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Psychische Erkrankungen
Berufsunfähigkeit – Psychische Erkrankungen nicht unterschätzen!

Achten Sie auf sich und Ihre Mitmenschen - Psychische Erkrankungen haben zugenommen.
Achten Sie auf sich und Ihre Mitmenschen - Psychische Erkrankungen haben zugenommen. FOTO: Flickr Depression | ryan melaugh / CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten
Stresserkrankungen, Depressionen und Burnout werden auch heute noch von vielen Arbeitnehmern und Arbeitgebern bagatellisiert. Dabei sind sie der Hauptgrund für frühzeitige Berentungen.

Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) scheiden deutsche Bundesbürger im Durchschnitt schon mit 47 Lebensjahren vorzeitig aus dem Arbeitsleben aus. Der Verschleiß des Bewegungsapparates ist aber schon lange nicht mehr die häufigste Ursache dafür. 30% der Frauen und 22% der Männer sehen sich stattdessen wegen psychischer Beschwerden nicht mehr in der Lage, ihrer aktuellen beruflichen Tätigkeit nachzugehen.

Gefährliches Zögern

Dennoch hat nur die Hälfte der Deutschen eine Berufsunfähigkeitsversicherung und sieht sich damit im Krankheitsfall massiven finanziellen Einbußen gegenüber. Dass sich viele gegen den Abschluss einer Police sträuben, hat unterschiedliche Gründe. Einer davon ist der Kostenpunkt. Denn damit die ausgezahlte Rente die empfohlene Mindestrate von 75% des Nettoeinkommens abdeckt, muss man einen nicht unerheblichen Anteil seines monatlichen Gehalts lockermachen. Bei der Kalkulation einer Berufsunfähigkeitsrente übersieht man jedoch schnell, dass sich die meisten Versicherungen schon nach wenigen Jahren Joblosigkeit rentieren – sie stellen also eine wichtige finanzielle Absicherung dar.

Ein anderer Grund ist die Befürchtung, dass sich der Versicherer bei psychisch bedingter Berufsunfähigkeit weigern könnte, die vereinbarten Leistungen auch wirklich zu erbringen. Zwar zeigen sich die Anbieter bei physiologisch schwer nachvollziehbaren Befunden grundsätzlich skeptischer als bei traditionellen Krankheitsbildern. Mit dem Gutachten eines hilfsbereiten Facharztes (am besten ein Psychiater oder Neurologe) sowie Nachweisen über eventuelle Krankenhausaufenthalte, Reha-Maßnahmen und Medikamenteneinnahmen hat man jedoch gute Chancen auf eine Anerkennung – allgemein sind etwa 70% aller Antragsteller erfolgreich und erhalten ihre vertraglich festgelegte Berufsunfähigkeitsrente.

„Mir passiert sowas nicht!“

Am ausschlaggebendsten für die niedrige BU-Versicherungsrate scheint aber der traurige Umstand, dass über psychische Erkrankungen in der Gesellschaft immer noch große Wissenslücken existieren. Das gilt selbst für die Betroffenen, die oft viel zu spät bemerken, dass überhaupt etwas im Argen ist. Fakt ist aber, dass die Häufigkeit psychischer Erkrankungen seit der ersten Hälfte der 2000er-Jahre stark zugenommen hat und sich nun auf einem gleichbleibend hohen Niveau einpendelt. Man geht davon aus, dass jeder fünfte Bundesbürger einmal im Leben an einer Depression erkrankt. Häufige Auslöser sind laut einer AOK-Studie emotional belastende Ereignisse wie plötzliche Todesfälle in der Familie.

Dass Depressionen und Burnout-Syndrome immer öfter als Indikatoren für eine teilweise oder vollständige Berufsunfähigkeit anerkannt werden, liegt auch an der besseren wissenschaftlichen Aufarbeitung: Untersuchungen deuten darauf hin, dass die genetische Veranlagung eines Menschen einen wichtigen Faktor darstellt. Zahlreiche Forscher gehen außerdem davon aus, dass unser von digitalen Medien geprägter Alltag und die hohen Anforderungen in der Arbeitswelt zu mehr geistigem Stress führen als früher. Die Auswirkungen dieses gesteigerten Leistungsdrucks können jeden treffen – egal ob hohe oder niedrige Risikogruppen.

Sind Sie gefährdet?

Um die letzten Skrupel gegenüber einer Berufsunfähigkeitsversicherung auszuräumen, kann es sinnvoll sein, sich seines persönlichen Gefährdungsgrades bewusst zu werden. So verzeichnet etwa die Debeka, die überdurchschnittlich viele Beamtenkunden bedient, mit 41,8% besonders viele Fälle psychisch bedingter Berufsunfähigkeit – dass Büroangestellte im besonderen Maße betroffen sind, scheint also nicht ausgeschlossen. Am häufigsten treten Depressionen und Burnout auf, zwei Krankheitsbilder, die oft in einen Topf geworfen werden, sich aber in vielen Aspekten unterscheiden.

So wird ein Burnout grundsätzlich direkt mit der Arbeit assoziiert und gilt auch deshalb als vorübergehender Zustand, der behandelbar ist. Eine Depression dagegen wird oft als Dauerzustand beschrieben, der sich nachhaltig auf alle Lebensbereiche auswirkt. Während ein Burnout meist schleichend daherkommt, machen sich depressive Zustände auch plötzlich bemerkbar, nämlich dann, wenn die individuelle Belastbarkeitsgrenze über einen langen Zeitraum hinweg überschritten wurde. Typische Burnout-Patienten weisen zudem bestimmte Persönlichkeitsmerkmale auf, die ihre Neigung zur Überarbeitung erklären. Online-Tests können dabei helfen, Hinweise darauf zu erhalten, ob man zum Beispiel erste Anzeichen einer Depression zeigt. Bei einem Verdacht sollte man dann in jedem Fall einen Arzt konsultieren.

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