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| 08:29 Uhr

Nachbereitung Lesertelefon „Rasenpflege im Frühjahr“

FOTO: CHRISTOPH ASCHER
Ein dichter, sattgrüner und gesunder Rasen ist das Glanzstück vieler Gärten. Doch im Frühjahr ist es eher ein trauriges Bild, das sich Gartenfreunden bietet. Die Frühlingssonne bringt ans Licht, wie stark selbst ein milder Winter dem Rasen im Garten zusetzt: kahle Stellen, blassgelbe Hälmchen, Moos, Rasenfilz und Unkraut wohin man blickt.

Wie man einen Problemrasen naturfreundlich und nachhaltig in den Griff bekommt und worauf es beim Säen, Mähen, Düngen und Vertikutieren ankommt, das verrieten Gartenexperten am Lesertelefon. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Nachlesen.

Was ist der Grund für das viele Moos in meinem Rasen? Zu wenig Licht?

Ingo Schlieder: Lichtmangel ist nur einer von mehreren Faktoren, warum sich Moos bildet. Hinzu kommt in der Regel der Mangel an wichtigen Nährstoffen. Der führt dazu, dass sich der Rasen gegen das Moos nicht durchsetzen kann. Ein weiteres Problem ist Staunässe, weil der Boden zu sehr verdichtet ist. Und zu guter Letzt kann der Boden zu sauer sein, also der pH-Wert zu niedrig - das ist zwar gut für Moos, aber schlecht für den Rasen.

Was kann ich gegen Moos unternehmen?

Sabine Klingelhöfer: Zunächst bestimmen Sie den pH-Wert des Bodens mit einem pH-Bodentest, damit Sie nach Bedarf kalken können. Zusätzlich sollten Sie jährlich einen Bodenaktivator ausbringen, der unter anderem gegen Staunässe wirkt. Außerdem setzen Sie zweimal im Jahr einen Rasendünger ein, der Mikroorganismen enthält. So sollten Sie die Moosbildung in den Griff bekommen.

Wie bekomme ich den Filz aus Moos und Blättern aus meinem Rasen heraus?

Thomas Heß: Wenn noch ausreichend Gräser vorhanden sind, wirkt eine Rasendüngung Moosen entgegen: Die Gräser werden gestärkt und verdrängen das Moos von selber. Durch einen organischen Dünger wird auch Filz nach und nach abgebaut und die Neubildung vermieden. Bei völlig vermoostem Rasen kommt man ums einmalige Vertikutieren nicht herum, da hilft dann auch kein Dünger.

Und wann ist der richtige Zeitpunkt fürs Vertikutieren?

Ingo Schlieder: Wenn das Vertikutieren unabdingbar ist, sollte der Boden nicht zu trocken sein, aber auch nicht zu nass. Vor Mai sollten Sie nicht vertikutieren, da erst ab dann die Bodentemperaturen hoch genug sind und der Rasen sich relativ schnell wieder regeneriert. Auch eine Nachsaat keimt dann deutlich schneller und schließt entstandene Lücken.

Wann soll ich den Boden kalken und wie viel Kalk ist sinnvoll?

Thomas Heß: Im Laufe der Zeit versauern Böden, wichtige Nährstoffe werden festgelegt und sind für die Pflanzen nicht mehr verfügbar. Das führt zu gestressten Gräsern, die sich nicht gegen Moose und Unkräuter durchsetzen können und anfällig für Krankheiten werden. Kalk wirkt der Versauerung des Bodens entgegen. Dazu wird jährlich eine Erhaltungskalkung gestreut, etwa 100 Gramm pro Quadratmeter - am besten im Frühjahr.

Mein Rasen liegt zu einem großen Teil im Schatten. Wie kann ich das Wachstum fördern?

Ingo Schlieder: Selbst bei bester Pflege wird Rasen im Schatten nicht gedeihen. Es wird zwar immer wieder "Schattenrasen" angeboten, aber Gräser brauchen einfach mehr Licht als Moos. Gute Schattenrasenmischungen gedeihen zwar an weniger idealen Standorten, aber niemals im Vollschatten von hohen Hecken und unter dicht belaubten Bäumen. Denken Sie bei solchen Problemzonen eher über einen Bodendecker nach wie Efeu, Immergrün, Waldsteinie oder Pachysandra nach.

Der Boden in meinem Garten ist eher sandig und nicht so fruchtbar. Wie komme ich trotzdem zu einem schönen Rasen?

Sabine Klingelhöfer: Vor allem, indem Sie einen humusreichen Bodenaktivator verwenden. Der Humus und die enthaltenen Mikroorganismen verbessern die Bodenstruktur entscheidend. Zusätzlich hilft Bentonit, ein Tonmineralmehl, das die Wasser- und Nährstoffhaltefähigkeit des Bodens reguliert. Bentonit sollten Sie mindestens einmal jährlich ausbringen.

Wie stelle ich fest, ob mein Boden genügend Nährstoffe beinhaltet?

Sabine Klingelhöfer: Am besten lassen Sie den Boden testen. Sie können den landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalten der Länder - kurz LUFAs - eine Bodenprobe zusenden und gegen eine geringe Gebühr analysieren lassen. Das Ergebnis zeigt Ihnen ganz genau, wie es um Ihren Boden steht. Eine Übersicht über die LUFAs finden Sie unter www.vdlufa.de.

Wie unterscheiden sich Rasendünger voneinander und worauf muss ich achten?

Thomas Heß: Mineralischer Dünger lässt den Rasen zunächst in die Höhe schießen und ist dann verbraucht. Besser ist ein organischer Dünger, der zusätzlich zu den nach und nach verfügbaren Nährstoffen auch Mikroorganismen enthält. Diese sorgen dafür, dass Rasenfilz rasch abgebaut wird. Gleichzeitig wächst der Rasen nicht so stark in die Höhe wie bei vielen besonders preiswerten mineralischen Düngern.

Gibt es auch vorbeugende Maßnahmen, um das Rasenwachstum zu verbessern?

Sabine Klingelhöfer: Im August oder September können Sie einen so genannten Herbstrasendünger ausbringen. Diese Dünger haben einen hohen Kalium-Anteil, der für bessere Toleranz von Frost führt. Damit beugen Sie Frostschäden vor und sorgen dafür, dass der Rasen im folgenden Frühjahr besser aussieht.

Mein Rasen wird ziemlich strapaziert. Wie kann ich ihn robuster machen?

Ingo Schlieder: Drei Dinge sind für stark genutzte Rasenflächen besonders wichtig: Verwenden Sie mindestens zweimal, besser dreimal jährlich einen organischen Rasendünger. Zweitens gleicht die Gabe eines Bodenaktivators den Entzug an organischer Masse durch das Mähen aus und erhält die wichtige Humusschicht des Bodens. Und drittens ist die Qualität des Saatguts entscheidend. Wer hier mehr investiert, kann sich auch auf viel begangenen Flächen über einen gesunden und kräftigen Rasen freuen. Hochwertiges Saatgut erkennen Sie meist schon an der Verpackung: Befindet sich auf dieser ein Aufkleber mit den verwendeten Rasensorten, deutet dies auf eine bessere Qualität hin als wenn diese Deklaration nur aufgedruckt ist.

Nach dem Winter hat mein Rasen sehr viele Lücken. Wie kann ich die wieder schließen?

Sabine Klingelhöfer: Am einfachsten geht das mit einem fertigen Reparaturset wie dem Lückenlos. Es enthält Rasensamen, Dünger und Bodenverbesserer. Es braucht nur auf den aufgelockerten Boden gestreut werden, angedrückt und angegossen werden - fertig.

In meinem Rasen wächst viel Klee. Wie werde ich den los, ohne dem Rasen zu schaden?

Sabine Klingelhöfer: Klee ist immer ein Hinweis darauf, dass der Rasen zu wenig Nährstoffe bekommt. Düngen Sie in diesem Jahr im Frühjahr, im Juni und im August, und der Klee wird von selbst verschwinden.

Ich will Rasen neu anlegen und suche nach einer schnell wachsenden, fußballtauglichen Sorte. Was empfehlen Sie?

Ingo Schlieder: Wählen Sie auf jeden Fall einen Qualitätssamen aus - nehmen Sie keine Billigmarke. Geeignete Mischungen werden oft als Spiel- und Sportrasen oder Strapazierrasen deklariert. Auch bei der Nachsaat empfiehlt es sich, keine Regenerationsrasenmischung, so genannten Nachsaatrasen, zu verwenden, sondern dieselbe Mischung, die Sie auch bei der Ansaat gewählt haben. So erhalten Sie die Vielfalt der Gräser und säen nicht nur schnellkeimende "Turbogräser", die meist zu weich bleiben und nicht die gewünschte Belastbarkeit aufweisen.

Wie kurz soll ich den Rasen mähen?

Ingo Schlieder: Die optimale Schnitthöhe liegt zwischen 3,5 und fünf Zentimetern. Zudem sollten Sie nicht mehr als ein Drittel bis die Hälfte der Halmlänge abschneiden. Wer zu kurz mäht, kappt den Regenerationspunkt der Halme und schwächt den Rasen. Im Hochsommer sollte man den Rasen lieber höher stehen lassen, damit die Halme den Wurzeln Schatten spenden und der Boden nicht zu sehr austrocknet.

Wie wässere ich meinen Rasen richtig?

Thomas Heß: Rasen ist im Sommergarten der Schluckspecht Nummer eins! Verwöhnen Sie ihn aber nicht ständig mit kleinen Schlückchen, sondern geben ihm seltener, dafür dann aber ordentlich zu trinken. Sonst wird er seine Wurzeln nicht tief genug in den Boden ausbreiten und macht bei Trockenheit erst recht schlapp. Zeit zum Wässern wird es, wenn sich die Halme nach dem Betreten nicht innerhalb von 20 Minuten wieder aufrichten. Dann sollte der Boden gut 15 Zentimeter tief durchfeuchtet werden. Zur Kontrolle stechen Sie einmalig mit dem Spaten ein Stück Boden aus. Der Rasen hat genug, wenn der dunkle und damit feuchte Erdhorizont in 15 Zentimetern Tiefe liegt.

Mein Nachbar lässt den Grasschnitt immer liegen - ich entferne ihn. Was ist besser?

Christoph Völz: Den Grasschnitt als kleingeschnittenen Mulch liegen zu lassen ist weit gesünder für den Rasen. Die feinen Graspartikel fallen dabei auf den Boden zurück, verrotten dort und dienen als natürlicher Dünger.

Muss ich zum Mulchen einen speziellen Mäher kaufen?

Christoph Völz: Nicht unbedingt. Für herkömmliche Mäher gibt es nachrüstbare Mulchkits und so genannte Multi-Messer. Wer ausschließlich mulcht, sollte zu einem richtigen Mulchmäher greifen: Sein besonderes Messer und seine spezielle Gehäuseform sorgen dafür, dass der Grasschnitt verwirbelt und mehrfach fein geschnitten wird. Wer den Mulch-Effekt optimal nutzen will, sollte etwas häufiger mähen als mit Fangkorb. Denn zum einen wächst der Rasen besser, zum anderen wird weniger abgeschnitten als beim Fangen. Dafür sparen Sie Zeit fürs Entsorgen des Grasschnitts.

Wie oft muss ich das Messer an meinem Mäher nachschleifen?

Christoph Völz: Alle 20 bis 25 Mähstunden ist ein neuer Schliff fällig. Der Grund: Stumpfe Messer reißen das Gras und schneiden es nicht. Dadurch franst das Gras aus und bekommt braune Spitzen - ein unschönes Bild. Zwischendurch sollten Sie das Messer ab und zu genau ansehen. Bei Rissen ist ein sofortiger Austausch fällig. Übrigens: Messer gehören nicht nur regelmäßig nachgeschliffen, sondern auch ausgewuchtet.

Kann ich das Messer an meinem Mäher selber austauschen?

Christoph Völz: Mit ein bisschen Erfahrung und dem richtigen Werkzeug geht das durchaus. Ich empfehle allerdings eher, den Mäher am Ende der Saison zum Fachhändler zur Inspektion zu bringen - unser Auto überlassen wir schließlich auch lieber Fachleuten. Der Fachhändler schleift dann nicht nur das Messer oder tauscht es aus, sondern nimmt auch einen Ölwechsel vor oder unterzieht den Akku einem Check. So ist der Mäher im Frühjahr dann sofort wieder einsatzbereit.

Ich habe viele Bäume und Büsche auf meinem Rasen. Gibt es Mäher, mit denen man hier gut arbeiten kann?

Christoph Völz: Dreirädrige Spezialmäher mit nur einem Vorderrad sind zum Beispiel wendiger als solche mit vier Rädern. Damit kurven Sie leicht um Büsche und Bäume herum. Wenn die Rasenfläche zusätzlich auch noch groß ist, bietet sich ein Aufsitzmäher an. Es sollte aber ein so genannter Reitermäher sein, denn die sind ebenfalls wendig - ein Wendekreis von 80 Zentimetern ist durchaus drin. Übrigens werfen Bäume und Büsche auf dem Rasen Schatten. In diesen Schattenzonen sollten Sie den Rasen nie unter fünf Zentimeter Länge kürzen, weil ihm sonst die Masse für die Photosynthese fehlt.

Ab welcher Rasenfläche macht ein Benzinmäher Sinn?

Christoph Völz: Als Faustregel gilt: Bis 300 Quadratmeter geht es bequem, relativ leise und abgasfrei mit einem Akku-Mäher. Ein kabelgebundener Elektromäher bewältigt Flächen bis etwa 800 Quadratmeter. Noch größere Rasenflächen sollten mit einem Benzin-Rasenmäher oder Aufsitzmäher bearbeitet werden. Allerdings spielen auch Faktoren wie Geländebeschaffenheit oder Stromversorgung eine Rolle.

Wie oft soll ich meinen Rasen mähen?

Christoph Völz: Grundsätzlich gilt: Regelmäßiges Mähen ist gut für den Rasen. Mähen Sie lieber häufiger als selten. Dann werden Sie auch automatisch nicht so viel "heruntermähen". Je nachdem, ob Sie mulchen oder fangen, sollten Sie von April bis Oktober ein bis maximal zwei Mal pro Woche mähen. Das macht 20 bis 25 Mähgänge pro Saison. Gegen Ende der Vegetationsphase darf die Frequenz auch mal geringer sein. Diese Schätzung ist natürlich grob und abhängig von der Region, der Witterung und der Rasenbeschaffenheit.

Robotermäher mähen den Rasen ja fast täglich. Schadet das dem Grün nicht?

Christoph Völz: Nein, ganz im Gegenteil. Robotermäher nehmen bei jedem Mähgang nur wenige Millimeter weg, die dann fein gemulcht als Gründünger dienen. Zudem arbeiten die meisten Geräte nach dem Zufallsprinzip: Sie mähen nicht jedes Mal die gesamte Fläche, sondern nur Teile. Der programmierte Wochen-Mähplan sorgt dafür, dass die gesamte Fläche nach sieben Tagen auf Wunschhöhe gekürzt ist.

Die Expertinnen am Lesertelefon waren:

Thomas Heß; Gartenbauingenieur; Redakteur der Zeitschrift "Selbst ist der Mann", BielefeldSabine Klingelhöfer; Dipl-Ing. für Gartenbau, W. Neudorff GmbH KG, EmmerthalIngo Schlieder; Gärtnermeister Fachrichtung Baumschule und selbstständiger "Gartendoktor", MettmannChristoph Völz; Gärtner, Techniker im Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, Rasenfachmann des Gartengerätespezialisten Viking, DieburgFitness-Tipps für den Sommerrasen

<strong>&nbsp;www.mein-schoener-garten.de
Informative Artikel rund ums gelungene Gärtnern sowie zahlreiche Praxisvideos und vieles mehr finden sich im Online-Auftritt des Gartenmagazins "Mein schöner Garten". Alle wichtigen Infos zu Anlage und Pflege von Rasenflächen sind auf den Themenseiten unter dem Menüpunkt "Rasen" zusammengestellt.

<strong>www.neudorff.de
Hier bietet der Hersteller Neudorff, der sich auf umweltschonende Pflanzenschutz- und Pflanzenpflegeprodukte spezialisiert hat, allen Hobbygärtnern ein übersichtliches und umfangreiches Informations- und Serviceangebot. Informationen zum Rasen finden Interessierte unter dem Stichwort "Pflanzenpflege". Sachkundige Antworten auf häufige Fragen zu Problemen mit dem Rasen gibt es im Forum.

<strong>www.viking-garten.de
Auf seiner Website hat der Gartengeräte-Hersteller unter dem Stichwort "Gartenzeit" Wissenswertes rund ums Anlegen und Pflegen von Rasenflächen zusammengetragen. Ergänzt wird das Angebot um Informationen zur Bodenbearbeitung und zum Umgang mit Rasenschnitt und Häckselgut. Eine Fachhändlersuche hilft, einen Ansprechpartner in der Nähe zu finden.

<strong>www.gartenakademie.rlp.de
Die Gartenakademie Rheinland-Pfalz versammelt auf ihrer Webseite zahlreiche Informationen für Hobbygärtner. Fachlich fundiertes Wissen rund um den Rasen finden Interessierte unter "Themen" im Kapitel "Gartengestaltung". Zusätzlich gibt es Infomaterial zum kostenfreien Download und über eine PLZ-Suche finden Gartenbesitzer einen Pflanzendoktor in ihrer Nähe.