Über 90 % der Unternehmen, die Factoring in Anspruch nehmen, gehören zum Mittelstand. Somit kann diese Finanzierungsalternative längst nicht mehr als Alternative für große Unternehmen angesehen werden. Factoring findet mittlerweile in zahlreichen Branchen Platz. Die klassischen Anwendungsbranchen sind der Handel, Herstellung von Rohstoffen, Maschinen und Dienstleistungen.

Was ist Factoring?

Factoring bezeichnet den Verkauf von offenen Forderungen aus dem Verkauf von Waren oder Dienstleistungen. Innerhalb der ersten 24 - 48 Stunden bekommt das Unternehmen vom Factor ca. 80-90 % der Forderungssumme auf das Bankkonto abzüglich Gebühren. Die restlichen 10-20 % erhält man sofort, nachdem der Debitor seine Rechnung beglichen hat. In der Regel übernimmt dabei der Factor zu 100 % das Ausfallrisiko, sodass die eigene Buchhaltung sich um nichts mehr kümmern muss. Damit das Ausfallrisiko vom Factoring Anbieter problemlos übernommen werden kann, wird im Vorhinein eine Bonitätsprüfung durchgeführt. Anhand dieses Prüfung ergibt sich das Limit, bis zu welchem Betrag das Ausfallrisiko übernommen wird.Wird ein Factoring Vertrag abgeschlossen, so bezieht sich dieser nicht nur auf eine Forderung, sondern auf alle Forderungen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Sämtliche eingehende Forderungen werden dann umgehend an das Factoring Unternehmen weitergegeben, wodurch man umgehend immer 80-90 % seines Geldes umgehend erhält in 24 Stunden. Eine Ausnahme bildet hier das Import- und Exportfactoring. Dabei kann festgelegt werden, dass nur Forderungen aus dem In- oder Ausland abgetreten werden. Sitzen die Debitoren im Ausland, so fällt das unter Exportfactoring. Sitzen die Lieferanten im Ausland, liefern aber nach Deutschland und nutzen ein deutsches Factoring Unternehmen, so spricht man von Importfactoring.

Verschiedene Formen von Factoring

Echtes Factoring

Das echte Factoring ist die übliche Variante. Hierbei wird das Ausfallrisiko vom Factor übernommen und die eigeneBuchhaltung hat mit dem Fall nichts mehr zu tun.

Unechtes Factoring

Das unechte Factoring ist genau das Gegenteil, denn hier gibt es keine Haftung. Auch als Delkredereschutz bekannt. Somit bleibt das Ausfallrisiko trotz des Verkaufes der Forderung im eigenen Unternehmen.

Offenes Factoring

Beim offenen Factoring wird der Debitor darüber in Kenntnis gesetzt, dass seine Forderung an ein Factoring Unternehmen veräußert wurde. Dabei wird meistens ein Rundschreiben verfasst, welches den Debitor darüber informiert und ihm gleichzeitig die neue Bankverbindung mitteilt, sowie den Ansprechpartner.

Stilles Factoring

Beim stillen Factoring wird der Debitor nicht über den Verkauf der Forderung informiert. Dieses Variante muss aber wieder in zwei weitere Varianten differenziert werden. Einmal gibt es die Möglichkeit, dass der Debitor seine Rechnung ganz normal auf das Bankkonto des Unternehmens begleicht, trotz Verkauf der Forderung. Dann muss dieses als Pfand aber dem Factor zugesichert werden. Die andere Möglichkeit ist, dass dem Debitor die Bankverbindung des Factors mitgeteilt wird, aber ohne den Vermerk über den Verkauf der Forderung, wie beim offenen Factoring.