilddrüsen-OP tritt es noch sehr oft, manchmal bis zu 80-mal am Tag, auf. Kann hier eine EPU helfen?

Eine elektrophysiologische Untersuchung ist eine sehr aufwendige, hochspezialisierte Prozedur, die ihren festen Stellenwert in der kardiologischen Diagnostik hat. Zunächst aber sollten unter anderem Langzeit-EKGs und Belastungs-EKGs durchgeführt werden, um zugrunde liegende Herzkrankheiten zu erkennen. Sie sollten sich hierzu vom Kardiologen untersuchen lassen. Gefährliche Rhythmusstörungen sind eher selten, bloßes Herzstolpern ist in der Regel ungefährlich.

Ich habe seit acht Wochen ein fast ständiges Stolpern in der Brust. Ich war bereits bei einem Kardiologen, der ein Belastungs-EKG sowie eine Ultraschalluntersuchung veranlasst hat. Er konnte keine krankhafte Veränderung am Herzen feststellen. Ein 24-Stunden-EKG zeigte aber häufige Extraschläge an. Gibt es Behandlungsmethoden für diese vielleicht harmlose, aber subjektiv doch sehr belastende Rhythmusstörung?

Extrasystolen sind dann ungefährlich, wenn eine zugrunde liegende Herzkrankheit ausgeschlossen ist. Dieses scheint bei Ihnen gemacht worden zu sein. Eine Behandlungsbedürftigkeit liegt dann vor, wenn der Patient unter den Extraschlägen, die Sie als ständiges Stolpern wahrnehmen, leidet oder dadurch die Pumpfunktion des Herzens in Mitleidenschaft gezogen wird.

Wie reagiere ich bei einem akuten Anfall von Vorhofflimmern richtig?

Wenn Sie unter Herzstolpern oder Herzrasen, Schwindel, Kurzatmigkeit, Schwäche oder einem Engegefühl in der Brust leiden, ist das Wichtigste, dass Sie ruhig bleiben: Setzen Sie sich am besten hin und versuchen, langsam zu atmen. Wenn sich Ihr Herzschlag nach wenigen Minuten nicht wieder beruhigt hat, verständigen Sie den Notruf. In jedem Fall sollten Sie die Thematik beim nächsten Termin mit Ihrem Hausarzt besprechen. Er kann erste Untersuchungen durchführen und Sie dann  an einen Facharzt überweisen.

Ich bin wegen Vorhofflimmern in regelmäßiger Behandlung und nehme auch täglich ASS. Reicht das als Therapie zur Schlaganfallprävention aus?

ASS bietet keinen ausreichenden Schutz vor Schlaganfällen bei Patienten mit Vorhofflimmern. Viele Experten empfehlen, dass ASS nicht mehr als Therapie zur Vorbeugung von Schlaganfällen angewendet werden soll. Der Schutz des Gehirns und damit der Schutz vor einem ischämischen Schlaganfall haben oberste Priorität. Gemäß den aktuellen europäischen Behandlungsleitlinien gilt eine Behandlung z.B. mit einem direkten Thrombinhemmer als effektiv und wirksam. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Therapie für Sie am besten geeignet ist und Sie in Ihrem Alltag am wenigsten einschränkt.

Wann sollte man bei einem Verdacht auf ein ernstes Ereignis am Herzen den Rettungsdienst benachrichtigen?

Ganz klar: sofort. Jede Verzögerung verschlechtert möglicherweise die Prognose der betroffenen Person. Herzinfarkt, Kammerflimmern oder Schlaganfall sind Notfallsituationen, in denen als allererstes über die 112 der Rettungsdienst alarmiert werden muss.  Jede Scheu vor einem Fehlalarm, besonders nachts und am Wochenende, sollte man im Sinne der Betroffenen ablegen. Das gilt auch, wenn Sie persönlich betroffen sind. Bei starken, plötzlich auftretenden Brustschmerzen greifen Sie unbedingt zum Telefon.