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| 15:15 Uhr

Wirtschaft
Spaniens Wirtschaft auf Wachstumskurs: Alles wieder gut?

FOTO: pixabay.com / Donations_are_appreciated
Wer erinnert sich nicht mehr an diese Bilder? Im Jahr 2011 war der Puerta del Sol in Madrid tagelang von Krisen-Protestlern besetzt.

Spanien war in eine tiefe Rezession geschlittert, man sprach von einer “verlorenen Generation”. Eine große Anzahl an Bankkunden verloren mitunter ihre gesamten Ersparnisse und standen praktisch vor dem finanziellen Ruin. Das Vertrauen in die Politik und auch in die Wirtschaft wurde zu dieser Zeit schwer beschädigt. Jetzt wächst die spanische Wirtschaft wieder. Die Auswirkungen der Krise scheinen nahezu komplett überwunden; es wirkt alles nachhaltig.

2017 erzielte Spanien ein Wirtschaftswachstum von 3,1 Prozent

Bereits im Jahr 2013 konnte sich Spanien aus den Fängen der Rezession befreien. Die wirtschaftliche Lage blieb in den Folgejahren zwar erst einmal verheerend, aber in den vergangenen zwei Jahren legte die spanische Wirtschaft extrem zu. Derzeit gilt Spanien als einer der am schnellsten und nachhaltigsten wachsenden Volkswirtschaften innerhalb der Europäischen Union (EU).

Der Börsenhandel befindet sich ebenfalls deutlich im Aufwind

Diese neu oder besser wiedergewonnene wirtschaftliche Stärke macht sich längst auch auf den Kapitalmärkten und dem Börsenhandel bemerkbar. So ist der IBEX-Index auf Zwölf-Monats-Sicht um etwa 22 Prozent gestiegen, während der DAX im gleichen Zeitraum nur um 20 Prozent nach oben kletterte. Dabei profitieren vor allem die Industrie, die Pharmabranche sowie nicht-zyklische Konsumbranchen vom konjunkturellen Aufschwung, was sich stark

Auch für 2018 wird ein Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent prognostiziert

Selbst aktuelle Krisen und interne Probleme können diesen Aufschwung nicht wirklich mindern, geschweige denn stoppen. So ließ sich die Wirtschaft zum Beispiel auch nicht von der so bezeichneten Katalonien-Krise negativ beeinflussen. 2017 erzielte Spanien im Vergleich zum Vorjahr ein Wirtschaftswachstum von 3,1 Prozent. Für das Jahr 2018 prognostizierte die Zentralbank in Madrid ein Wirtschaftswachstum von immerhin 2,3 Prozent.

Die Katalonien-Krise als Unsicherheitsfaktor

Allerdings senkte die spanische Regierung ihre Prognose zum Wirtschaftswachstum dabei von ursprünglich 2,6 Prozent um insgesamt 0,3 Prozentpunkte. "Die Folgen der politischen Ungewissheit im Hinblick auf Katalonien wirken hier belastend für die ganzheitliche Entwicklung der Wirtschaft in Spanien", hieß es in der entsprechenden Begründung. Entsprechende wirtschaftliche Auswirkungen waren allerdings auch bereits im Jahr 2017 erwartet worden.

Tourismus und der lokale Einzelhandel in Katalonien schwächeln angesichts der Staatskrise

Laut der spanischen Regierung glichen aber boomende Exporte die wirtschaftlichen Negativ-Auswirkungen aus. In Katalonien selbst sorgt die andauernde Staatskrise für wirtschaftliche Einbußen im Tourismus und lokalen Einzelhandel. Das wohlhabende Katalonien verkraftet dies aber noch ohne nennenswerte Auswirkungen. Nicht umsonst zählt Katalonien immer noch als ein wichtiger Treiber des Wirtschaftswachstums.

Wirtschaft in der EU zeigt allgemein eine positive Entwicklung

Von dieser Entwicklung in seiner Gesamtheit können andere Länder nur träumen. Zwar befinden sich die Wirtschaften innerhalb der EU alle geschlossen auf Wachstumskurs, trotzdem aber werden hier mitunter deutliche Unterschiede sichtbar. Denn Europas Krisenländer konnten trotz zwischenzeitlich miserabler Ergebnisse im Endeffekt alle ein positives Ergebnis erzielen. So kam Griechenland auf ein kleines Plus von 0,3 Prozent, obwohl das krisengeschüttelte Land direkt zu Beginn des Jahres 2017 ein Minus von 0,6 Prozent einfuhr und auch im Weihnachtsquartal einen Abfall des Bruttoinlandsprodukts (BIP)um 0,4 Prozent verkraften musste.

Auch die EU-Sorgenkinder präsentieren positive Wachstumszahlen

Auch das EU-Sorgenkind Finnland schaffte noch die Wende zum Guten und erzielte fürs ganze Jahr ein Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent. Dies ist eine gute Entwicklung, wenn man bedenkt, dass auch Finnland im Sommer und im Winter gleich zwei Quartale gab, die ein negatives Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent aufwiesen. Dagegen legte mit Kroatien ein weiteres Sorgenkind der EU 2017 ein fantastisches Wirtschaftsjahr hin: Am Ende stand ein Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent im Wirtschaftszeugnis des ökonomisch gebeutelten Land.

Spanien ist wirtschaftlich wieder auf Vorkrisenniveau

Ob sich diese Werte 2018 aber gerade bei den EU-Sorgenkindern gehalten oder gar verbessert werden können, muss sich erst noch zeigen. Spaniens Wirtschaft dagegen ist zuzutrauen, dass sie ihren rasanten Höhenritt auch 2018 und 2019 fortsetzt. Hierfür sprechen nicht nur die Zahlen und Rahmenbedingungen der spanischen Wirtschaft, vielmehr gibt es viele weitere Indikatoren, die auf ein weiteres Wirtschaftswachstum hindeuten. So liegt die Arbeitslosenquote mittlerweile nur noch bei unter 18 Prozent, während noch 2013 rund 27 Prozent der Spanier arbeitslos gemeldet waren.

Spanische Unternehmen schwimmen auf einer Erfolgswelle

Als Beispiel hierfür kann zum Beispiel der Modekonzern Zara genannt werden. Der modern ausgerichtete Betrieb kann innerhalb von rund zwei Wochen einen aktuellen Trend aufnehmen, ein entsprechendes Design entwerfen und die fertig produzierte Ware dann an seine Filialen ausliefern. Dies liegt vor allem an der firmeninternen Umstrukturierung hin zur lokalen Produktion der Artikel, wobei die Fertigungsstätten immer nahe der Hauptabsatzmärkte herstellen. Insgesamt weisen die spanischen Unternehmen zudem beträchtliche Margen auf, verfügen über hohe Barmittelbestände und leiden unter einer nur niedrigen Verschuldung.