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| 12:55 Uhr

Wissenschaft und Politik
Diskurs zur E-Zigarette

FOTO: Pixabay
Um Wissenschaft und Politik zum Thema E-Zigarette ins Gespräch zu bringen, lud das Internetportal eGarage renommierte Forscher und drei Bundestagsabgeordnete zur Podiumsdiskussion ein. Bei der 4. eGarage Insight, die am 1. April 2019 in der Hamburger Landesvertretung in Berlin stattfand, kam es zu einem interessanten Schlagabtausch über Chancen und Risiken der E-Zigarette. Thema der spannenden Veranstaltung: "Rauchprävention durch E-Zigarette: ein gangbarer Weg?"

Professor Dr. Peter Hajek stellt vielbeachtete Studie vor

Den interessanten Auftakt für die 4. eGarage Insight lieferte Professor Dr. Peter Hajek. Der Wissenschaftler von der Londoner Queen Mary Universität stellte erstmals in Deutschland seine vielbeachtete Studie vor, die bereits bei der ersten Veröffentlichung im Januar für viel Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Hajek beschäftigt sich mit der Frage, ob die E-Zigarette bei der Rauchentwöhnung hilfreich ist. Die Ergebnisse seiner Untersuchungen sind beeindruckend: 18 % seiner Probanden, die für die Studie eine leistungsfähige E-Zigarette zur Verfügung gestellt bekamen, waren nach einem Jahr abstinent. In der Gruppe, die andere Nikotinersatztherapien bekamen, gelang es lediglich 9 % der Teilnehmer, sich das Rauchen erfolgreich abzugewöhnen.

Langzeitwirkungen sind noch zu wenig erforscht

Die Schlussfolgerung, die Hajek aus seiner Untersuchung zieht, ist eindeutig: Nach seiner Ansicht hat die E-Zigarette ein gesundheitliches Potenzial. Er räumte jedoch ein, dass die Langzeitwirkung des Dampfens noch unzureichend erforscht wäre. Er gehe davon aus, dass der Dampf der E-Zigarette im Vergleich zum Tabakrauch mindesten 95 % weniger Gefahren für die Gesundheit berge.

Rauchstopp hat oberste Priorität

Dem stimmte auch Dr. Tobias Rüther zu, der als Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universitätsklinik München tätig ist. Seine Schlussfolgerung: Anstatt die E-Zigarette pauschal zu verteufeln, komme es für ihn darauf an, die neuen Entwicklungen im Bereich der E-Zigarette aufmerksam zu beobachten, intensiv zu forschen und gegebenenfalls auch regulierend einzugreifen. Nach seiner Ansicht müsse man jede Möglichkeit nutzen, um starken Rauchern zu helfen, ihre Sucht zu überwinden. Um die Gefahren des Tabakrauchens zu veranschaulichen, wählte er ein drastisches Bild: Allein in Deutschland sterben täglich so viele Menschen an den Folgen des Rauchens, wie in einem Jumbo Platz finden.

Politiker sehen Tabak ebenfalls als das Hauptproblem an

Dass das Dampfen von E Zigarette Liquid im Vergleich zum Tabakrauchen gesundheitliche Vorteile bietet - in diesem Punkt waren sich alle auf dem Podium Versammelten weitgehend einig. Nach Ansicht von Niema Movassa, dem drogenpolitischen Sprecher der Linken, wäre ein Werbeverbot für Tabak und Alkohol der erste Schritt. Erst dann wäre es sinnvoll, darüber nachzudenken, wie man bei der Werbung für E-Zigaretten regulierend eingreifen könne.

Verführt die E-Zigarette Jugendliche zum Rauchen?

Das war ein weiteres wichtiges Thema dieser Veranstaltung, das sowohl den Wissenschaftlern, als auch den Politikern unter den Nägeln brennt. In den USA stieß die Werbung für die Juul-E-Zigarette auf heftige Kritik, weil sie offensichtlich auf Jugendliche ausgerichtet war. Das sei ein schwerer Fehler gewesen, räumte Tobias Gerlach (Sprecher von Juul) ein. Der Konzern habe schnell reagiert und die umstrittene Werbung zurückgezogen.
Dr. Peter Hajek erklärte, dass es für ihn eine Katastrophe wäre, wenn junge Menschen über das Dampfen zu Rauchern würden. Er gab jedoch Entwarnung. Die Studien ließen einen solchen Zusammenhang nicht erkennen.
FDP: Verbote führen nicht zum Ziel

Wie es von den Liberalen nicht anders zu erwarten war, sprach sich Gero Hocke von der FDP klar gegen Verbote aus. Schließlich können man jemandem, der sich das Rauchen abgewöhnen möchte, nicht den Zugang zu Mitteln verwehren, die ihm die Chance für ein gesünderes Leben eröffnen. Viel wichtiger wäre es, die Öffentlichkeit besser zu informieren. Bisher lehne die Mehrheit die E-Zigarette prinzipiell ab und stufe sie als Gefahr für die Gesundheit ein. Aufklärungsarbeit können dabei helfen, Jugendlichen und Erwachsenen gleichermaßen das Wissen zu vermitteln, das für eigenverantwortliches Handeln die Basis ist.

E-Zigarette auf Rezept?

Die Sprecherin für Drogenpolitik Kirsten Kappert-Gonther von den Grünen ging sogar noch einen Schritt weiter. Sie plädiert dafür, die E-Zigarette im Gesundheitssystem zu verankern. Neben anderen Nikotinersatzmitteln müssten auch Vaporisatoren zum Einsatz kommen, um den Schaden durch Nikotinsucht zu begrenzen. Es wäre überfällig, dass das Gesundheitssystem die Therapie von Rauchern verbessere. Das sieht ihr Kollege Niema Movassat von den Linken ähnlich. Nach seiner Meinung müssten die Krankenkassen sogar Werbung für die E-Zigarette machen.

Institut für Risikobewertung gibt Entwarnung

Für ein gewissen Erstaunen sorgte Frank Henkler-Stephani vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Bisher war die Haltung des BfR zur E-Zigarette äußerst ablehnend. Nach einer Studie, die der wissenschaftliche Mitarbeiter Frank Henkler-Stephani durchgeführt hat, scheint es beim BfR einen grundlegenden Wandel bei der Einschätzung gegeben zu haben. Man sehe die E-Zigarette nun wesentlich gelassener, betonte er, und wies zusätzlich darauf hin, dass die Nikotinmenge im Liquid in Deutschland auf 20 mg begrenzt ist. In den USA wäre die dreifache Menge zugelassen.

Fazit: Ein Thema mit gesellschaftlicher Relevanz

Eines ist bei der 4. eGarage Insight deutlich geworden. Die E-Zigarette rückt in den Fokus von Wissenschaft und Politik. Es lässt sich ein allmähliches Umdenken erkennen. Offensichtlich ist, dass fundierte wissenschaftliche Studien, wie von Professor Dr. Peter Hajek die dringend erforderliche Basis für fundierte eine Diskussion liefern. Nur so ist es möglich, wirkungsvoll Aufklärungsarbeit zu leisten. Ob es die E-Zigarette in naher Zukunft auf Rezept gibt, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch sicher - die Sicht auf die E-Zigarette ändert sich und das Thema bekommt gesellschaftliche Relevanz.