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| 19:26 Uhr

Schnupfen, Angst und kaputte Knochen
Depression schon Volkskrankheit

Depressionen gehören in Brandenburg zu den mit am häufigsten gestellten Diagnosen.
Depressionen gehören in Brandenburg zu den mit am häufigsten gestellten Diagnosen. FOTO: Focus Pocus LTD - stock.adobe.com / prd
Cottbus. Brandenburg rangiert beim Krankenstand auf Platz zwei im Bundesländer-Vergleich. Von Jenny Theiler

Die Angst um den Arbeitsplatz macht die Menschen in Brandenburg zunehmend krank. Das hat die Barmer GEK in einem Gesundheitsreport festgehalten. Die depressive Episode zählt demnach in Brandenburg neben er jährlichen Erkältung und dem Rückenschmerz bereits als Volkskrankheit. Zudem zählen Bandscheibenschäden, Viruserkrankungen, Magen-Darm-Entzündung, Kolitis, Binnenschädigung des Kniegelenkes und Schulterläsion zu den zehn Krankheiten, an denen die Brandenburger am häufigsten leiden.

Mit einer durchschnittlichen Krankschreibungsdauer von 21,3 Tagen pro Arbeitnehmer rangieren die Brandenburger auf dem Vize-Platz bundesweit (Bundesdurchschnitt: 17,7 Tage/Jahr). Nur in Mecklenburg-Vorpommern sind die Menschen mit 21,6 Tagen noch länger krankgeschrieben.

Neben der individuellen Lebensweise haben laut Gabriela Leyh, Landesgeschäftsführerin der Barmer Berlin-Brandenburg, auch gesellschaftliche Faktoren einen maßgeblichen Einfluss auf die Gesundheit der Bevölkerung. Aus den Arbeits- und Beschäftigungsverhältnissen, in denen sich die Brandenburger befinden, lassen sich allgemeingültige Rückschlüsse über mögliche Krankheitsbilder ziehen.

Die Barmer stellt fest, „dass Arbeitnehmer in Leiharbeit und befristeter Beschäftigung deutlich häufiger mit psychischen Problemen zu kämpfen haben, als Arbeitnehmer in normalen Beschäftigungsverhältnissen“. Neben psychischen Erkrankungen leiden insbesondere Leiharbeiter und befristet Beschäftigte auch vermehrt an somatischen Beschwerden. Rücken- und Gelenkprobleme sind hier die Top-Diagnosen, die vor allem bei Montagearbeitern besonders häufig auftreten. Die Angst vor dem Jobverlust und unsicherer Lebensplanung führen nachweislich immer mehr zu schweren psychischen Problemen. Permanenter Leistungsdruck und fehlende Wertschätzung der Arbeit werden als Ursachen ausgemacht. Psychische Erkrankungen seien noch immer ein Tabu-Thema, das oftmals nicht ernst genug genommen werde. „Niemand würde bezweifeln, dass eine Bronchitis ärztlich behandelt und auskuriert werden muss. Bei psychischen Belastungen hingegen wird oft angenommen, man müsse diese Krise einfach durchstehen, und es würde einem schon bald wieder besser gehen“, erklärt die Landesgeschäftsführerin der Barmer Berlin-Brandenburg. Diese Annahme sei allerdings fatal, da das seelische Leiden dadurch nur noch verstärkt werde und zu deutlich längeren Fehlzeiten führe.