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| 10:13 Uhr

Sind kostenlose Girokonten ein Auslaufmodell?

Wird es bald keine kostenlosen Girokonten mehr geben?
Wird es bald keine kostenlosen Girokonten mehr geben? FOTO: PeJo ? 110286884 / Shutterstock.com
Die Zeit der kostenlosen Girokonten ist vorbei." Mit diesem Satz läutete der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon, eine möglicherweise neue Phase der Geschäftspolitik der Sparkassen ein. Was auf den ersten Satz fast schon dramatisch klingt, muss aber auch hinterfragt werden.

"Die Zeit der kostenlosen Girokonten ist vorbei." Mit diesem Satz läutete der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon , eine möglicherweise neue Phase der Geschäftspolitik der Sparkassen ein. Was auf den ersten Satz fast schon dramatisch klingt, muss aber auch hinterfragt werden.

Die Kernzielgruppe der Sparkassen sind private Haushalte, Selbstständige sowie klein- und mittelständische Unternehmen. Neben dem Wertpapiergeschäft spielen Konten, Einlagen und Kredite die Hauptrolle. Und nach der jüngsten Entscheidung der EZB werden die Margen bei Einlagen und Krediten für die Sparkassen immer enger. Das ist unstrittig.

Nun betrifft die Entscheidung der Banker vom Main aber nicht nur die Sparkassen. Und es gibt noch zahlreiche andere Institute, gerade unter den Direktbanken, die ebenfalls kein Corporate- & Investmentbanking, vereinfacht gesagt, das Geschäft mit Konzernen, betreiben. Gilt die Aussage, dass kostenlose Girokonten der Vergangenheit angehören, auch für sie?

Wer Kunde einer Sparkasse ist, weiß, dass es für die breite Masse bei den öffentlich-rechtlichen Filialinstituten noch nie kostenlose Girokonten für alle Kunden gab. Im Gegenteil, viele der Mitglieder im Sparkassen- und Giroverband spielen bezüglich der Höhe der Kontoführungsgebühren auf den vorderen Plätzen mit.

Eine Zielgruppe im Fokus

Eine Ausnahme wurde nur für Schüler, Studenten und Auszubildende gemacht. Und genau diese Konten sollen nach dem Willen von Fahrenschon künftig auch mit Gebühren belastet werden. Es stellt sich allerdings die Frage, ob dieser Schuss nicht nach hinten losgeht.

Schüler, Studenten und Auszubildende gehören inzwischen zur Generation Internet. Sie sind mit Google und Microsoft aufgewachsen. Es ist Teil ihres Kaufverhaltens, erst einmal zu "googlen", wo es das gewünschte Produkt am günstigsten gibt.

Es wäre doch verwunderlich, wenn dieser Personenkreis, geht es um die Eröffnung eines Girokontos, nicht zuerst einmal auf einen Girokontovergleich zurückgreift, sondern wie Eltern und Großeltern zur Sparkasse geht. Junge Leute gehen auch nicht wie die Eltern zum Elektroladen um die Ecke, sondern erst einmal zu Google.

Es stellt sich also die Frage, ob Fahrenschon wirklich glaubt, mit kostenpflichtigen Girokonten für junge Leute die Finanzmisere seiner Institute zu beheben, oder ob er damit einfach einen Personenkreis verschrecken möchte, mit dem sich aktuell sowieso kein Geld verdienen lässt.

Wie steht es generell um die kostenlosen Girokonten?

Das kostenlose Girokonto lebt. Der Druck auf die Margen der Banken ist nicht erst seit März 2016 vorhanden. Dennoch hat die Commerzbank als zweitgrößte deutsche Bank erst vor Kurzem ebenfalls ein kostenloses Girokontomodell im Angebot.

Und das, obwohl die Commerzbank dabei ist, sich neu auszurichten und das Corporate- & Investmentbanking abzuschaffen, somit das Geschäftsmodell der Sparkassen kopiert.

Die Commerzbank hat von der Geschäftspolitik ihrer Tochter, der comdirect, gelernt. Diese bietet schon seit Jahren nicht nur ein kostenloses Girokonto an, sondern honoriert die Eröffnung sogar.

Die Commerzbank bietet Neukunden stattliche 100 Euro für die Eröffnung eines Kontos. Und wer nicht zufrieden ist, und das Konto wieder auflöst, erhält darüber noch 50 Euro zusätzlich. Offensichtlich scheint dieses Prinzip zu funktionieren, sonst wäre die Bank mit Staatsbeteiligung nur noch damit beschäftigt, Überweisungen auszufüllen.

Commerzbank mit Restriktionen

Allerdings ist das Kontomodell der Commerzbank nicht ganz so freizügig, wie das anderer Mitbewerber. Die Commerzbank setzt immer noch darauf, dass die Gebührenfreiheit von einem Mindestgeldeingang von 1.400 Euro im Monat abhängt.

War dieses Vorgehen zu Beginn kostenloser Girokonten noch weitverbreitet, haben sich immer mehr Banken unter dem Konkurrenzdruck davon verabschiedet. In den meisten Fällen ist heute kein Mindestgehaltseingang mehr notwendig, um von einem kostenlosen Kontopaket mit gebührenfreier Kreditkarte zu profitieren.

Die Commerzbank ist aber nicht, wie viele vermuten, die erste Filialbank, welche auf Gebühren verzichtet. Sowohl die PSD-Banken als auch die DKB-Bank bieten ebenfalls gebührenfreie Konten an. Bei der DKB-Bank gilt allerdings ein eingeschränktes, auf Ostdeutschland begrenztes, Filialnetz.

Über 20 Banken werden sich nicht zurückziehen

Über 20 Banken, vorwiegend Direktbanken, bieten bundesweit nach wie vor kostenlose Girokonten an. Daran wird sich auch in absehbarer Zeit nichts ändern. Im Gegenteil, der bereits erwähnte Konkurrenzdruck führt dazu, dass es eher noch mehr Konten geben wird, welche dem Inhaber Prämien bescheren. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Barprämie handelt, ein Cash-Back-System oder Vorzugskonditionen für das Tagesgeld.

Wer als Schüler, Student oder Auszubildender auf der Suche nach dem ersten Girokonto ist, oder wer einfach keine Lust mehr hat, Kontoführungsgebühren zu bezahlen, findet über Girokontovergleiche im Internet auf einen Blick, wo es kostenlose Girokonten zu welchen Rahmenbedingungen gibt.

Den meisten Konten ist eines gemeinsam: Sie bieten nicht nur eine kostenlose Kontoführung, sondern darüber hinaus auch noch eine kostenlose Kreditkarte. Ein Kontenwechsel spart damit schnell 100 Euro im Jahr ein.

Wo liegen die Unterschiede, was gilt es, bei der Auswahl zu beachten?

Kostenlose Girokonten mit kostenlosen Kreditkarten laufen unter einer Überschrift, unterscheiden sich aber am Ende doch im Detail. Bei der Suche nach einem neuen Konto sollten daher einige Punkte hinterfragt werden:

Ist ein Mindestgeldeingang notwendig?Ist die Zahl der kostenlosen Buchungen monatlich limitiert?Wie hoch sind die Dispozinsen?Wie kann ich Bargeld abheben?Kosten Barverfügungen mit der Kreditkarte Geld?Mindestgeldeingang

Einige Anbieter verlangen einen monatlichen Mindestbetrag als Geldeingang. Manche schließen dabei sogar Mietzahlungen oder Wertpapiererträge aus und bestehen auf einem Gehaltseingang.

Andere Banken akzeptieren durchaus auch BAföG als Guthabeneingang. Idealerweise verzichtet die neue Bank völlig auf Mindestumsätze. Wer in einem Angestelltenverhältnis steht, kann diese Einschränkung in aller Regel ignorieren.

Limitierte Anzahl an Buchungsposten?

Es gibt durchaus Kontomodelle, welche nur eine bestimmte Anzahl kostenloser Buchungen im Monat zulassen. Überzeugen die übrigen Rahmenbedingungen, macht es Sinn, die eigenen Buchungen zu zählen und zu ermitteln, wie hoch die Kosten ausfallen, wenn das Limit überschritten wird.

Dispozinsen

Kaum ein Bankprodukt steht so in der Kritik der Verbraucherschützer, aber auch der Politik, wie die Zinsen für Kontoüberziehungen. Viele betrachten das, was einige Banken in Rechnung stellen, als legalen Straßenraub, gerade zu Zeiten eines aufgehobenen Leitzinses.

Wer öfter von seinem Dispokredit Gebrauch macht, sollte hier besonders kritisch prüfen. Die Bandbreite reicht von 4,32 Prozent p.a. bis zu 14,95 Prozent im Jahr (Stand März 2016).

Die Frage nach Dispozinsen entfällt jedoch, wenn sich ein Verbraucher für ein Kontomodell entscheidet, welches rein auf Guthabenbasis abgewickelt wird, beispielsweise bei Number26.

Bargeld

Trotz Kreditkarte, Bankkarte oder MaestroCard spielt Bargeld immer noch eine wesentliche Rolle im täglichen Leben. So stellt sich bei einer Direktbank ohne eigene Geldautomaten natürlich die Frage, wie ein Kunde zu Bargeld kommt.

Einige Anbieter sind Mitglied in der Cash-Group , der beispielsweise die Commerzbank, die Deutsche Bank oder die Postbank angehören. Barverfügungen können mit der MaestroCard an deren Geldautomaten ohne Gebühren vorgenommen werden.

Andere Kreditinstitute, die sich keinem Bankenverbund mit eigenen Geldautomaten angeschlossen haben, bieten ihren Kunden Kreditkarten an, die kostenlose Barverfügungen weltweit, also auch in der heimischen Fußgängerzone, ermöglichen.

Kreditkarte

Wir haben es bereits angesprochen, bei einigen Banken ist die Barverfügung mit Kreditkarten weltweit ohne Kosten möglich. Andere Institute erlauben das kostenlose Geldabheben nur außerhalb Deutschlands und beschränken dies teilweise auf eine maximierte Anzahl an Verfügungen pro Jahr.

In einigen Fällen entstehen Kosten für die Umrechnung von Fremdwährung in Euro. Die ideale Kreditkarte bietet folgende Ausstattungsmerkmale:

Kostenfreie Barverfügungen weltweit, auch in DeutschlandUnbegrenzte Anzahl an kostenlosen Barabhebungen im AuslandKeine Umrechnungsgebühr bei Transaktionen in FremdwährungFazit

Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes mag im eigenen Haus dem kostenlosen Girokonto keine Zukunft mehr geben. Er läuft jedoch Gefahr, die nachwachsende Kundenschicht nachhaltig zu verlieren.

In der Fläche sind kostenlose Girokonten nach wie vor das Zugpferd, um neue Kunden zu gewinnen. Es bestehen allerdings teilweise gravierende Unterschiede. Jeder potenzielle Kunde muss daher für sich sehr genau überlegen, welches Kontomodell infrage kommt, ohne sich von möglichen Prämien blenden zu lassen.

Die Einsparungen bei einem Wechsel zu einer Bank mit gebührenfreiem Girokonto können Einsparungen bis zu 100 Euro im Jahr mit sich bringen.

Abgesehen von den Sparkassen ist die Zeit kostenloser Girokonten noch nicht vorbei. Online-Portalen zufolge bieten gut 20 Banken bundesweit Gratis-Konten an, die allerdings an Bedingungen geknüpft sind. Ein Vergleich lohnt sich also, um noch in den Genuss eines kostenlosen Girokontos zu kommen.