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| 11:03 Uhr

Versandhandel
Wenn die Hüllen fallen – fällt auch der Preis?

Der Preis ist heiß – und scheinbar umso mehr, wenn es um „heiße“ Waren geht. Mit neueren Versandhändlern für Erotikartikel wie Eis.de oder Amorelie werden etablierte Unternehmen daran erinnert, dass eine kundenfreundliche Preispolitik den Wettbewerb maßgeblich beeinflussen kann.

So leistete es sich Eis.de eine Liebespuppe für nur 4,97 Euro zu verkaufen, die es sonst für bis zu 99 Euro zu erwerben gab. Das Geheimnis hierbei: Günstig produzierte Ware wird auf dem Erotikmarkt mit einer Gewinnmarge von mitunter über 2000% an den Kunden gebracht. Wer sich hier weniger vom Kuchen abschneidet, kann so die Loyalität der Kunden sichern.

Ungeliebte „Neue“ im Markt

Den „Neuen“ auf dem Markt wurde zunächst keine Freundschaft von anderen Händlern entgegengebracht. Ein großes Problem sei, dass aufgrund von vorteilhaften Verträgen zwischen Großhändlern und beispielsweise Eis.de viele Waren zum Einkaufspreis an den Käufer weitergegeben werden können. Die Konkurrenzfähigkeit kleinerer Händler bleibt auf der Strecke, was wiederum spürbar für die Produzenten von Erotikwaren ist. Infolgedessen ist die allgemeine Stimmung im Markt offensichtlich angespannt.

Online und stationär – Konflikte auch im Erotik-Geschäft

Wie auch bei Apotheken, Drogerie- und Bekleidungsgeschäften, so hat auch der stationäre Erotikhandel mit Online-Händlern zu kämpfen. Während potenzielle Kunden im Geschäft noch Informationen einholen, erfolgt die Bestellung schließlich oft online. Argumente finden sich dabei reichlich: Ein wichtiger Punkt dürfte die diskrete Verpackung und der schnelle Versand moderner Online-Shops sein. Zwar wird die eigene Sexualität mittlerweile deutlich entspannter betrachtet als noch vor einigen Jahren – der Nachbar sollte dennoch nicht auf „verdächtige“ Pakete im Treppenhaus stoßen. Ein weiterer Trumpf im Online-Geschäft: Die niedrigeren Preise, oftmals bedingt durch niedrigere Fixkosten im Vergleich zu stationären Händlern. Als Sahnehäubchen kommen noch Rabattaktionen hinzu, wie beispielsweise Eis.de Gutscheine, oder Deals auf einzelne Produkte anderer Händler, die nur online eingelöst werden können.

Enttabuisierung auch in der Werbung

Es klingelt. Ein Paketbote steht vor der Tür. Eine sehr attraktive, leicht bekleidete Dame öffnet. Der Zuschauer spürt förmlich das Knistern, welches zwischen den beiden herrscht. Der Zusteller überreicht der Frau das Paket und geht. In dem Moment betritt der Partner die Szenerie. 30 Sekunden gespickt mit hoch erotischen Metaphern, die amüsante Klischees bedienen und Anspielungen, die fast jedem die Röte ins Gesicht zaubern dürften. Inszeniert von der großen Werbeagentur Jung & Matt wird schnell klar – Werbung für Erotik-Händler verstaubt längst nicht mehr in der „Schmuddelecke“, sondern wird modern und humorvoll in Szene gesetzt.

Zahlen aus der Branche

Die Branche, die sonst so offen selbst mit Tabus umgeht, hat sich selbst jedoch eine Art Schweigepflicht auferlegt. Sofern das Unternehmen nicht an der Börse notiert ist (wie etwa der insolvente Beate-Uhse-Konzern) gelangen nur selten genaue Umsatzzahlen an die Öffentlichkeit. Insgesamt scheint es der Branche allerdings gut zu gehen. So berichtet beispielsweise Oreon im Geschäftsjahr 2016 einen Gewinn von 3,48 Millionen € eingefahren zu haben – was immerhin einem Wachstum von 3% zum Vorjahr entspricht.