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| 16:41 Uhr

Das war los beim LR-Steuerforum
Unterhaltsame Annäherung an die Steuerpflicht

 Schnell ins Gespräch kamen die Gäste des LR-Steuerforums mit Dirk Rosenbaum, Steuerberater aus Cottbus.
Schnell ins Gespräch kamen die Gäste des LR-Steuerforums mit Dirk Rosenbaum, Steuerberater aus Cottbus. FOTO: Frank Hammerschmidt
Cottbus. Gut aufgelegte regionale Steuerexperten, aufmerksame Zuhörer und aufgeweckte Fragesteller haben das LR-Steuerforum zur gelungenen Premiere gemacht.

Wer sich am Donnerstagabend zwei Stunden Zeit eingeplant hatte, um das erstmals veranstaltete LR-Steuerforum im Cottbuser Pressehaus zu besuchen, der hatte nichts verkehrt gemacht. Das Forum war gut gefüllt, was die Steuerberater Dirk Rosenbaum aus Cottbus und Jens Enke aus Herzberg zu Hochform auflaufen ließ und forderte. „Seit zwei Jahren sind wir regelmäßig beim RUNDSCHAU-Telefonforum zur Steuererklärung dabei. Dabei ließen sich nicht so viele erreichen, wie heute hier beim Steuer-Forum“, freute sich Rosenbaum und holte die Gäste umgehend bei dem augenscheinlich am meisten interessierenden Thema des Abends ab: Rente und Steuern: Der Cottbuser Steuerberater erklärte, warum ausgerechnet jetzt die im Jahr 2005 eingeführte Steuerpflicht für Altersrenten den einzelnen so empfindlich trifft. „Im Ausgangsjahr 2005 standen sich Ruheständler bei der Besteuerung der Alterseinkünfte nicht schlechter als zuvor, weil für alle , die 2005 in Rente gegangen sind, gilt, dass nur 50 Prozent ihrer Alterseinkünfte zu versteuern sind. 2018 sind schon 76 Prozent der Alterseinkünfte zu versteuern“, so der Geschäftsführer der Rosenbaum Treuhand Steuerberatungsgesellschaft mbH, Cottbus. Zudem ändere sich die Situation drastisch, wenn ein Ehepartner verstirbt. „Ehepaare nutzen den Splittingtarif und den doppelten Grundfreibetrag der Altersrente, den das Finanzamt nicht antastet. Stirbt ein Partner, rutscht der Hinterbliebene in die Grundtabelle für Alleinstehende, hat nur noch einen Grundfreibetrag, zahlt Krankenversicherungsbeiträge, bekommt Witwenrente. Und plötzlich muss man Steuern zahlen, was man zu zweit vorher nie musste. Das wirft natürlich Fragen auf und macht Probleme“, schilderte Rosenbaum. Damit lieferte er Stichworte, auf die die Gäste des LR-Steuer-Forums sofort mit ihren Fragen reagierten. Eine Stunde lang war der Cottbuser gefordert, und schaffte es ganz nebenbei, trotz aller Unliebsamkeit des Themas, den Anwesenden unterhaltsam beizubringen, dass sie „steuerpflichtig“ sind, also aufgefordert sind, selbst aktiv zu werden.

Eher Fluch als Segen: Der Steuerexperte rät, sich im Zweifel gut beraten zu lassen. Denn die Einführung der elektronischen Steuererklärung mache es dem Steuerzahler nicht leichter, seinen Pflichten nachzukommen. „Im Gegenteil“, so Rosenbaum. Durch die digitale Einreichung von Steuererklärungen werde nur das Finanzamt entlastet. „Es sind die Steuerpflichtigen und ihre Steuerberater, die die Kosten dafür tragen, dass Steuererklärungen nicht mehr in Papier beim Finanzamt eingehen und dort erfasst und eingegeben und dann noch über Jahre archiviert werden müssen. Wir als Steuerberater sind jedoch verpflichtet, von unseren Mandanten eine vollständige Steuererklärung unterzeichnet aufzubewahren. Wir haben jetzt die Archiv-Funktion.“

Auch der Wegfall des Einreichens von Belegen sei keine Erleichterung, „sondern der Wegfall der Chance jedes Steuerbürgers, seine Belege sofort prüfen zu lassen, wenn er in einer Sache mal unsicher sein sollte“, so Rosenbaum. Über Elster, das Steuerportal der Finanzverwaltung, müsse der Steuerpflichtige sein Steuererklärung analog der Rechtsauffassung der Finanzverwaltung abgeben. „Er muss also genau wissen, was das Finanzamt zulassen würde. Er macht sich seit 2017 möglicherweise sogar strafbar, wenn er – wie früher – Kosten, über deren Absetzbarkeit Zweifel bestehen – mit einträgt. Denn ab jetzt gibt es keinen Beamten mehr, der sich alles ansieht und dann entscheidet, ob er es anerkennt.“

Erben oder Schenken: Das Thema Rente und Steuern war konzentrierte Arbeit, auch fürs Publikum. Das wiederum ging mit Steuerberater Jens Enke aus Herzberg aufnahmefreudig zum Thema Erbschaft- und Schenkungsteuer über. Das fiel nicht schwer, weil der erfahrene Steuerexperte anhand von aktuellen Fällen erklärte, warum gut gemeinte Schenkungen dem Beschenkten auch Probleme bereiten können. Er schilderte auch, was die Altvorderen - oft ungewollt aber im Fall des Falles nicht mehr umkehrbar zu machen - ihren Kindern antun, wenn sie sich nicht oder nicht rechtzeitig um ihr Testament kümmern.

 Steuerberater Jens Enke aus Herzberg bot  Wissens- und Nachdenkenswertes zum Thema Erben und Schenken  und animierte   zum Weitersagen.
Steuerberater Jens Enke aus Herzberg bot Wissens- und Nachdenkenswertes zum Thema Erben und Schenken und animierte zum Weitersagen. FOTO: Frank Hammerschmidt

Wer sicher gehen will, dass sein Wille erfüllt wird, sollte ihn notariell aufsetzen und verwahren lassen, so Enke. Bei Schenkungen zu Lebzeiten, zum Beispiel der Übertragung des Hauses auf die Kinder oder Nichten und Neffen mit Sicherung eines lebenslangen Wohnrechts für den Schenkenden, sei es immer ratsam, vorher einen Steuerberater zu konsultieren, weil in jedem Fall andere Berechnungsgrundlagen, Freibeträge und Verfahrenswege gelten. „Die wichtigste Botschaft ist, die Verfahrensvorschriften zu beachten und im Zweifel immer einen Steuerberater hinzu zu ziehen. Wenn der Notar erst sein Siegel unter den Schenkungsvertag gesetzt hat, ist es zu spät“, so Enke.

Wohltaten vom Arbeitgeber: Für das Thema Tankgutscheine und andere Wohltaten – was Arbeitgeber für Mitarbeiter tun können, ohne in die Steuerfalle zu laufen, interessierte sich nach dem umfangreichen Themenpaketen Rente und Erbschaft nur noch ein kleiner Teil der Zuhörer. Aus unternehmerischen Gründen. Sie genossen eine exklusive Gesprächsrunde mit dem Cottbuser Steuerberater Dirk Rosenbaum im kleinen Kreis und konnten dementsprechend individuell ihr drängendsten Fragen klären.

Das Forum aus Sicht der Gäste: Rentner Lutz Grünig ging sehr zufrieden nach Hause. Er sei vor allem wegen dem ersten Teil, dem Thema Rente und Steuern gekommen, sagt er. „Das war gut, es hat einen schönen Leitfaden mitgegeben.“ Vor allem das Rechenbeispiel zum steuerpflichtigen Teil der Rente und was davon alles steuermindernd abziehbar ist, hatte es ihm angetan.

Cordula und Hartmut Donke hat ebenfalls vor allem das Thema Rente und Steuern interessiert. Die Möglichkeit, einen Vortrag dazu zu besuchen und eigene Fragen zu stellen, fanden sie sogar „günstiger und konkreter“ als nur Fragen und Antworten aus einem Telefonforum nachzulesen.

Auch Ilona und Manfred Willno haben es nicht bereut, nach einem anstrengenden Arbeitstag, noch zwei Stunden dranzuhängen für eine Art freiwillige Fortbildung in Sachen Steuer: „Das hat sich gelohnt. Die Themen waren sehr interessant.“ Weitere Beiträge zum Thema Steuern sparen lesen Sie hier: