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| 15:23 Uhr

RUNDSCHAU-Serie Steuern sparen
Finanzämter sind ab 2019 zu härterer Gangart verpflichtet

 Die Einkommensteuererklärung für 2018 wird fällig. Neuer  Stichtag für die Abgabe  ist ab diesem Jahr der 31. Juli.
Die Einkommensteuererklärung für 2018 wird fällig. Neuer  Stichtag für die Abgabe  ist ab diesem Jahr der 31. Juli. FOTO: dpa / Oliver Berg
Cottbus . Ab 2019 gibt es erstmals zwei Monate mehr Zeit für die Abgabe der Einkommensteuererklärung. Wer die Frist versäumt, zahlt drauf.

Eine Steuererklärung zu machen, kostet Zeit. Doch der Aufwand kann sich lohnen: 974 Euro Steuern bekommen Steuerzahler im Durchschnitt vom Finanzamt zurück, erklärt der Bund der Steuerzahler. Unabhängig davon, ist jeder gut beraten, der seine Steuererklärung fristgerecht einreicht. Denn der Gesetzgeber räumt  ab 2019 zwar mehr Zeit ein für die Abgabe der Steuererklärung, er greift im Gegenzug  aber härter durch.  

Wie lange bleibt Zeit?  Bisher galt immer der 31. Mai als Stichtag für die Abgabe der Einkommensteuererklärung. Ab dem Steuerjahr 2018 hat jeder zwei Monate mehr Zeit bis spätestens 31. Juli. Eine längere Frist gibt es, wenn ein Steuerberater oder ein Lohnsteuerhilfeverein hilft. War der letzte Termin für die Erklärung 2017 noch der 31. Dezember 2018, kann die Steuererklärung für 2018 nun bis Ende Februar 2020 abgegeben werden, wenn ein Berater dabei mitwirkt. Und da das Jahr ein Schaltjahr sein wird, bleibt bis zum 29. Februar 2020 Zeit.

 Das sollte nicht zum Trödeln verführen, rät Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Lohnsteuerhilfevereine, denn Verspätungen werden mit einem Versäumniszuschlag bestraft. „Zudem kommen für eine Fristverlängerung künftig nur unvorhersehbare, nicht vermeidbare Gründe infrage.“

 Wie teuer ist der Versäumniszuschlag? „Wenn die Steuererklärung nicht fristgemäß eingereicht werden kann, werden für jeden Monat der Fristüberschreitung mindestens 25  Euro  Verspätungszuschlag fällig“, so Rauhöft.  Beispiel: Wer vom Finanzamt 1000 Euro erstattet bekommt, die Steuererklärung aber drei Monate verspätet abgegeben hat, muss 75 Euro Versäumniszuschlag zahlen.

Wie geht das Finanzamt vor? „Ob ein Verspätungszu­schlag festzusetzen ist, hängt insbesondere von der Dauer der Verspätung ab“, sagt Sandra Jäschke, Pressesprecherin des Staatsministeriums für Finanzen Sachsen. Unter Umständen werde nach Einzelfallprüfung entschieden, wenn Steuerpflichtige, die ihre Steuererklärung ohne die Unterstützung von Steuerberatern oder Lohnsteuerhilfevereinen abgegeben haben, den Termin versäumen.

„Wenn die Steuererklärung für 2018 erst ab  dem 1. März 2020  abgegeben wird, ist die Fest­setzung eines Verspätungszuschlags durch das Gesetz zwingend vorge­schrieben, es sei denn, die Steuer wird auf null Euro oder einen Erstattungsbetrag festgesetzt“, erläutert Sandra Jäschke weiter. Erinnerun­gen bei ausbleibender Abgabe von Steuererklärungen, wie sie der eine oder andere Säumige aus der Vergangenheit schon kennt, seien weiterhin vorge­sehen. „Wie schon bisher ist mit einer Erinnerung allerdings keine Fristverlängerung verbun­den“, sagt sie und betont: „Ebenfalls nicht neu ist, dass die Festsetzung eines Verspätungszuschlags nicht voraussetzt, dass der Erklärungspflichtige erinnert wurde.“

Pflicht oder Kür? Nicht jeder ist automatisch verpflichtet, die Formulare des Finanzamtes auszufüllen. Arbeitnehmer, die außer ihrem Arbeitslohn so gut wie keine Einnahmen haben, sind häufig von der Abgabepflicht befreit, erklärt der Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine (BVL). Tätig werden müssen Arbeitnehmer, wenn sie neben dem Gehalt weitere Einkünfte von mehr als 410 Euro im Jahr erzielen. Das gilt auch, wenn jemand Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosengeld I oder Krankengeld von mehr als 410 Euro bekommen hat. Ebenso besteht in der Regel eine Abgabepflicht, wenn ein zusätzlicher Freibetrag für erhöhte Werbungskosten oder andere Aufwendungen beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt wurde. Auch ein zweites Arbeitsverhältnis mit der Steuerklasse VI führt zur Abgabepflicht. Ehepaare und eingetragene Lebenspartner müssen tätig werden, wenn ihr Lohn nach den Steuerklassenkombinationen III/V oder IV mit Faktor besteuert wurde.

Liegt keine Pflicht zur Abgabe vor, kann die Erklärung freiwillig eingereicht werden. Dafür haben Steuerzahler vier Jahre lang Zeit. Gut zu wissen: Müssen wider Erwarten doch Steuern nachgezahlt werden, kann der Antrag auf die freiwillige Steuererklärung wieder zurückgenommen werden, erklärt der Bund der Steuerzahler.

Wer profitiert? „Eine Steuererklärung lohnt in den meisten Fällen“, sagt Steuerberater Jens Enke von der ETL Bernert & Partner GmbH Steuerberatungsgesellschaft in Finsterwalde (Elbe-Elster). Ob und wie viel der einzelne erstattet bekommt, ist immer abhängig von seiner individuellen Situation.

 Die Einkommensteuererklärung für 2018 wird fällig. Neuer  Stichtag für die Abgabe  ist ab diesem Jahr der 31. Juli.
Die Einkommensteuererklärung für 2018 wird fällig. Neuer  Stichtag für die Abgabe  ist ab diesem Jahr der 31. Juli. FOTO: dpa / Oliver Berg