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| 18:27 Uhr

Telefonforum zum Thema Geldanlage
Nicht alles auf eine Karte setzen

Wertvolle Tipps vermittelten unsere Experten (v.l.) Kerstin Rehbein, Maik Wolf und Katrin Häntschel vom Bundesverband deutscher Banken.
Wertvolle Tipps vermittelten unsere Experten (v.l.) Kerstin Rehbein, Maik Wolf und Katrin Häntschel vom Bundesverband deutscher Banken. FOTO: LR / Angelika Brinkop
Experten vom Bundesverband deutscher Banken raten zu breiter Streuung und Abwägung von Risiken. red

Cottbus Lohnt sich Sparen noch? Kommt jetzt die Zinswende? Wie lege ich mein Geld richtig an? Tipps zu Fragen der Geld- und Vermögensanlage gaben unseren Lesern Experten vom Bundesverband deutscher Banken. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie lege ich 80 000 Euro am besten an?

Das hängt von Ihren Anlagezielen und Ihrer Risikobereitschaft ab. Wenn Sie das Geld kurzfristig benötigen, sollten Sie es auch nur kurzfristig anlegen, zum Beispiel als Festgeld oder Tagesgeld. Wenn es längerfristig angelegt werden soll, empfiehlt sich in der Regel eine Streuung über verschiedene Laufzeiten und „Anlageklassen“ wie festverzinsliche Anlagen, Aktien und Immobilien. Wer es sich einfach machen möchte, kann eine breite Streuung beispielsweise mit Mischfonds erreichen. Grundsätzlich sollten Anleger berücksichtigen, dass es ohne Risiko auch keine attraktiven Renditen gibt.

Wir haben einen größeren Geldbetrag, der langfristig angelegt werden soll, aber so, dass regelmäßig Erträge anfallen. Da es keinen Zins mehr gibt, wissen wir nicht recht, wie wir das erreichen können. Haben Sie eine Idee?

Eine Möglichkeit könnten Dividendenfonds oder ein Wertpapierdepot mit dividendenstarken Aktien sein. Allerdings müssen Anleger dafür Wertschwankungen aushalten können und sollten einen langfristigen Anlagehorizont haben. Sprechen Sie Ihren Berater darauf an. Im Gegensatz zu Sparbriefen oder Festgeld weiß man zwar nicht im Vorhinein, wie hoch die Erträge sein werden. Außerdem fallen bei Wertpapieren wie Aktien oder Fonds Kosten an. Doch andererseits sind die Renditechancen mit Aktien auf lange Sicht auch überdurchschnittlich hoch.

Wann ist die Zinsflaute vorbei? Kommt bald die Zinswende?

In den USA hat die Notenbank die Zinsen bereits mehrfach angehoben. Dort sind auch die Kapitalmarktzinsen schon deutlich gestiegen, für zehnjährige Staatsanleihen bis auf etwa drei Prozent. In Europa hält die Zentralbank dagegen weiter an der Nullzinspolitik fest. Immerhin hat die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen, die 2016 bei null Prozent lag, bis auf etwa 0,5 Prozent zugelegt. Wir rechnen für Deutschland nur mit einem sehr allmählichen Zinsanstieg in den nächsten Jahren. Aus heutiger Sicht dürfte die Europäische Zentralbank die Zinsen nur in kleinen Trippelschritten erhöhen. Mit Zinsen von vier oder fünf Prozent sollten Anleger in den nächsten Jahren nicht rechnen.

Lohnen sich Aktienfonds?

Langfristig bieten Aktienfonds die besten Renditechancen. In der Vergangenheit konnten auf längere Sicht im Schnitt etwa fünf bis acht Prozent jährlich erzielt werden, wobei Kosten für Anschaffung und Verwaltung berücksichtig sind. Kurzfristig können Aktienfonds aber auch stark schwanken. Anleger benötigen also einen langen Atem, wenn Sie mit Aktien erfolgreich sein wollen.

Wir haben Fonds gekauft, sind aber mit der Entwicklung unzufrieden. Sollen wir die wieder verkaufen?

Klären Sie zunächst mit Ihrem Berater ab, was die Gründe sind für die unbefriedigende Entwicklung. Fonds sind mittel- bis langfristige Anlagen. Oft braucht man Geduld. Lassen Sie sich auch aufzeigen, wie der Fonds investiert und klären Sie ab, ob dies Ihren Vorstellungen entspricht.

Ich bin 74 Jahre alt, habe Immobilienfonds, Rentenfonds, Aktienfonds, Rohstofffonds. Letztere haben mich enttäuscht. Soll ich neu anlegen?

Grundsätzlich ist es richtig, seine Geldanlage breit zu streuen, wie Sie es offensichtlich auch gemacht haben. Ich empfehle Ihnen, einen Gesprächstermin mit dem Berater zu vereinbaren, um zu klären, ob die Aufteilung noch Ihren Vorstellungen und Ihrer Risikobereitschaft entspricht. Rohstofffonds unterliegen oft starken Schwankungen. Wichtig ist auch Ihr Anlagehorizont. Zudem sollte man eine Liquiditätsreserve für Notfälle schnell verfügbar zum Beispiel auf einem Tagesgeldkonto halten.

Eine Direktbank mit Sitz im Ausland bietet sehr gute Zinsen. Was ist davon zu halten?

Wenn es sich um Spareinlagen handelt, sollten Sie sich über Art und Umfang der Einlagensicherung informieren. Nicht jedes Land hat eine so vorbildliche und umfassende Einlagensicherung wie Deutschland. Handelt es sich um ein Wertpapier, sollten Sie unbedingt den Emittenten beachten, das heißt die Bonität des Wertpapierschuldners prüfen. Grundsätzlich gilt: Je höher der Zins, desto größer das Risiko.

Soll man Aktien kaufen und liegen lassen?

Es kommt darauf an, welche Unternehmen Sie gewählt haben. Glauben Sie, dass diese Unternehmen weiterhin positive Zahlen schreiben und gute Gewinne machen? Wie sieht es mit der Dividendenzahlung über längere Zeiträume aus? Klären Sie auch, welches Risiko Sie bereit sind einzugehen. Die Aktienmärkte sind sehr volatil, das heißt sie schwanken stark. Wer das aushalten kann und ein breit gestreutes Aktiendepot als langfristige Anlage sieht, hat allerdings auch sehr gute Renditechancen. So konnte ein Anleger, der vor 30 Jahren in große deutsche Standardaktien investierte, sein Kapital bis heute mehr als verzehnfachen. Immerhin stieg der Deutsche Aktienindex (Dax) von 1987 bis heute von 1000 auf annähernd 13 000 Punkte. Freilich, eine Garantie auf ähnlich gute künftige Entwicklungen ist das nicht…

Ich bekomme demnächst etwa 100 000 Euro aus einer Versicherung ausgezahlt. Wie soll ich das Geld anlegen? Ich möchte mich allerdings nicht regelmäßig kümmern, sondern eher den Ruhestand genießen. Haben Sie einen Tipp für mich?

Ja, die Lösung könnte eine Vermögensverwaltung mit Fonds sein. Klären Sie mit Ihrem Berater Ihrer Hausbank Ihre persönliche Risikobereitschaft, die Laufzeit der Anlage und Ihre bisherigen Erfahrungen auf dem Gebiet der Geldanlage. Ihr Berater kann Ihnen sicher eine Vermögensverwaltung anbieten, die Ihren Vorgaben entspricht und bei denen die Verwaltung die Ausrichtung der Anlage regelmäßig überprüft und anpasst.

Ich habe Angst, dass der Euro floppt. Was halten Sie davon, alles in Gold und Schweizer Franken anzulegen?

Eine einseitige Anlage ist nicht empfehlenswert. Sie wäre spekulativ, denn: Der Goldpreis schwankt stark, Gold ist im Gegensatz zur landläufigen Meinung nicht wertstabil. Auch der Wechselkurs des Schweizer Franken schwankt und hat gerade in jüngerer Zeit zum Euro nachgegeben. Der Euro hat sich bisher als sehr stabil erwiesen. Er dürfte auch künftig eine international anerkannte und gefragte Währung sein.

Wie komme ich bei offenen Immobilienfonds an mein Geld?

Grundsätzlich gilt für Anleger offener Immobilienfonds eine zweijährige Mindesthaltefrist, zudem müssen Anleger eine einjährige Kündigungsfrist einhalten. Ein Verkauf von Fondsanteilen über die Börse ist dagegen jederzeit möglich, dann aber gebührenpflichtig und abhängig vom aktuellen Tagespreis.

Wie kann ich mein Geld vor Inflation schützen?

Das geht nicht mit gängigen Zinsanlageprodukten wie Festgeld, Tagesgeld, Sparbuch oder Bundeswertpapieren. Denn hier liegt die Verzinsung unter der Inflationsrate von knapp zwei Prozent. Um Inflationsschutz zu bekommen, müssen Sie Sachwerte wie Immobilien und Aktien beimischen. Das geht auch mit entsprechenden Fonds. Details sollten Sie mit Ihrem Berater besprechen.

Soll man jetzt noch in Aktien investieren, nachdem die Kurse Rekordhöhen erreicht haben?

Das konjunkturelle Umfeld ist gut, und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind es ebenfalls. Allerdings haben sich die politischen Risiken erhöht. Das kann zu Rückschlägen führen. Wer Rendite haben will, kommt auch künftig nicht an Aktien vorbei. Nehmen Sie sich jedoch Zeit und lassen Sie Ihrer Anlage Zeit. Aktienanleger brauchen einen langen Atem.

Was ist der Unterschied zwischen einer Aktie und einer Aktienanleihe?

Mit einer Aktie beteiligt sich der Anleger an einem Unternehmen. Die Laufzeit von Aktien ist grundsätzlich unbegrenzt. Eine Aktienanleihe ist ein Wertpapier mit einer festen Laufzeit und einem festen Zins. Die Rückzahlung ist an den Kurs einer bestimmten Aktie gebunden. Liegt der Kurs dieser Aktie am Laufzei­tende über einem vorher bestimmten Schwellenwert, erhält der Anleger sein Geld zu 100 Prozent zurück. Liegt der Aktienkurs dagegen unter dem bestimmten Schwellenwert, erhält er eine vorher festgelegte Zahl dieser Aktien als Rückzahlung.

Anleger sollten sich über die Funktionsweise, über Chancen und Risiken allerdings genau informieren, bevor sie eine Aktienanleihe erwerben.