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| 08:33 Uhr

Sparer kennen das Problem
Dispozinsen trotz Niedrigzinsphase deutlich zu hoch

FOTO: pixabay.com
Bereits seit Jahren gibt es für Spareinlagen wie Tagesgeld oder Festgeld nur noch Minizinsen. Darüber hinaus sinken auch die Zinskonditionen für Ratenkredit allmählich. Nur eine Kreditart ist davon zumindest grob ausgenommen: Der Dispositionskredit.

Trotz Mini-Zinsniveau fand Test.de schon letztes Jahr heraus, dass die Zinsen für solche Kredite durchschnittlich immer noch fast an der 10%-Marke kratzen. Doch wie kommt so etwas und was können Verbraucher tun, um die Kosten im Zaum zu halten?

Dispozinsen vieler Banken nach wie vor sehr hoch

In der Untersuchung der Stiftung Warentest kam heraus, dass der Dispozins im Durchschnitt bei 9,72% lag und damit nur geringfügig unter dem von 2017 (9,78%). Die teuersten Angebote liegen zudem weiterhin bei über 13% pro Jahr. Über 21 Banken berechneten zudem für die Überziehung mindestens 12,5 Zinsen pro Jahr.

Es gibt auch Lichtblicke

Trotz der hohen Dispozinsen gibt es insbesondere bei den Direktbanken einige Lichtblicke. So lassen sich dort Dispozinsen zwischen 0 und 8% pro Jahr finden: durchaus interessante Angebote. Insgesamt lässt sich also festhalten, dass Verbraucher bei der Wahl ihres Girokontos aufgrund der Dispozinsen schon genau hinschauen sollten. Auch wenn dies sicherlich nicht das einzige Entscheidungskriterium darstellt, ist der Dispozins insbesondere für die Kunden interessant, die diesen auch häufig in Anspruch nehmen.

Warum sind hohe Dispozinsen so ein Aufreger?

Der Dispositionskredit hat einige unschätzbare Vorteile, die ihn bei vielen Kontoinhabern äußerst beliebt machen:
- Flexible Nutzung: Wer einen Dispokredit von seiner Bank erhält, kann diesen flexibel in Anspruch nehmen. Er nimmt also keinen Kredit in voller Höhe auf, sondern nur so viel, wie er gerade braucht. Zinsen fallen dabei auch nur für den Anteil an, den man wirklich in Anspruch nimmt.
- Flexible Rückzahlung: Die Rückzahlung gestaltet sich ebenso flexibel. Kontoinhaber können völlig frei agieren und die Rückzahlung an die eigenen finanziellen Möglichkeiten anpassen. Ist es einige Monate knapp, bleibt die Tilgung erst einmal aus.
- Kein nerviger Antrag: Wer einen Kredit benötigt, muss diesen erst beantragen. Der Dispokredit wird hingegen einmal als Kreditlinie eingeräumt und bleibt daraufhin erst einmal bestehen.
Diese Vorzüge sorgen dafür, dass sehr viele Menschen einen Dispokredit haben und auch in Anspruch nehmen. Liegen die Zinsen dabei besonders hoch, bedeutet dies für viele Kontoinhaber unnötige Kosten in nicht unerheblicher Höhe.

Welche Gründe nennen die Banken für hohe Dispozinsen?

Die Gründe der Banken für die hohen Dispozinsen sind ganz unterschiedlicher Natur. So wurde bekanntgegeben, dass keine Fehlanreize durch günstige Dispozinsen gesetzt werden sollen. Verbraucher sollten Anschaffungen lieber über einen Ratenkredit finanzieren. Darüber hinaus wird als Argument auch oft die Flexibilität angeführt. Als unbesicherter Kredit ohne geregelte Rückzahlungsverpflichtungen könne ein Dispokredit ein Risiko für Banken darstellen. Dies müsse mit höheren Zinsen vergolten werden. Angesichts solcher Argumentationen stellt sich natürlich die Frage, warum einige Banken in der Lage sind, deutlich günstigere Dispozinsen anzubieten.

Hohe Dispozinsen umgehen - welche Alternativen existieren?

Wer beim Blick in das Preis- und Leistungsverzeichnis seiner Bank einen Schock angesichts hoher Dispozinsen bekommen hat, sucht sicherlich Wege, die Zinsbelastung künftig niedriger zu halten. In diesem Zusammenhang existieren ganz unterschiedliche Wege:

1. Dispokredit umschulden und somit schuldenfrei werden
Gerade Dauernutzer des Dispokredits sollten sich überlegen, dieser "Dispofalle" zu entkommen und den Dispokredit mithilfe eines günstigen Ratenkredits umzuschulden. Wer beispielsweise einen Disporahmen von 3.000 Euro ablöst, kann dies bei einer Laufzeit von 18 Monaten schon mit einer Rate von 180 Euro pro Monat schaffen und ist danach vollkommen schuldenfrei. Andere Summen lassen sich bei etwaigen Kreditanbietern ebenfalls bequem berechnen. Diese Lösung bedeutet zwar für einen gewissen Zeitraum eine finanzielle Belastung, sorgt dann aber dafür, dass sich die zum Teil hohen Zinskosten einsparen lassen.

2. Abrufkredit als günstige Alternative zum Dispokredit
Ein weiterer Weg zur Umgehung hoher Dispozinsen liegt in der Nutzung eines Abrufkredits. Dabei handelt es sich um eine Art Dispokredit, die jedoch vom jeweiligen Girokonto abgekoppelt ist. Darüber hinaus wird bei diesen Kreditmodellen oft eine minimale monatliche Rückzahlung gefordert. Wer bereits eine Kreditkarte nutzt, kennt die entsprechenden Mindest-Rückzahlungsbeträge. Die Zinsen für Abrufkredite bewegen sich jedoch häufig auf einem deutlich niedrigeren Niveau als die Zinskosten für Dispositionskredite.

3. Dispokredit in kleinen Beträgen abtragen
Wenn die Dispozinsen auf das monatliche Haushaltsbudget drücken, kann es sinnvoll werden, den Kredit langsam aber sicher abzutragen. Da eine Umschuldung mitunter eine zu hohe finanzielle Belastung mit sich bringt, ist dies quasi die etwas sanftere Lösung. Hierzu wird einfach jeden Monat ein bestimmter Betrag eingeplant, der auf dem Konto verbleibt. Bei einer Rückzahlungsrate von 74,80 Euro wäre ein Dispokredit mit einem Zinssatz von 9,50% pro Jahr trotzdem nach 30 Monaten abgetragen. Der große Vorteil im Vergleich zur Umschuldung: Sollte es mit der "Tilgungshöhe" mal einen Monat nicht klappen, ist dies nicht schlimm, da es keine fixe Vereinbarung mit der Bank gibt.

Wer dauerhaft aus der Dispofalle ausbrechen möchte, findet also verschiedene Wege, um dies zu erreichen. Darüber hinaus ist es zudem sinnvoll, eine finanzielle Notreserve aufzubauen. Wer sich dabei ein Tagesgeldkonto einrichtet und jeden Monat nur 50 Euro einzahlt, hat nach zwei Jahren immerhin 1.212,53 Euro. Kleinere Turbulenzen lassen sich mit einer solchen Sicherheitsreserve zumindest schon einmal abfedern.

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Hohe Dispozinsen lassen sich durchaus umgehen

Abschließend lässt sich festhalten, dass heute viele Banken nach wie vor recht hohe Dispozinsen berechnen. Trotzdem muss ein teurer Dispokredit heute kein "Schicksal" mehr darstellen. Es gibt heute auch viele Banken, die günstige Dispo-Konditionen zur Verfügung stellen. Darüber hinaus existieren alternative Wege, mit denen sich die hohen Zinsen umgehen lassen. Wer sich um eine Umschuldung bemüht oder sich die Konditionen für Abrufkredite genauer anschaut, wird schnell erkennen, dass es auch günstiger geht. Der Aufbau einer kleinen Notreserve hilft zudem dabei, sich dauerhaft von der Dispofalle emanzipieren zu können.