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| 16:49 Uhr

RUNDSCHAU-Serie Steuern sparen
Experten geben Tipps zur Steuererklärung 2018

 Steuerrat aus erster Hand gab es beim ersten großen LR-Steuerforum - hier im Bild der Cottbuser Steuerberater Dirk Rosenbaum. Zusätzlich beantworteten Steuerexperten aus der Region Fragen, die RUNDSCHAU-Leser per E-Mail stellten.
Steuerrat aus erster Hand gab es beim ersten großen LR-Steuerforum - hier im Bild der Cottbuser Steuerberater Dirk Rosenbaum. Zusätzlich beantworteten Steuerexperten aus der Region Fragen, die RUNDSCHAU-Leser per E-Mail stellten. FOTO: Frank Hammerschmidt
Cottbus. Kann man Kontogebühren und Handwerker-Kosten steuerlich absetzen? Experten aus der Region wissen, wie sich die Steuerlast mindern lässt.

Die Steuererklärung für 2018 ist fällig. Die Lausitzer Rundschau begleitet Sie mit einer Serie zum Thema. Regionale Steuerexperten antworten auf die Fragen der Leserinnen und Leser. Viele Fragen kamen von Haus- und Wohnungsbesitzern. Hier finden Sie die Antworten der Steuerberater und des Lohnsteuerhilfe-Vereins auf die häufigsten Fragen.

Wir müssen renovieren und werden uns Handwerker zu Hilfe nehmen. Die Kosten wollen wir steuermindernd geltend machen. Welche Kosten werden überhaupt anerkannt und wie schöpfe wir die optimal und richtig aus?

Martina Ehmke: Haushaltsnahe Handwerkerleistungen sind mit 1200 Euro pro Jahr begünstigt. Das bedeutet, aus allen Handwerkerrechnungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen, die in einem inländischen, in der Europäischen Union oder dem Europäischen Wirtschaftsraum liegenden Haushalt des Steuerpflichtigen erbracht werden, können die angefallenen Arbeitskosten/Leistungskosten von pro Jahr maximal 6000 Euro herangezogen werden. Davon sind dann 20 Prozent begünstigt, also maximal 1200 Euro. Bei diesen 1200 Euro handelt es sich um sogenannte Steuerermäßigungen. Das heißt, sie gehen nicht als Sonderausgaben in die Steuerberechnung ein, sondern direkt als Einkommensteuertarifermäßigung, sodass bis zu 1200 Euro weniger festzusetzende Einkommensteuer zu zahlen sind.

 Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine, hat Leserfragen an die Lausitzer Rundschau zum Thema Steuern sparen beantwortet.
Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine, hat Leserfragen an die Lausitzer Rundschau zum Thema Steuern sparen beantwortet. FOTO: dpa-tmn / Agentur Baganz

Es kann sich um mehrere verschiedene Maßnahmen handeln, die auch über mehrere Jahre dauern dürfen, nur nicht um Neubaumaßnahmen. Neubaumaßnahmen sind ausdrücklich ausgeschlossen. Dazu zählen Maßnahmen, die im Zusammenhang mit der Errichtung eines Haushaltes bis zu dessen Fertigstellung anfallen.

Ich arbeite auswärts und habe dazu eine Zweitwohnung angemietet. Zu Beginn einer doppelten Haushaltsführung darf man drei Monate lang Verpflegungsmehraufwendungen geltend machen. Kann man das jedes Jahr wieder ansetzen?

 Dirk Rosenbaum (vorn im Bild), Steuerberater in Cottbus, informiert beim Steuerforum der Lausitzer Rundschau über Rente und Steuern.
Dirk Rosenbaum (vorn im Bild), Steuerberater in Cottbus, informiert beim Steuerforum der Lausitzer Rundschau über Rente und Steuern. FOTO: Frank Hammerschmidt

Martina Ehmke: Der Verpflegungsmehraufwand bei doppelter Haushaltsführung kann im ersten Jahr für maximal drei Monate angesetzt werden. Sollte die doppelte Haushaltführung in den Folgejahren am gleichen Ort fortgesetzt werden, gibt es keine Möglichkeit den Verpflegungsmehraufwand wieder anzusetzen. Ein Abzug eines neuen Verpflegungsaufwandes ist nur möglich, wenn ein neuer doppelter Haushalt an einem anderen Arbeitsort eingerichtet wird.

Ich habe im Jahr 2000 einen Vertrag zur betrieblichen Altersvorsorge abgeschlossen. Diese soll in diesem Jahr zur Auszahlung kommen. Was lässt sich hier eventuell steuermindernd geltend machen?

Jens Enke: Bei dem im Jahr 2000 abgeschlossenen Vertrag zur betrieblichen Altersvorsorge wird es sich sicherlich um eine Direktversicherung handeln, die in der Ansparphase pauschal versteuert werden musste. Kommen diese Verträge durch Kapitalzahlung (Einmalzahlung) jetzt zur Auszahlung, ist darauf keine Einkommensteuer zu zahlen. Die Kapitalauszahlung ist also steuerfrei. Sie unterliegt jedoch der Beitragspflicht zur Krankenversicherung. Hierzu wird 1/120 der Kapitalzahlung als Bemessungsgrundlage für den vollen Krankenversicherungssatz herangezogen. Dieser Beitragssatz ist je nach Krankenkasse verschieden und wird per Bescheid direkt angefordert. Die Beitragszahlung ist dann maximal 120 Monate zu leisten. Von dem Versicherungsunternehmen erfolgt bei Direktversicherungen eine Auszahlungsmitteilung an die jeweilige Krankenkasse.

In welcher Höhe sind Kontogebühren steuerlich absetzbar? Gibt es lediglich den Pauschbetrag von 16 Euro, oder können auch die tatsächlichen Kontogebühren steuerlich geltend gemacht werden?

Dirk Rosenbaum: Natürlich können auch die tatsächlichen Kontoführungsgebühren als Werbungskosten oder Betriebsausgaben bei der jeweiligen Einkunftsart abgezogen werden. Die 16 Euro sind ein Pauschalsatz, der bei den Werbungskosten aus nichtselbständiger Arbeit seit vielen Jahren ohne Nachweis anerkannt wird und von den meisten Arbeitnehmern angesetzt wird, da viele Banken Gehaltskonten gebührenfrei führen. Bei Rentnern können keine tatsächlichen Werbungskosten angesetzt werden. Hier gibt es nur einen Pauschalbetrag in Höhe von 102 Euro .

Seit Jahren wird auf meinen Steuerbescheiden vermerkt, dass bestimmte Regelungen bei diversen Gerichten zu Regelungen anhängig sind. Bisher habe ich keine einzige Nachricht über eine Neuberechnung oder Korrektur eines Steuerbescheides erhalten. Ist das rechtens und muss ich tätig werden?

 Jens Enke, Steuerberater aus Herzberg, beantwortet Fragen der Leser im Steuerforum der Lausitzer Rundschau.
Jens Enke, Steuerberater aus Herzberg, beantwortet Fragen der Leser im Steuerforum der Lausitzer Rundschau. FOTO: Frank Hammerschmidt

Dirk Rosenbaum: Das ist korrekt, sollte eine dieser Fragen zugunsten des Steuerzahlers entschieden werden, sind die Einkommensteuerbescheide von Amts wegen zu ändern. In den wenigen Fällen, in denen die Regelung zugunsten der Steuerzahler entschieden wurde, wurde die Regierung beauftragt, die Regelung für die Zukunft innerhalb einer bestimmten Frist zu ändern. Tätig werden müssen Sie nicht.

Wir sind gemeinsam veranlagt und haben voriges Jahr die Steuerklasse gewechselt von II/V zu IV/IV. Müssen wir eine Steuererklärung machen?

Uwe Rauhöft: Wenn der Wechsel erst im Laufe des Jahres erfolgte und deshalb zum Jahresbeginn noch Lohn nach den Steuerklassen III und V besteuert wurde, muss nochmals eine Steuererklärung eingereicht werden. Bei den Steuerklassen IV/IV besteht diese Pflicht nicht. Allerdings ergibt sich gerade bei dieser Kombination oft eine Steuerrückerstattung. Außerdem können auch andere Gründe für eine Abgabepflicht vorliegen, beispielsweise Bezug von Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosen- oder Krankengeld oder von weiteren Einkünften von mehr als 410 Euro im Jahr.

Ich lebe getrennt von meiner Partnerin. Wir haben ein gemeinsames Kind. Sie bekommt das Kindergeld. Ich zahle ihr Unterhalt und noch einen weiteren Betrag. Kann ich diesen Betrag in der Steuererklärung mit absetzen?

Uwe Rauhöft: Der Unterhalt für Kinder ist mit dem Kinderfreibetrag, beziehungsweise dem Kindergeld abgegolten. Bei der Berechnung von Kindesunterhalt wird üblicherweise das hälftige Kindergeld gleich angerechnet. Der Unterhalt für die Mutter des gemeinsamen Kindes kann steuermindernd als außergewöhnliche Belastung berücksichtigt werden. Voraussetzung ist eine gesetzliche Unterhaltspflicht, die grundsätzlich bis zum dritten Lebensjahr des Kindes besteht. Allerdings müssen eigene Einkünfte und Bezüge der unterstützten Person berücksichtigt werden, sie mindern den Höchstbetrag.

Bei der Überprüfung kann sich herausstellen, dass eine Steuerpflicht schon länger besteht. Kann das Finanzamt in einem solchen Fall die Steuer nachträglich erheben, für welchen Zeitraum ist das rückwirkend möglich, und welche Sanktionen können verhängt werden?

Uwe Rauhöft: Wenn eine Pflicht zur Abgabe besteht, kann die Steuererklärung bis zu sieben Jahre rückwirkend angefordert werden. In bestimmten Fällen ist dies für einen noch längeren Zeitraum möglich, wenn die Nichtabgabe als leichtfertige Steuerkürzung oder Steuerhinterziehung beurteilt wird. Steuernachforderungen werden nach einer Karenzzeit von 15 Monaten verzinst. Der Zinssatz beträgt sechs Prozent im Jahr, wobei die Höhe derzeit gerichtlich angefochten wird. Außerdem kann das Finanzamt Verspätungszuschläge festsetzen.

Schwerbeschädigte erhalten einen Steuerfreibetrag. Wie und wo muss ich diesen Freibetrag für die Steuererklärung geltend machen?

Uwe Rauhöft: Die sogenannten Behinderten-Pauschbeträge werden im Mantelbogen der Steuererklärung auf der dritten Seite geltend gemacht. Erforderlich ist eine entsprechende Einstufung vom Versorgungsamt (Grad der Behinderung).

Benötigt man für die Geltendmachung von Steuervergünstigungen für Fahrten mit dem Pkw zum Hausarzt und zu Fachärzten zwingend eine Bestätigung der jeweiligen Praxis über die wahrgenommenen Termine im Jahr?

Martina Ehmke: Zur Geltendmachung von Fahrtkosten mit dem Pkw zum Hausarzt und zu Fachärzten oder anderen Gesundheitsinstitutionen sind die selbst errechneten Kilometer ansetzbar. Diese werden in der Regel auch von den Finanzbehörden anerkannt. In Zweifelsfällen, etwa bei sehr weiten oder sehr häufigen Fahrten, können die Finanzbehörden Terminnachweise oder sogar Bestätigungen von den aufgesuchten Ärzten fordern. Deshalb sind Sie gut beraten, immer gleich die Terminkarte mit aufzubewahren oder auch die bezahlte Parkquittung. Das erleichtert einen eventuell notwendigen Nachweis. Die Eintragungen dazu erfolgen mit im Mantelbogen Zeile 67, gegebenenfalls mit einer zusätzlichen Auflistung.

Können Steuervergünstigungen geltend gemacht werden, wenn auf dem eigenen Grundstück haushaltsnahe Dienstleistungen wie wöchentliche Reinigungen und Winterdienst und Handwerkerleistungen selbst ausgeführt werden?

Martina Ehmke: Haushaltnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen sind leider nicht begünstigt wenn man sie selbst ausgeführt. Das trifft auch auf selbst durchgeführte Reinigungen und Winterdienste zu. Diese sind leider auch nicht als haushaltnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen begünstigt.

Wir haben unsere Einliegerwohnung an eine Verwandte vermietet, günstiger als ortsüblich. Was müssen wir nun steuerlich beachten?

Martina Ehmke: Oft werden Wohnungen an nahe Angehörige etwas günstiger vermietet. Wenn die Kaltmiete zuzüglich der nach der Betriebskostenverordnung umlagefähigen Kosten zum Beispiel unter 66 Prozent der ortsüblichen Werte liegt, dann können alle anfallenden Werbungskosten auch nur entsprechend anteilmäßig angesetzt werden, weil die Finanzbehörden dann von einer nur teilentgeltlichen Vermietung ausgehen. Das bedeutet, immer genau nachzurechnen, das Mietverhältnis wie zwischen Fremden üblich zu vollziehen und die Miete nicht zu niedrig ansetzen.

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(moe)