Von Uwe Hegewald

Revierförster Heindels Ängste sind nicht unbegründet, gilt der Revierförster doch als Experte, was Wildtiere betrifft. In Reddern, einem Dorf in der Gemeinde Altdöbern (Oberspreewald-Lausitz), betreibt er mit Unterstützung seiner Familie eine Pflege- und Auffangstation für verletzte und geschützte Wildtiere.

„Vor zehn Jahren sind uns von Leuten aus der Region jährlich bis zu 75 Igel gebracht worden, die Hilfe benötigten. In diesem Jahr sind es bisher gerade einmal zehn Tiere, was auf einen dramatischen Rückgang hinweist“, hadert er. Schuld sei der Mensch, der dem Igel zunehmend Lebensräume nimmt, so Heindel. Er bittet um mehr Verständnis und Fürsorge. „Dem Igel kann und muss geholfen werden“, stellt er klar.

Lebens- und Rückzugsräume schaffen

Igel sind Insektenfresser und auf tierische Eiweiße angewiesen. „In Gärten, die bis ins Detail aufgeräumt sind und auf denen Rasenroboter ihre Runden drehen, wird er diese kaum finden“, sagt der Revierförster.

Als hilfreich und fast schon erforderlich sieht er das Schaffen von Rückzugsräumen. Ein Haufen mit Reisig, Ästen und Laub werde von Igeln gerne angenommen. Auch Komposthaufen, in denen das Tier zugleich noch Würmer, Asseln, Käfer oder Schnecken findet. Dabei seien ambitionierte Bauwerke nicht zwingend erforderlich. „Igel holen sich das Nötigste sowieso selbst zusammen“, so der Experte, der darum bittet, geeignetes „Baumaterial“ einfach im Garten liegen zu lassen. Kein Verständnis hat Heindel für Vorgärten, die mit Schotter oder Kieselsteinen versehen sind und in denen gar kein Leben existiert. Viele Leute sehnten sich nach einem Wohnen im Grünen, seien aber nicht dazu bereit, ihren Anteil zu leisten.

Kinder frühzeitig sensibilisieren

Regelmäßig ist Gernod Heindel in Kindergärten und Grundschulen unterwegs, um die nachwachsende Generation frühzeitig an das Thema Igel und generell an den Naturschutz heranzuführen. „Kinder sind aufmerksame Zuhörer und schnell zu sensibilisieren. Wenn ich dann noch einen Igel aus der Transportbox zaubere, ist ihnen die Freude vom Gesicht abzulesen“, beschreibt er die für ihn „erfüllenden Momente“. Da stört es ihn auch nicht, mit der Mär Äpfel tragender Igel aufzuräumen, wie sie oftmals in Kinderbüchern illustriert ist. „Klar knabbern Igel auch mal an Obst, dann jedoch, um an die Made zu gelangen oder wenn das Obst besonders süß ist“, charakterisiert er die stachligen Naschkatzen.

Apropos Katzen: Beide gehen sich aus dem Weg, was bei Hunden in der Regel selten vorkommt. Hunde mögen Igel nicht – mit fatalen Folgen für das Wildtier. „Bei einem Biss verstirbt der Igel meistens sofort oder später an den Infektionen“, informiert der Revierförster und appelliert, Hunde stets und überall angeleint auszuführen.

Trockensommer setzen dem Igel zu

Zwei Trockensommer in Folge haben kräftig an der Substanz der Igel gezehrt. „Es gibt weniger Insekten, dabei sind die Tiere auf eine entsprechende Futtermenge und -qualität angewiesen“, skizziert Heindel einen Teufelskreislauf. Um sechs Wochen nach der Geburt selbstständig zu sein, sollten Igel täglich bis zu 25 Gramm zunehmen. Ist das nicht der Fall, drohen Krankheiten und Parasitenbefall. Vor Einbruch des Winters könne der Mensch bei der Igelkinder-Entwicklung nachhelfen. Katzenfutter werde gern angenommen, auch ein Schälchen mit Trinkwasser, jedoch niemals Milch. Bevor sich der stachlige Gartenfreund ins Winterquartier zurückzieht, sollte er schon ein Gewicht von 500 bis 600 Gramm aufweisen. Deutlich untergewichtigen Igeln muss geholfen werden, so Heindel, dessen Familie entsprechende Tiere in ihre Pflege- und Auffangstation aufnimmt.

Aus Liebe zum putzigen Gesellen und aus einem Grund, der dem „Wildtierflüsterer“ große Sorge bereitet: „Vor 60 Millionen Jahren kam der Igel auf die Welt. Wir Menschen schaffen es in kürzester Zeit, dass er wieder verschwindet.“