Von Marion Hirche

Wenn Juliane und Christian Kochan ihre 4000 Quadratmeter Freiland und 4000 Quadratmeter unter Folie bewirtschaften, müssen sie stets vom Samen bis zur Frucht streng Buch führen. Denn: Wo Bio drauf steht, soll auch Bio drin sein. Das junge Paar hat nach dem Umbau der Kolkwitzer Traditionsgärtnerei Borchel zur Bio-Gärtnerei „Sonnentau“ 2018 dort erstmals Bioprodukte von den Flächen ernten können.

Kochans legen Wert auf saubere Landwirtschaft und gesunde Kulturlandschaft. Die Agraringenieurin und der Betriebswirt leben und lieben Bio, sie bauen Obst, Gemüse und Blumen an ohne Einsatz von chemischen Düngern und Pflanzenschutzmitteln. Der jetzt 38-jährige Christian Kochan, ein Kolkwitzer, hatte ein einschneidendes Geschmacks-Erlebnis: ein Stück Butter aus einem Bioladen. „Die schmeckte wie Selbstgestampfte von Oma früher.“ So was wollte er auch machen, sagte er sich, hängte eine Landwirtschaftslehre in Hennef ans Studium und ging zurück in die Lausitz. 2011 lernte er Juliane auf Gut Ogrosen kennen, 2015 wurde Sohn Richard geboren und 2016 „Sonnentau“.

Produktion mit bestätigtem EU-Bio-Siegel

Die Kolkwitzer leben hauptsächlich vom Verkauf der Bio-Produkte.  Seit diesem Jahr wird auch eine Fläche im Kolkwitzer Außenbereich bewirtschaftet. Wichtigste Hürde war der Nachweis, dass der Boden zwei Jahre zuvor ausschließlich unter Bio-Gesichtspunkten behandelt und genutzt wurde. „Trotz intensiver Kontrollen haben wir das geschafft“, berichten Kochans. Nun gehe es darum, deutlich zu machen, dass sie ihre Früchte jederzeit nach  Bio-Gesichtspunkten züchten. Es gibt regelmäßig Überprüfungen. „Die Dokumentationspflicht ist ein großer Aufwand für uns, ohne den wir aber nicht unser Gütesiegel behalten können“, erklärt der Gärtnereichef. Der weiß, wovon er spricht: Christian Kochan ist selbst auch Betriebsinspektor zur Ökokontrolle in Brandenburg, Sachsen und Thüringen.

Lässt Lausitzer Boden Öko zu?

Kochans züchten mit zwei Mitarbeitern mehr als 50 verschiedene Tomatensorten, schon das ist etwas Einmaliges in der Region. Hinzu kommen Möhren, Bohnen, Paprika, Kohlrabi, Zucchini, Gurken, Zwiebeln und Kräuter. Mit etwas Aufwand gedeiht alles prächtig. Christian Kochan: „Anderswo gibt es von Natur aus eine bessere Krume als hier.“ Heißt: Der Lausitzer Sandboden muss erst mit Humus angereichert werden, um gute Erträge erreichen zu können. Und: „Nicht für alle  Gemüsesorten ist unser Boden geeignet“, so Kochan. „Wir bauen keinen Kohl mehr an, der wächst hier nicht so gut“, so seine Erfahrung.

Da „Sonnentau“ keinerlei Chemie verwenden möchte und darf, wird in Kolkwitz verwittertes Pflanzenmaterial mit eingepflügt. „Wir beseitigen also nicht jedes Unkraut, sondern nutzen es, um unsere Erde aufzubessern“, erklärt  der Kolkwitzer. Der Erfolg gibt ihnen recht. Auch in der Lausitz kann rentabel Bio-Gemüse produziert werden.

Überzeugte Bio-Gärtner

Kochans  sind überzeugte Bio-Gärtner: „Wir fördern das Leben im Boden. Es ist uns wichtig, etwas zu produzieren, was schmeckt. Es geht um Nachhaltigkeit.“ Sie bedauern, dass nicht mehr so viele Menschen einen eigenen Garten haben, in dem sie auch  für den eigenen Verbrauch anbauen könnten.

Mittlerweile hat „Sonnentau“ den Sprung zum anerkannten Bio-Unternehmen in der Region geschafft. „Unsere Kunden schätzen den Geschmack und das Wissen, wie unsere Produkte wachsen. Es kommt uns natürlich entgegen, dass das Bewusstsein der Menschen sich zwar langsam, aber in Richtung Umweltbewusstsein und gesunde Ernährung wandelt. Deshalb sind auch immer mehr Menschen bereit, die etwas teureren Angebote zu kaufen.“

Kochans geben ihr Wissen zum Thema Bio-Gärtnern und gesunde Ernährung auch gern weiter. Sie betreuen eine Arbeitsgemeinschaft der Kolkwitzer Schule und  geben  einen „Gärtnerrundbrief“ raus.