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RUNDSCHAU-Telefonforum
Auf das Herz hören: Risiken der Herzinsuffizienz

Jede Menge Fragen haben die Experten des Sana-Herzzentrum Cottbus am gestrigen Mittwoch für die RUNDSCHAU-Leser am Telefon beantwortet: Dr. Axel Harnath, Chefarzt Kardiologie, Dr. Volker Herwig, Oberarzt Herzchirurgie, Dr. Kristin Rochor, Leitende Oberärztin Kardiologie, und Dr. Horst Manus, Oberarzt Herzchirurgie (v.l.n.r). Mehr als 70 mal klingelte dabei das Telefon in der Zeit von 15 bis 17 Uhr.
Jede Menge Fragen haben die Experten des Sana-Herzzentrum Cottbus am gestrigen Mittwoch für die RUNDSCHAU-Leser am Telefon beantwortet: Dr. Axel Harnath, Chefarzt Kardiologie, Dr. Volker Herwig, Oberarzt Herzchirurgie, Dr. Kristin Rochor, Leitende Oberärztin Kardiologie, und Dr. Horst Manus, Oberarzt Herzchirurgie (v.l.n.r). Mehr als 70 mal klingelte dabei das Telefon in der Zeit von 15 bis 17 Uhr. FOTO: Benjamin Seidemann
Cottbus. Die Herzinsuffizienz war in dieser Woche das Thema eine RUNDSCHAU-Telefonforums. Experten aus dem Sana-Herzzentrum in Cottbus beantworteten dabei Fragen von mehr als 70 Lesern.

Die meisten Patienten, die mit der Diagnose Herzinsuffizienz, auch Herzschwäche genannt, konfrontiert werden, können zunächst wenig damit anfangen. Und das, obwohl die Krankheit lebensbedrohlich ist. In Deutschland leiden etwa zwei bis drei  Millionen Menschen an der Herzschwäche, bei der das Herz nicht mehr ausreichend in der Lage ist, den Körper mit der benötigten Menge Blut zu versorgen: das Herz arbeitet insuffizient.

Die Symptome der Erkrankung sind je nach Art und Ausprägung der Herzschwäche unterschiedlich. Bei einer geringen Herzschwäche treten Beschwerden erst bei körperlicher Belastung auf: Den Betroffenen geht etwa beim Treppensteigen schnell die Puste aus. In schweren Fällen treten die Symptome bereits in Ruhe auf, und selbst einfachste Tätigkeiten wie das Zähneputzen können anstrengend werden. Um die schleichende Verschlechterung der Herzleistung aufzuhalten oder zu verlangsamen, ist neben einer
exakten Diagnose auch eine optimale Behandlung der Herzschwäche unabdingbar. Mit einer optimierten Therapie können die Symptome gelindert und der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden.

Ich habe von akuter und auch chronischer Herzschwäche gehört. Was ist der Unterschied?

Chronische Herzschwäche ist eine schleichende Erkrankung, die sich in der Regel über Monate oder Jahre allmählich entwickelt und häufig relativ spät erkannt wird. Bei
einer akuten Herzschwäche ist rasche Hilfe angesagt. Treten die Symptome, wie zum Beispiel plötzlich einsetzende Atemnot auf, handelt sich um einen medizinischen Notfall, der dringend notärztlich behandelt werden muss.

Welche Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems können zur Herzschwäche führen?

Die häufigsten Ursachen sind erhöhter Blutdruck, der zu einer chronischen Druckbelastung des Herzens führt. Des Weiteren ist die Erkrankung der Herzkranzgefäße zu nennen. Mangelnde Durchblutung schädigt den Herzmuskel. Er wird geschwächt. Weitere Ursachen für eine Herzschwäche sind defekte Herzklappen, Entzündungen am Herz und vererbte Herzmuskelschwäche. Auch Alkohol- und Drogenmissbrauch sind zu nennen.

Ich fühle mich seit einem Jahr
sehr müde und schlapp. Seit drei, vier Wochen sind vor allem abends meine Beine geschwollen. Kann das eine Herzschwäche sein?

Die verringerte Leistungsfähigkeit ist eines der wichtigsten Zeichen einer Herzschwäche. Meist wird dies begleitet von dem Gefühl der Luftnot bei Belastung.

Wenn jedoch vor allem die rechten Herzhöhlen von der Herzschwäche betroffen sind finden sich typischerweise auch Wasseransammlungen in den Beinen. Eine Herzschwäche wäre vorstellbar. Vereinbaren Sie am besten einen Termin bei einem Kardiologen in Ihrer Nähe.

Wie behandelt man eine
chronische Herzschwäche?

Es gibt mehrere Medikamentengruppen, die zur Stabilisierung der Herzschwäche und auch Entlastung des Herzmuskels gegeben werden. Diese Medikamente müssen lebenslang und regelmäßig genommen werden. Während der Therapie sind regelmäßige Laboruntersuchungen beim Hausarzt erforderlich.

Wie oft sollten Kontrolluntersuchungen beim Kardiologen bei einer diagnostizieren Herzschwäche durchgeführt werden?

Je nach Schweregrad der Herzschwäche sind diese Untersuchungen alle sechs bis zwölf Monate zu empfehlen. Die Intervalle legt der Facharzt fest. Patienten mit fortgeschrittener chronischer Herzschwäche, die mit einem Defibrillator versorgt worden sind, müssen alle sechs Monate kontrolliert werden.

Sind Herzinsuffizienz und
Herzversagen das gleiche?

Ganz klar: nein. Herzversagen bedeutet, dass das Herz tatsächlich versagt und die Pumpfunktion gänzlich zum Erliegen kommt. Bei einer Herzinsuffizienz bestehen hingegen weitreichende Einschränkungen der Pumpfunktion, die besonders bei körperlicher Belastung offensichtlich werden.

Bei mir wurde vor vier Monaten eine Herzschwäche diagnostiziert. Worauf sollte ich jetzt bei meiner Ernährung achten?

Es ist bei einer Herzschwäche sehr wichtig, die Salzmenge in der Ernährung zu reduzieren, da Salz im Körper das Wasser bindet. Das erschwert wiederum die Herzarbeit mit der Folge von Schwellungen an den Füßen, Atemnot, Appetitlosigkeit und Gewichtszunahme. Eine herzgesunde Ernährung ist also eine salzarme Ernährung. Sie sollten ihr Essen mehr mit Kräutern würzen. Auf Alkohol und Zigaretten sollten Sie möglichst ganz verzichten oder den Konsum auf ein geringes Maß reduzieren.

Ich bin 35 Jahre alt. Letztes Jahr wurde bei mir eine chronische Herzinsuffizienz festgestellt, und ich habe sehr oft Atemnot. Kann mir ein Herzschrittmacher helfen?

Ob für Sie ein Herzschrittmacher als geeignete Methode zur Behandlung einer Herzinsuffizienz infrage kommt, hängt von der Ursache der verringerten Pumpfunktion ab. Liegt diese zum Beispiel in einer Herzrhythmusstörung, besteht die Möglichkeit, dass ein Schrittmacher zur Linderung führt. In jedem Fall empfehle ich Ihnen eine Untersuchung beim Kardiologen zur Diagnose der Erkrankungsursache.

Vor meiner Erkrankung war ich sportlich sehr aktiv, bin viel Rad gefahren und war oft wandern. Welche Sportarten empfehlen Sie mir jetzt?

Man weiß heute, dass eine regelmäßige Bewegung in Form eines Ausdauertrainings die Leistungsfähigkeit deutlich verbessert werden kann. Es ist vor allem Sport zu empfehlen, bei dem kein großer Kraftaufwand erforderlich ist. Ideal sind je nach Intensität Spazieren gehen, Wandern, Nordic-Walking, Radfahren und bei gut trainierten Patienten auch Skilanglauf und entsprechend anderer Sport. Über Ihre regelmäßigen sportlichen Aktivitäten sollten Sie unbedingt mit Ihrem Hausarzt sprechen.

Kann durch einen Herzinfarkt
eine Herzschwäche entstehen?

Ja, die Erkrankung der Herzkranzgefäße, das heißt, ein akuter Verschluss eines oder mehrerer Herzkranzgefäße können plötzlich auch der Grund für eine Herzschwäche sein. Hier geht durch die Minderdurchblutung eines bestimmten Anteils des Herzmuskels Gewebe unter und kann so bei der Kontraktilität, also des Zusammenziehens des Herzmuskels nicht mehr mitarbeiten.

Mein Mann hat im Januar einen Hinterwandinfarkt erlitten, er hat damals zwei Stents erhalten. Seither ist er nie wieder richtig zu Kräften gekommen. Er fühlt sich kraftlos, müde und nicht belastbar.

Durch den Herzinfarkt kann eine Herzmuskelschwäche entstanden sein. Für Ihren Mann ist es von besonderer Bedeutung, dass er sich in kardiologischer Betreuung befindet. Zum einen muss die Herzfunktion regelmäßig überprüft werden. Außerdem gibt es eine Reihe von Medikamenten, die sowohl zur Behandlung der Durchblutungsstörung als auch der Herzmuskelschwäche unverzichtbar sind und deren Wirkung regelmäßig überwacht werden sollte. Darüber hinaus wurde in den vergangenen Jahren auch eine Reihe von weiteren Therapiemaßnahmen wie beispielsweise spezielle Herzschrittmacher entwickelt, die möglicherweise Ihrem Mann helfen können. Der betreuende Kardiologe kann Sie am besten beraten.

Nach einem Marathon und einem Halbmarathon habe ich einen Infekt durchgemacht. Seitdem leide ich nachts unter Herzrasen mit einem Pulsanstieg von 150 pro Minute. Woran kann das liegen?

Ein regelmäßiges Ausdauertraining kann sich aufs Herz auswirken, beispielsweise zu einzelnen Extraschlägen, einer Pulsverlangsamung oder Überleitungsstörungen führen. Ihre nächtlichen Anfälle von Herzrasen gehören sicherlich nicht dazu. Deshalb wäre eine 24-Stunden-EKG-Registierung notwendig. Gegebenenfalls sollten Sie sich zur weiteren Abklärung zum Herzultraschall überweisen lassen, da der Herzmuskel betroffen sein könnte.

Meine Mutter ist 68 Jahre alt und muss sich demnächst einer Herz-OP unterziehen. Worauf sollte sie danach achten?

In den ersten vier Wochen nach dem Eingriff sollten Betroffene sich schonen und keine anstrengenden Tätigkeiten ausüben, damit die Wunde vollständig abheilen kann. Danach gilt es, alle drei Monate einen Kontrolltermin wahrzunehmen. Später finden diese Untersuchungen je nach individuellem Gesundheitszustand rund einmal im Jahr statt. Erhalten Betroffene beispielsweise einen biologischen Klappenersatz, nehmen sie anschließend drei Monate lang gerinnungshemmende Medikamente, um den reibungslosen Blutfluss zu gewährleisten. Bei einer mechanischen Klappe ist allerdings die lebenslange Einnahme dieses Medikaments notwendig.

Wann sollte man bei einem Verdacht auf ein ernstes Ereignis am Herzen den Rettungsdienst benachrichtigen?

Ganz klar: sofort. Jede Verzögerung verschlechtert möglicherweise die Prognose der betroffenen Person. Herzinfarkt, Kammerflimmern oder akute Herzschwäche sind Notfallsituationen, in denen als aller erstes über die 112 der Rettungsdienst alarmiert werden muss. Jede Scheu vor einem Fehlalarm, besonders nachts und am Wochenende, sollte man im Sinne der Betroffenen ablegen. Das gilt auch, wenn Sie persönlich betroffen sind. Bei starken, plötzlich auftretenden Brustschmerzen greifen Sie ohne zu zögern zum Telefon.

(red)