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| 12:53 Uhr

Diese Rolle spielt die Psyche bei Übergewicht wirklich

FOTO: FotoCuisinette – shutterstock.com
Übergewicht und Adipositas entwickelt sich immer mehr zum globalen Problem. In Deutschland belaufen sich die durch Adipositas verursachten Krankheitskosten auf jährlich etwa 18 Milliarden Euro. Fünfzehn Prozent der deutschen Männer und 22 Prozent der Frauen leiden unter Adipositas. Rund 800.000 Menschen sind medizinisch extrem adipös (BMI>40kg/m²). Erschreckend ist, dass sich die Zahl der adipösen Kinder und Jugendlichen mehr als verdoppelt hat. Viele der Betroffenen leiden unter Gesundheitsproblemen und massiven psychosozialen Belastungen. Wie groß die Rolle ist, die die Psyche, bei er Erkrankung einnimmt, wird dabei oft vernachlässigt.

Welche Rolle spielt die Psyche bei der Entstehung von Adipositas

Die Ätiologie (Ursache) des Adipositas wird hauptsächlich durch den Lebensstil der betroffenen Personen bestimmt. Dabei spielen unter anderem sowohl intrapsychische als auch interpersonelle Probleme eine Rolle. Adipöse Menschen fühlen sich körperlich nicht wohl, was zu einer schwerwiegenden psychischen und psychosozialen Belastung werden kann, wobei Angst und Depression im Vordergrund stehen. Dabei beruht die Diskrepanz auf den von der Gesellschaft geprägten hohen Schlankheitsnormen. Insbesondere Frauen sind davon betroffen, die durch das Schlankheitsideal erheblich an Selbstwertgefühl verlieren. In der Regel treten noch weitere dysphorische Gefühle bis hin zur Depression auf, oft gefolgt von einem sozialen Rückzug der betroffenen Person.
Wissenschaftliche Forschungen haben ergeben, dass Adipositas nur in wenigen Fällen auf Erbanlagen zurückzuführen ist. Der überwiegende Teil beruht auf multiplen Faktoren der Energieaufnahme als auch der Energieabnahme und deren verhaltensbezogene Steuerung (Essverhalten). Aber auch biologische Aspekte wie der Ruhestoffwechsel spielen eine Rolle.

Übergewicht als Folge der Binge-Eating-Störung

Oft wird das individuelle Essverhalten durch das Verhalten der Eltern geprägt. Wenn zum Beispiel die Eltern ihre Kinder durch Süßigkeiten trösten, kann das später zu einer Koppelung negativer Emotionen und der Nahrungsaufnahme führen. "Ich esse, wenn ich frustriert bin." Daher dient oftmals eine hyperkalorische Ernährung (Fastfood, Schokolade, Kuchen) der Neutralisation dysphorischer Stimmungen. Im schlimmsten Fall kann es sogar zu einer Essstörung kommen.

Ein Beispiel einer psychogenen Adipositas Essstörung ist die Binge-Eating-Störung, die bei einer Subgruppe adipöser Menschen auftritt. Bei der Binge-Eating-Störung (to binge = fressen, saufen) handelt es sich um einen Heißhungeranfall, der durch verschiedene psychische Störungen entsteht. Meist sind Männer von der Störung betroffen, während die Störungen Anorexia und Bulimia nervosa in der Regel mehr Frauen betrifft.

Auch Kinder sind von Essstörungen betroffen

Übergewicht kann auch bei Kindern erhebliche Verhaltens-und Essstörungen verursachen. Dazu gehört ebenfalls die bereits erwähnte Binge-Eating-Störung. Aber auch andere psychische Störungen wie Depressionen, Angstzustände und Aggressivität treten häufig bei übergewichtigen beziehungsweise adipösen Kindern und Jugendlichen auf. Hier kann mittels einer multimodalen Therapie dem Kind/Jugendlichen geholfen werden. Allerdings ist schnelles Handeln gefordert, denn die Lebensqualität der betroffenen Kinder sinkt von Tag zu Tag.

Psychotherapeutische Ansätze als Teil der Adipositas-Behandlung

In den letzten Jahren hat sich die psychotherapeutische Behandlung von Adipositas deutlich weiterentwickelt. Durch die kognitive Verwendung verhaltenstherapeutischer, psychologischer sowie familientherapeutischer Behandlungsmethoden gewinnt die Verhaltenstherapie bei der Behandlung der Adipositas zunehmend an Bedeutung. Dabei verfolgt die Therapie folgende Ziele:

Änderung der Lebensgewohnheiten (Essverhalten wird geändert und sportliche Aktivitäten forciert)Ernährungsverhalten stabilisierenVerbesserung der sozialen KompetenzLösung von Problemen psychischer oder interpersoneller NaturTraining zur Stressbewältigung
Bei der Therapie geht es nicht alleine um die Korrektur eines Fehlverhaltens, sondern auch um die Schaffung von positiver Energie, um die neu erlernten Verhaltensmuster dauerhaft anwenden zu können.

Dabei ist es besonders wichtig, mit dem Patienten ein bestimmtes Ziel abzustimmen, da die Zielsetzung mancher adipöser Menschen mit den realistischen Möglichkeiten nicht immer konform ist. Wer erwartet, dass in kürzester Zeit sein Idealgewicht zu erreicht, wird sicherlich enttäuscht werden. Schon eine Reduzierung des Gewichts um zehn bis fünfzehn Prozent bringt erhebliche gesundheitliche Vorteile. Jedoch genügt das den meisten Patienten nicht, da diese noch nicht realisieren, dass das gesetzte Ziel nicht vorrangig der Gewichtsverlust, sondern die Gewichtsstabilisierung ist. Dafür ist es notwendig folgende Punkte in die Verhaltenstherapie zu integrieren:

Realistische Zielsetzung in Bezug auf Körpergewicht nach der BehandlungLernen den eigenen Körper zu akzeptierenIndividuelle Behandlungsziele besprechen, dazu zählen unter anderem Selbstvertrauen, Partnerschaft, Fitness.Wertschätzung der erreichten ZieleQuellen:

http://www.healthexpress.ch https://www.philognosie.net http://neurologie-psychiatrie.universimed.com www.rosenfluh.ch