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| 15:55 Uhr

Fit mit Agilando
Wo das Leben getanzt wird

Fit durch Tanzen: Karina Brand (l.) trainiert den Club Aligando in der Tanzschule Fritsche.
Fit durch Tanzen: Karina Brand (l.) trainiert den Club Aligando in der Tanzschule Fritsche. FOTO: Michael Helbig
Cottbus . „Das Alter ist eine Zumutung!“ grummelte unvergesslich Loriot. Nicht für die agilen Frauen, die sich im Agilando-Club von Karina Brand in der Cottbuser Tanzschule Fritsche zusammenfinden. Von Ida Kretzschmar

Bei dieser Latinomusik schwingen die Hüften beinahe von allein. Aber jetzt! Brustkorb raus, Schultern kreisen. Wie soll das gehen, dass der rechte Arm sich anders bewegt als der linke? Da wirbeln jetzt auch die kleinen grauen Zellen. Ganz schön anstrengend, wenn man zum ersten Mal beim Agilando-Training dabei ist, aber auch ein großer Spaß. Gegen manche Zumutung mit wachsenden Lebensjahren kann man eben etwas tun, wissen die Frauen, die jeden Freitagnachmittag hier in der Cottbuser Tanzschule Fritsche zusammenkommen. Die Jüngste ist 60, die Älteste knapp 77.

Den Agilando-Club leitet Inhaberin Karina Brand. Als eine der ersten Tanzschulen deutschlandweit ist das tänzerische Fitnessprogramm vor gut neun Jahren hier angeboten worden. Und es ist noch heute sehr begehrt. Wie auch Maria Hennig ist Karina Brand, beide Tanzlehrerinnen des Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverbandes (ADTV), vorher für dieses spezielle Training gründlich geschult worden. Das Konzept für unternehmungslustige Menschen stamme von einem Tanzlehrer, der es gemeinsam mit seinem Sohn, einem Fitnesskaufmann und Physiotherapeuten, entwickelt hat. „Agilando stärkt Kondition, Gleichgewichtssinn, Gedächtnis und Beweglichkeit“, ist Karina Brand überzeugt. „Vor allem aber hält es fit und macht Freude“, weiß die junge ADTV-Tanzlehrerin.

Und deshalb sind noch viele, die mit 50plus begonnen haben, mit 60plus im Agilando-Club Freitagnachmittag noch immer dabei. „Man muss auch im Alter die Muskeln trainieren, sonst erschlaffen sie“, sagen sie unumwunden und stellen sich selbstbewusst vor die Spiegelwand im großen Saal der Tanzschule.

Schon geht es los. Gelernt ist gelernt. Bewegung voller Symmetrie. Und auch, wenn eine Mal aus der Reihe tanzt, kein Problem. Schließlich tritt man dabei niemandem auf die Füße.

Der große Vorteil: Auch wenn der Partner keine Lust auf Tanzen hat oder man ohne lebt: Hier kann man Rumba- und Sambaschritte auch allein tanzen, dazu mit sportlichem Effekt. Aber von wegen allein: Mehr als 20 Frauen gehören zum Agilando-Club, dienstags gibt es einen weiteren Kurs bei Maria Hennig. Auch Männer sind natürlich gern gesehen.

„Als wir angefangen haben, sollten wir für ein Foto ein Bein bis zur Kniehöhe des anderen heben. Das ist uns allen ziemlich schwergefallen. Heute schaffen wir es mit dem Knie fast bis zur Nasenspitze“, erzählt Sigrid Robel stolz, die von Anfang an dabei ist. „Gut, dass es Agilando gibt“, sagt die 66-Jährige. Dagmar Starick, nur wenig jünger, fühlt sich körperlich wohler, „einfach fit“, seit sie regelmäßig hierher kommt. Für Lydia Schwarz­necker ist „Tanzen ist wie träumen mit den Füßen“. Außerdem sei Agilando gut für den Kopf und stärke die Koordinationsfähigkeiten: „Ein sanfter Sport für ältere Menschen“, ist sich die 71-Jährige sicher.

Und auch Erzsébet Fritsche, die warmherzige Nestorin der Tanzschule, ist mit knapp 77 Jahren immer gern dabei: „Mir fehlt die Bewegung. Ich habe doch all die Jahre jeden Tag getanzt“, sagt sie.

„Tanz ins Leben“. Dieser Filmtitel passt auch auf die Frauen, die sich hier nicht nur sehr lebendig fühlen, sondern auch Lebensqualität bewahren. Vor dem Training verrät Karina Brand, dass sie sich bald auch nach dieser Filmmusik bewegen werden. Wie auch Choreografien anderer Tanzfilme, zum Beispiel Mamboschritte aus dem legendären Film „Dirty Dancing“, bei Agilando immer wieder eine Rolle spielen. Und so schlägt sie vor, die britische Komödie gemeinsam anzuschauen, die am 31. Mai in die Kinos kommt. Richard Loncraine soll darin mit reichlich Lachern, Romantik und Tränen aufwarten und der Frage nachgehen, warum es nie zu spät ist, echte Liebe zu finden.

Aber schon heute wird in Cottbus das Leben getanzt. Die erste halbe Stunde bringen flotte Aerobic-Übungen die Gruppe in Schwung. Bei Tango-Rhythmen fliegen die Füße bis an den Po. Im Slowfox wird der ganze Körper gestreckt. Im Blues kommt er zur Ruhe.

Augenblicklich ändert sich das wieder. Denn schon tanzen alle im Kreis. Ob Jive, Cha Cha Cha, Walzer: Alle Gesellschaftstänze lassen sich auch allein im Kreise drehen. Vorausgesetzt, die Schritte und Schrittkombinationen gehen in Fleisch und Blut über.

Wer das zum ersten Mal versucht, hat ordentlich zu tun. Aber die Musik geht wie von selbst in die Beine. „Beim Jive werden die Füße trainiert, bei der Samba das Becken, beim Cha Cha Cha der Oberkörper“, weiß Karina Brand. Bei der Rumba sei es der Nacken, beim Tango gehe es in die Dehnung. Und beim Discofox werden ganz nebenbei Feinmotorik und Koordination geschult.

Natürlich swingt auch die Seele mit. Denn es gibt nicht nur Agilando-Partys bei Kaffee und Kuchen. Beim Tag des Tanzes in Forst kann der Klub auch bei Auftritten seine flotten Schrittkombinationen in unterschiedlichen Tänzen zeigen. „Das ist immer ein Highlight“, sagen die Frauen, die dafür sogar mehrmals die Woche trainieren. „Wir wollen doch nicht einrosten“, lachen sie.

Mit den Jahren sind auch Freundschaften aus diesem  gemeinsamen Hobby entstanden. „Seit ich nicht mehr arbeite, bin ich regelmäßig hier. Das ist besser als jede Muckibude. Tanzen ist meine Leidenschaft“, sagt die 68-jährige Regina Klaue.

Wer lieber zu zweit dieser Leidenschaft frönen möchte: Tanzen jeder Art ist ein Fitnessprogramm, das die Gesundheit fördert, ist Karina Brand überzeugt. Die Gelenke bleiben in Bewegung, Knochen und Muskeln werden gekräftigt, das Herz-Kreislauf-System wird gestärkt, und nicht zuletzt werden Gehirn und vor allem das Gedächtnis trainiert.

Vor allem aber: Tanzen kann süchtig machen und ganz viel gute Laune verbreiten.

Tanzschule Fritsche Karina Brand.Club Aligando mit Karina Brand
Tanzschule Fritsche Karina Brand.Club Aligando mit Karina Brand FOTO: Michael Helbig