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| 11:02 Uhr

Gärtnern in der Lausitz
Ungebetene Gäste im Garten

Was Borkenkäfer und Maikäfer-Larven anrichten FOTO: Jahn Margit / MaMargit Jahn
Forst. Rosen schmecken ihnen, Buchsbäume und Blaufichten ebenso: Und leider ist gegen dieses Getier kein Kraut gewachsen. Von Margit Jahn

Von Margit Jahn

Die aggressiven Plagegeister 2019

 Gartenmagazin 31.8.2019 Der Gärtnermeister Engwicht entfernt am noch stehenden Baum ein Stück..Rinde. Der gesamte Stamm ist von Eintrittslöchern des Borkenkäfers..zerlöchert...
Gartenmagazin 31.8.2019 Der Gärtnermeister Engwicht entfernt am noch stehenden Baum ein Stück..Rinde. Der gesamte Stamm ist von Eintrittslöchern des Borkenkäfers..zerlöchert... FOTO: Jahn Margit / MaMargit Jahn
  Wie ein Schweizer Käse: Arbeit unzähliger Borkenkäfer. 
Wie ein Schweizer Käse: Arbeit unzähliger Borkenkäfer.  FOTO: Margit Jahn

Wer meint, dass Wühlmaus und Maulwurf in Konkurrenz zum liebevollen Hegen und Pflegen im Garten stehen, der irrt. Denn nicht diese treiben Sorgenfalten auf die Stirn von Thomas Engwicht. Sondern Borkenkäfer, Engerling und Buchsbaumzünsler. Der Forster Gärtner führt auch gleich zum traurigen Beweis: ein Bestand voller ehemaliger schöner und voller Blaufichten, die nur noch als braune und trostlose Strünke ihr Dasein fristen. Sie sind nicht mehr zu retten.

Die gnadenlose Hitze und Trockenheit im vergangenen, aber auch im diesjährigen Sommer führt zu einer Explosion an Schädlingen, die gegen Hitze immun sind, sich stark vermehren und die Bäume schwächen. Das führt bist zum Absterben der einst prachtvollen und kräftigen Bäume.

Die Borkenkäfer bohren sich in die Bastschicht, so der Fachmann, das ist die Zwischenschicht zwischen Rinde und Kernholz. Doch genau das ist die eigentliche Wachstumsschicht der Bäume, denn hier findet der Wasser- und Nährstofftransport statt. Durch die unzähligen und invasionsartig auftretenden Bohrlöcher wird dieser für Bäume lebenswichtige Prozess unterbrochen.

  Buchsbaumzünsler ertappt auf frischer Tat...
Buchsbaumzünsler ertappt auf frischer Tat... FOTO: Margit Jahn

Thomas Engwicht zeigt das: Er entfernt ein Stück der Borke, und darunter ist das Holz vollständig durchzogen von Borkenkäferspuren. Die Käfer legen ihre Eier ab und sterben dann. Fallen 1000 Käfer über einen Baum her, hat der Baum keine Chance mehr, sich zu wehren. „Dass es so extrem trockene Zeiten kurz hintereinander gibt, damit haben wir nicht gerechnet“, sagt er. Der Befall auf seinem Grundstück ist enorm.

Engwicht kennt auch das Für und Wider des Einsatzes umstrittener chemischer Wirkstoffe auf großen Waldflächen. Es geht darum, den Baumbestand zu schützen oder zu verlieren, so Engwicht. Allerdings trage die Monokultur, die in weiten Teilen Brandenburgs typisch ist, zu einer Verschärfung der Lage bei.

Chemische oder biologische Waffe

Da die Gärtnerei Engwicht biologisch arbeitet, gibt man sich dem Borkenkäfer, der auch als Buchdrucker oder Kupferstecher benannt wird, gegenüber geschlagen. Der einstmals kleine blaue Wald wird also demnächst gefällt. Das Kernholz soll geschreddert und als Mulch eingesetzt werden. Dieses ist anfallsfrei. Der Rest soll verbrannt und entsorgt werden.

Die Miniermotte indes, unter der die Forster Kastanien einige Jahre gelitten haben, hat eine Verschnaufpause eingelegt. Denn die Blätter der Bäume sind noch nicht welk und braun – wie in den vergangenen Jahren, hat Thomas Engwicht mit Freude beobachtet. „Hier scheint der innere Widerstand die eigene Medizin“, so Engwicht, „sich langsam durchzusetzen.“

Es ist ein großer Unterschied, ob ein Schädling einen Baum befällt oder komplett absterben lässt, so wie das bei den Fichten, egal, ob im Kleingarten oder größeren Flächen, der traurige Fall ist. Sogar bei Bäumen, die gut mit Wasser versorgt wurden. Waren die Blattläuse im Frühjahr gut präsent, wurden sie durch die große Hitze vorerst gestoppt.

Seit einigen Jahren treibt auch der Buchbaumzünsler sein Unwesen. Die Eiablage erfolgt auf Buchsbäumen, bevorzugt auf noch nicht befallenen. Das Problem: Die natürlichen Feinde, wie Amsel, Kohlmeise oder Spatzen, sind in den vergangenen Jahren rarer geworden. Die Population der Vögel geht drastisch zurück, sodass der Zünsler sich völlig ungestört daran machen kann, die Sträucher kahl zu fressen. Regelmäßige Kontrollen, Pheromonfallen oder Lichtfallen könnten hier Abhilfe schaffen.

Der zerstörerische Vielfraß unter der Erde

Weitaus größeren Schaden machen auch die reichlich vorkommenden und unersättlichen Engerlinge des Mai- oder Junikäfers. Der Forster Gärtner Thomas Engwicht führt zu dem Feld der veredelten Rosen, das Vater Hans-Reiner betreibt. Aber auch der ist mit seinem Latein am Ende und möchte die Arbeit am liebsten hinwerfen: „Nur dort, wo die Rosen frische Triebe haben, sind die Pflanzen noch nicht angefressen.“

Vater und Sohn ziehen eine Pflanze heraus und den Schmarotzer gleich mit, der sich bei hellem Licht dreht und wendet. Eine dicke Maikäferlarve hat die Rinde der Wurzeln angefressen. Die Pflanze hat versucht, sich mit weißen Notwurzeln weit oberhalb zu wehren, hat aber keine Chance mehr. Ein trauriger Anblick, wenn man über das Feld schaut, welches der Gartenmeister-Senior mit so viel Liebe, aber auch Mühe bepflanzt hat.

Das Problem: kaum noch natürliche Feinde

Auch hier gilt: Die dicken Larven haben keine Feinde unter der Erde, sie fressen sich durch das Feld und vernichten es. „Früher hat die Natur immer ausgeglichen“, sagt Hans-Reiner Engwicht. Alle paar Jahre trete so eine extreme Vermehrung auf. Anfangs hatte er sich gewundert, dass seine Rosen, die weit über die Forster Grenzen hinaus berühmt sind, welk und schlapp wurden. Als er an den Stöcken zog und sie sich leicht aus der Erde lösten, sah er die Katastrophe. Auch hier heißt es für die Gärtner, hilflos zuzuschauen.

„Rosen sind halt sehr schmackhaft und die Lieblingsspeise von Engerlingen, aber auch Läuse und Rehe mögen die edlen Pflanzen“, sagt er, sehr zum Verdruss der beiden Gärtner. „Die Blätter schmecken sehr aromatisch.“

So werden Engwichts wohl oder übel die kostbaren Pflanzen mit den Tieren teilen müssen. Chemische Gifte kommen nicht infrage.

Was der Gärtner gegen die Schädlinge tun kann

Thomas Engwicht zählt zwei andere Gegemittel auf: Zum einen sind das Nematoden, auch Fadenwürmer genannt. Diese  kann der Kleingärtner ins Gießwasser geben. Die Würmer suchen sich in der Erde die Larven und fressen sie. Zum andern hilft ständige Bodenbearbeitung. Das Auflockern erleichtert Vögeln oder Hühnern das Auffinden der Schädlinge.

 Hier hat die Larve die dünne Rinde der Wurzeln abgefressen,..oberhalb sieht man die Notwurzeln mit ihren weißen Spitzen. Die Pflanze..kann nicht mehr gerettet werden..
Hier hat die Larve die dünne Rinde der Wurzeln abgefressen,..oberhalb sieht man die Notwurzeln mit ihren weißen Spitzen. Die Pflanze..kann nicht mehr gerettet werden.. FOTO: Jahn Margit / Margiit Jahn
Was Borkenkäfer und Maikäfer-Larven anrichten FOTO: Jahn Margit / MaMargit Jahn